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Blockchain ermöglicht Ökostrom-Mix

Die Blockchain-Technologie, mit der Daten dezentral und direkt ausgetauscht werden können, ist bisher wegen der stromfressenden Bitcoins, die mit ihr generiert werden, vor allem als Umweltsünder bekannt. Allerdings bietet sie auch neue Chancen für den dezentralen Handel mit Ökostrom.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Blockchain – the next big thing, so heißt es. Die nächste Generation des Netzes. Doch zuletzt hatte die digitale Transaktionstechnologie eine schlechte Presse. Die meisten Zeitgenossen verbinden bisher nur die Kryptowährung "Bitcoin" damit, die per Blockchain generiert wird.

 BildDie Stadtwerke Wuppertal sind der erste Anbieter eines Blockchain-Handelsplatzes in Deutschland. Im Bild die Schwebebahn über der Wupper. (Foto: Peggy und Marco Lachmann-Anke/​Pixabay)

Bitcoin aber machte in den letzten Wochen viele negative Schlagzeilen – als Spekulationsobjekt und Umweltsünder. Der Kurs explodierte ebenso wie der Stromverbrauch der Serverfarmen, die für das Bitcoin-"Mining" nötig sind. Die Kapazität von zwei bis drei großen Kohlekraftwerken wird weltweit gebraucht, um sie am Laufen zu halten.

Doch die Blockchain-Technologie kann noch für viele andere Zwecke genutzt werden, gerade auch im Energiesektor. Vorreiter sind hier in Deutschland die Stadtwerke Wuppertal, die zum Jahresbeginn den weltweit ersten Blockchain-basierten Handelsplatz für Ökostrom eines kommunalen Energieversorgers gestartet haben – genannt "Tal-Markt".

Über die entsprechende Internet-Seite können Kunden ihren Strom bei Ökostrom-Anbietern aus der Stadt im Bergischen Land kaufen und ihren Energiemix nach eigenem Gusto zusammenstellen. Jede Transaktion werde per Blockchain fälschungssicher ausgeführt, heißt es. Dank der Technologie können Daten dezentral ausgetauscht und gespeichert werden.

Nur Ökostromanbieter aus der Region erlaubt

Das Interesse an dem neuen Angebot war unerwartet hoch. "Der Erfolg des Tal-Markts hat uns positiv überrascht", sagte Stadtwerke-Manager Andreas Brinkmann. Seit das Unternehmen den Ökostrom-Markt Ende November vorstellte, habe es über 20.000 Seitenabrufe auf der Internetseite wsw-talmarkt.de gegeben.

Zu Jahresbeginn konnten allerdings erst einige Dutzend Kunden Strom über die neue Plattform beziehen, darunter übrigens auch Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke. Um das Angebot nutzen zu können, müssen bei den Kunden nämlich intelligente Stromzähler installiert werden. Die Kosten für Zähler und Einbau übernehmen die Stadtwerke.

Zur Premiere startet das Unternehmen "ganz bewusst" nur mit Energieproduzenten aus Wuppertal und dem Bergischen Land – offenbar auch ein Mittel, um die Kundenbindung zu verbessern. Motto: "Bergischer Strom für Wuppertaler Kunden".

Zu den Stromanbietern beim Tal-Markt gehören eine Wuppertaler Firma mit einer großen Solaranlage, der Verein "Regen" als Betreiber des ersten Wuppertaler Windrads sowie zwei große private Photovoltaik-Anlagen. In der Pilotphase bieten die Stadtwerke auch Strom aus eigenen Öko-Anlagen an, nämlich aus zwei Blockheizkraftwerken und einer Wasserturbine.

Dena-Studie: Großes Potenzial für Energiewende

Inzwischen haben auch potenzielle Kunden und Stromanbieter aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz angefragt, ob sie an dem neuen Markt teilnehmen können. Bisher ist das nicht möglich. Mittelfristig sei es aber denkbar, das Wuppertaler Modell auf andere Regionen zu übertragen, heißt es bei den Stadtwerken. Die Blockchain-Technologie mache eine Erweiterung des Angebots einfach.

BildPer Blockchain wird der Energieaustausch durch alle Computer im Netzwerk verifiziert. Das stellt sicher, dass die produzierte Energie nur einmal verbraucht wird. Auch Strom-Herkunft lässt sich so nachweisen. (Foto: Gerd Altmann/​Pixabay)

Wie groß das Potenzial der Blockchain-Technologie für die gesamte Energiewende ist, zeigt eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Sie bringe neue Möglichkeiten für den Energiemarkt, etwa für einen direkteren Austausch zwischen dezentralen Energieerzeugern und -verbrauchern, heißt es darin. In einer Umfrage unter 70 führenden Energiemanagern gab die Hälfte der Befragten bereits Ende 2016 an, mit der Blockchain zu experimentieren oder dies zu planen.

[Erklärung]  
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