Die EEG-Umlage sinkt, der Strompreis nicht

Trotz gut gefüllten Kontos sinkt die EEG-Umlage 2018 nur minimal – von knapp 6,9 Cent in diesem Jahr auf rund 6,8 Cent im nächsten. Mehr und mehr gerät – neben der Preispolitik der großen Netzbetreiber – die gesamte Finanzierung der Energiewende in die Kritik.

Von Susanne Schwarz und Jörg Staude

Deutschland steht, glaubt man den Prognosen, ein Ökostrom-Boom ins Haus: Ein sattes Plus von acht Prozent bei der regenerativen Stromerzeugung sagen die vier großen Netzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW bei der Berechnung der EEG-Umlage fürs nächste Jahr voraus.

BildDie Umlage zur Finanzierung der Energiewende sinkt 2018. (Foto: Martin Abegglen/Flickr)

Den Netzbetreibern zufolge sollen dann etwa 204 Terawattstunden grüner Strom durch inländische Leitungen fließen. Das liege vor allem am Ausbau der Windenergie – sowohl an Land als auch auf See. Branchenexperten sehen die Prognose sogar eher am unteren Ende. So rechnen die Netzbetreiber damit, dass dieses Jahr 3.200 Megawatt Windkraft onshore und offshore neu ans Netz gehen, die Windbranche selbst sieht den Zuwachs bei 4.500 Megawatt.

Dennoch wird die EEG-Umlage, mit der die Stromkunden die erneuerbaren Energien finanzieren, sinken, wenn auch nur ein bisschen: Pro Kilowattstunde werden im kommenden Jahr 6,792 Cent fällig, 1,3 Prozent weniger als derzeit.

Die Höhe der EEG-Umlage sagt, für sich genommen, nicht viel darüber aus, wie viel oder wenig die Energiewende gerade kostet. Die Umlage bildet die Differenz zwischen dem ab, was den Betreibern von erneuerbaren Stromanlagen gesetzlich zusteht, und dem, was sie für ihren Strom an der Börse erlösen.

Die Umlage steigt also nicht nur, wenn die Energiewende teurer wird, sondern auch dann, wenn – wie es lange Zeit der Fall war – der Börsenpreis durch ein Überangebot an Strom sinkt. Das führte missverständlicherweise regelmäßig zu Berichten und Debatten über zu hohe Strompreise und steigende Kosten der Energiewende.

Trotz der geringeren EEG-Umlage wird der Strom für Verbraucher insgesamt wohl nicht billiger. In manchen Regionen sind sogar höhere Preise zu erwarten. Das liegt aber vor allem an einem anderen, dem inzwischen größten Posten auf der Stromrechnung: den Netzentgelten, mit denen die Stromkunden für den Bau und die Instandhaltung der Stromnetze zahlen. Deren Anteil erreicht nach Angaben der Energiebranche inzwischen mehr als ein Viertel des durchschnittlichen Haushaltstrompreises – noch etwas mehr als das, was die EEG-Umlage ausmacht.

"Überhöhte gesetzliche Renditen"

Auch wenn die Netzentgelte 2018, wie es bisher aussieht, nur in einigen Regionen steigen sollen, kritisiert etwa das Ökostromunternehmen Lichtblick die Preispolitik der Netzbetreiber sowie deren "überhöhte gesetzliche Garantierenditen". "Deutschlands Verbraucher könnten um Milliardenbeträge entlastet werden, ohne den Netzausbau zu gefährden", meint Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft bei Lichtblick. Die Netzentgelte seien die "Kostentreiber der Energiewende" – nicht die EEG-Umlage.

Geht es nach Eva Bulling-Schröter, Klimapolitikerin der Linken, hätte die Umlage stärker gekappt werden können – und zwar ohne dass die Stromkunden das durch einen höheren Börsenpreis bezahlen. Denn die Netzbetreiber mussten weniger Geld ausgeben als bei der Festlegung der EEG-Umlage in der Vergangenheit gedacht.

Angesichts eines Überschusses auf dem EEG-Konto von zurzeit sogar mehr als drei Milliarden Euro sei es ein "Unding", dass die Umlage nicht deutlicher gesenkt und den Verbraucherinnen und Verbrauchern ihr Geld zurückgegeben wird, sagt die Politikerin. Die Netzbetreiber wollen aber auch 2018 eine sogenannte Liquiditätsreserve einbehalten – in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro. 

Industrieprivilegien belasten andere Stromkunden

Für 2018 rechnen die Netzbetreiber mit EEG-Gesamtkosten von rund 27,1 Milliarden Euro. Davon sollen die Ökostromer rund 1,6 Milliarden Euro selbst einnehmen, vor allem aus der Direktvermarktung des Stroms. Desweiteren spült die geplante Absenkung der Liquiditätsreserve von derzeit mehr als drei auf 1,5 Milliarden Euro noch einmal Geld in die Kasse – summa summarum erhalten die Grünstromer knapp 23,8 Milliarden Euro aus der EEG-Schatulle.

Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen, kritisiert, dass diese Milliarden-Kosten nach wie vor ungerecht verteilt seien. "Während eine Vielzahl von Unternehmen teils erhebliche Rabatte bei der Umlage erhält, müssen die übrigen Verbraucher diese Privilegien mitfinanzieren." Das Umlageverfahren müsse überarbeitet werden, um Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen zu entlasten, fordert Verlinden.

Tatsächlich sind die Rabatte für Industriebetriebe bei der EEG-Umlage im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen: Erhielten die Unternehmen 2006 noch Vergünstigungen von 400 Millionen Euro, liegen diese heute bei rund fünf Milliarden Euro.

BildDie Netzentgelte steigen nur in einigen Regionen – machen aber einen größeren Teil des Strompreises aus als die EEG-Umlage. (Foto: Schulze von Glaßer)

Die konventionelle Energiewirtschaft plädiert indes nicht dafür, der Industrie weniger Bonbons zu schenken. Der Branchenverband BDEW will das nicht länger vor allem durch die Haushaltskunden bezahlen lassen, sondern den Bund und damit die Steuerzahler zur Kasse bitten. "Damit ließe sich die EEG-Umlage auf einen Schlag um fast ein Viertel reduzieren", argumentiert BDEW-Geschäftsführer Stefan Kapferer.

Laut dem früheren FDP-Wirtschaftspolitiker hat ein solcher Systemwechsel nur Vorteile. "Das wäre erstens sozialverträglicher, da die Stromverbraucher entlastet würden. Zweitens wäre es ein Beitrag, um den zunehmend aus Erneuerbaren erzeugten Strom auch im Verkehrs- und Wärmesektor wettbewerbsfähiger zu machen."

Redaktioneller Hinweis: Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking ist Mitherausgeber von klimaretter.info

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