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Opec gegen Fracker, zweite Runde

Die Fracking-Firmen in den USA haben die Kosten für die Produktion von "Schieferöl" stark gesenkt. Außerdem können sie ihre Produktion schnell hoch- und runterfahren. Dadurch hat das Ölkartell Opec seinen Einfluss auf den Ölpreis weitgehend verloren. Öl bleibt billig.

Aus Chiang Mai Christian Mihatsch

Der Ölpreis begann letzte Woche zu rutschen und lag am Mittwoch dieser Woche knapp unter 51 US-Dollar pro Barrel für die Nordseesorte Brent. Innerhalb von Tagen wurde Öl knapp zehn Prozent billiger und kostet jetzt wieder so viel wie Ende November letzten Jahres.

BildImmer weiter geradeaus: Während das Klima sich aufheizt, sind die Opec und Russland vom Ölexport abhängig. (Foto: Unsplash/​Pixabay)

Damals hatte das Ölkartell Opec angekündigt, die Förderung zu drosseln. Dies hatte den gewünschten Effekt: Der Ölpreis stieg auf rund 55 Dollar. Damit war die erste Runde im Kampf der Opec gegen die Produzenten von "Schieferöl" in den USA zu Ende.

Zuvor hatte die Opec den Markt mit Öl geflutet und den Preis zeitweise auf unter 30 Dollar gedrückt – in der Hoffnung, das Fracking-Öl aus dem Markt drängen zu können. Doch das gelang nur begrenzt. Die Zahl der Bohrlöcher, aus denen Erdöl mittels Fracking gewonnen wird, ging um zwei Drittel zurück.

Doch die Branche überlebte, indem sie Kosten senkte und die Effizienz steigerte. Vor drei Jahren brauchten die "Fracker" noch einen Ölpreis von 66 bis 98 US-Dollar, um Gewinn zu machen. Mittlerweile erreichen sie die Gewinnschwelle schon bei einem Preis von 29 bis 39 Dollar (siehe Grafik).

BildEntwicklung der Rentabilitätsschwelle beim Netto-Ölpreis (in US-Dollar pro Barrel) für die wichtigsten Fracking-Fördergebiete in den USA. (Grafik: Rystad Energy)

Der Preisrutsch zeigt, dass nun die zweite Runde des Kampfs "Opec gegen die Fracker" eingeläutet wurde – doch unter umgekehrtem Vorzeichen: Jetzt nehmen die Fracker der Opec Marktanteile weg und drücken damit den Preis.

Die Opec hat die angekündigten Produktionskürzungen tatsächlich vorgenommen. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass die Opec-Förderung dieses Jahr um knapp 1,2 Millionen Barrel pro Tag niedriger lag als im Dezember. Trotzdem sind die Lagerbestände an Öl weiter auf sehr hohem Niveau.

Das hat mehrere Gründe: Bevor die Förderkürzung in Kraft trat, lag die Ölproduktion auf einem Rekordniveau. Außerdem haben Libyen und Nigeria ihre Förderung dieses Jahr gesteigert. Für diese beiden Opec-Länder gilt kein Produktionsdeckel. Zudem wächst die Ölnachfrage vor allem wegen des schleppenden Wirtschaftswachstums in China weiterhin nur langsam.

Der Hauptgrund ist aber die Schieferöl-Produktion. Die US-Frackingfirmen haben den höheren Ölpreis genutzt, um ihre Produktion deutlich auszuweiten: Im wichtigsten Fördergebiet für Fracking-Öl, dem Permian Basin, konnte die Produktion in den letzten fünf Monaten um zehn Prozent gesteigert werden und die Firmen haben angekündigt, ihre Förderung weiter zu erhöhen.

Das macht mittlerweile selbst den US-Frackern Sorge. Harold Hamm, der Chef von Continental Resources, warnt: Die Ausweitung der Produktion müsse "auf geregelte Weise erfolgen, sonst killen wir den Markt".

Opec droht, Russland warnt

Die weitere Entwicklung des Ölpreises hängt von der Opec ab. Die Deckelung der Produktion gilt nur bis Ende Juni. Ob sie verlängert wird entscheidet die Opec im Mai.

Dabei steht sie vor zwei schlechten Alternativen: Behält sie den Deckel bei, bleibt der Preis relativ hoch und die Opec-Länder verlieren weiter Marktanteile an die US-Frackingfirmen. Gibt sie den Deckel auf, dürfte der Preis wieder deutlich fallen.

Bei einem Treffen zwischen Opec-Vertretern und US-Schieferölproduzenten warnte ein Opec-Vertreter: Das Kartell werde "den Schlag durch die steigende US-Produktion nicht einfach einstecken" und die US-Firmen sollten "nicht annehmen, dass die Opec die Förderkürzung verlängert."

Die russische Ölfirma Rosneft warnt ebenfalls: "Es gibt ein signifikantes Risiko, dass der Opec-Deal nicht verlängert wird" und folglich "bleibt die Gefahr, dass der Preiskrieg wieder anfängt". Langfristig würden aber "das Wachstum der Ölnachfrage und die niedrigen Investitionen während der Periode ultra-niedriger Preise wieder für ein Gleichgewicht auf dem Ölmarkt sorgen".

BildBeim Fracking – hier im US-Bundesstaat Wyoming – braucht man sehr viele Bohrlöcher. Aus der Luft betrachtet sieht das aus wie ein Schädlingsfraßbild im Holz. (Foto: Simon Fraser University/​Flickr)

Das könnte allerdings sehr lange dauern. Letzte Woche wurde in Alaska ein neues Ölfeld entdeckt – das größte neu entdeckte US-Vorkommen seit 30 Jahren.

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