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Offshore-Zuschlag bei null Cent Förderung

Die Stromkunden, die EEG-Umlage bezahlen, können frohlocken – die Windkraft-Branche selbst ist über das Osterei gar nicht so glücklich: Die Bundesnetzagentur hat die Gewinner der ersten Ausschreibung für Windkraft auf See bekannt gegeben. Die Mehrzahl der Sieger will nach 2020 für den Strom kein Geld mehr aus dem EEG-Topf.

Von Jörg Staude

Mit einem Paukenschlag endet die erste Ausschreibung von Offshore-Windkraft: Unter den vier Projekten, die am Donnerstag von der Bundesnetzagentur als Gewinner bekannt gegeben wurden, sollen nach klimaretter.info vorliegenden Informationen drei Gebote mit 0,00 Cent den Zuschlag erhalten haben.

BildWindparks auf See ab 2020 allein aus den am Markt zu erzielenden Stromerlösen zu bauen und zu betreiben – die Windstromer rechnen offenbar mit deutliche steigenden Strompreisen. (Foto: Matthias Ibeler/​EnBW)

Die Netzagentur selbst teilt zunächst nur mit, dass beim ausgeschriebenen Volumen von 1.550 Megawatt vier Gebote mit zusammen 1.490 Megawatt den Zuschlag erhalten haben. Die vier Projekte liegen alle in der Nordsee und werden im Einzelnen realisiert durch die Dong Energy Borkum Riffgrund West II GmbH (Nordsee Cluster 1), die EnBW He Dreiht GmbH (Nordsee Cluster 7), die Gode Wind 03 GmbH (Nordsee Cluster 3) und die Northern Energy OWP West GmbH (Nordsee Cluster 1). Laut Ausschreibung müssen die Windparks zwischen 2021 und 2025 in Betrieb gehen.

Zu den Preisen verrät die Behörde nur, dass das niedrigste Gebot bei null und das höchste bei sechs Cent gelegen habe und der durchschnittliche Zuschlagswert bei 0,44 Cent je Kilowattstunde. Das sei ein Wert "weit unterhalb der Erwartungen". Ein Zuschlagwert von null Cent je Kilowattstunde bedeutet dabei, dass die Unternehmen "offensichtlich davon ausgehen, dass sich die Projekte allein aus den Verkaufserlösen für den Strom finanzieren", bestätigte die Bundesnetzagentur am Donnerstag gegenüber klimaretter.info.

Die Behörde weist auch darauf hin, dass die Projekte mit dem Zuschlag auch einen – von den Stromverbrauchern über die Netzentgelte finanzierten – Netzanschluss erhalten sowie die Möglichkeit, ihren Windpark über 25 Jahre zu betreiben. Weil die Unternehmen allein über die vom EEG vorgesehene Ausschreibung ihren künftigen Windpark ans Netz bekommen können, müssten sie sich – so war aus der Branche selbst zu hören – auf diesen Unterbietungswettbewerb einlassen.

Der jetzigen ersten Ausschreibung mit 1.550 Megawatt soll 2018 eine zweite in derselben Größenordnung folgen. Um diese 3.100 Megawatt bewerben sich gut zwei Dutzend Offshore-Projekte mit zusammen 7.000 bis 8.000 Megawatt, sodass nach aktuellem Stand mindestens die Hälfte der zum Teil bereits entwickelten Projekte absehbar nicht zum Zuge kommt. Das jetzige Verfahren komme deswegen einer "schon fast einer Art kalter Enteignung gleich", hatte dazu der Geschäftsführer der Stiftung Offshore-Windenergie, Andreas Wagner, kürzlich im Interview mit klimaretter.info erklärt.

EnBW: Bau und Betrieb inzwischen ohne Förderung möglich

Die Branchenverbände betonten denn auch am Donnerstag angesichts der null Cent, dass die Stromkunden durch den künftigen Offshore-Ausbau nach 2020 kaum noch für die EEG-Förderung neuer Offshore-Windparks aufkommen müssten. Entsprechend sei die Bundesregierung spätestens in der kommenden Legislaturperiode gefordert, die Ausbauziele für die Windkraft auf See "nach oben zu öffnen", heißt es in einer Erklärung. Es gehe um "mutige Maßnahmen" zum Netzausbau und für die Sektorenkopplung.

Die Branche macht aber auch darauf aufmerksam, dass die jetzige Ausschreibung im Rahmen eines Übergangssystems stattfand, bei dem bereits vorentwickelte Projekte gegeneinander antraten. Auf diese Weise würden, heißt es weiter, "hierzulande unterschiedliche Preise innerhalb einer Ausschreibungsrunde bezuschlagt".

Anders gesagt: Die null Cent seien auch dem Umstand geschuldet, dass einige Unternehmen unter offenbar besseren Voraussetzungen als andere in die Ausschreibung gehen konnten.

Von den Gewinnern der Aktion bestätigte, soweit bekannt, am Donnerstag nur die EnBW Energie Baden-Württemberg, dass sich ihr 900-Megawatt-Windpark "He Dreiht" mit dem Null-Cent-Preis, also ohne EEG-Subventionen, durchgesetzt habe. EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux sprach von einem "Quantensprung" bei der Offshore-Technologie, die sich nun "auch in der Effizienz als veritabler Treiber der deutschen Energiewende qualifiziert".

BildDie Branche hofft, dass mit dem Verzicht auf Förderung mehr Windkraft auf See als bisher geplant (Grafik vergrößern) installiert wird. (Grafik: Stiftung Offshore-Windenergie)

Nach den Angaben des Stromkonzerns soll "He Dreiht" erst 2025 in Betrieb gehen. Der Windpark werde so von der rasch fortschreitenden Technologieentwicklung und weiterer Professionalisierung in der Branche profitieren. Synergie- und Kostensenkungseffekte würden sich auch durch die räumliche Nähe zu den beiden vorhandenen EnBW-Windparks "Hohe See" und "Albatros" ergeben. Zusammen führe das dazu, dass EnBW bei "He Dreiht" besonders niedrige Kosten haben werde, sodass der neue Windpark tatsächlich ohne Förderung realisiert und betrieben werden könne.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: (Strom-)Markt der Verzweiflung

[Erklärung]  
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