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Wie man Licht mieten kann

BildDie Beleuchtung von Werkshallen, Betriebsstätten und Verkaufsräumen verbraucht Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. Der Umstieg auf LED-Lampen könnte zwei Drittel davon einsparen. Viel zu hohe Investitionskosten? Nein: Man kann Licht auch bequem und günstig mieten. Teil 2 unserer Serie "Effizienz. Clever!"

Von Eva Mahnke

Vor zehn Jahren ist Alexander Hahn über die Idee gestolpert, die heute dafür sorgt, dass Gießerei-Besitzern, Maschinenbauern, Fruchtsaftherstellern und einem Aluminiumkonzern ein helleres Licht aufgeht. Und das mit weniger CO2-Ausstoß, mehr Geld in der Kasse und ohne dass die Firmen einen Finger krumm machen müssen. Wie das geht? Hahn vermietet ihnen LED-Licht für ihre Betriebsstätten und Werkshallen. Und zwar als Rundum-sorglos-Paket.

BildSo sieht "gemietetes Licht" aus: Fabrikhalle, die mit LED-Leuchten der Deutschen Lichtmiete GmbH ausgerüstet ist. (Foto: Deutsche Lichtmiete)

Denn vor zehn Jahren hat Aleander Hahn etwas Wesentliches erkannt. Berührt von Al Gores Film "Eine unbequeme Wahrheit" hatte er sein Eigenheim kritisch unter die Lupe genommen, um, wo immer es ginge, seinen Energieverbrauch und damit seinen persönlichen Anteil am rasant voranschreitenden Klimawandel zu verringern. Dabei stolperte Hahn über eine Tücke beim Thema Beleuchtung: Es lohnt sich zwar langfristig auch finanziell, auf die äußerst sparsamen LED-Lampen umzusteigen, die mit ihrem bis zu 65 Prozent geringeren Energieverbrauch als Gebot der Stunde erscheinen. Aber die Anschaffung der neuen Beleuchtung ist erst mal nicht billig.

Und wenn das in seinem Eigenheim schon so teuer wäre, so Hahns damalige Überlegung, wie groß müsste die Investition – und damit die Hürde – für die Umstieg auf LED-Beleuchtung erst für Unternehmen und ganze Konzerne sein? 

Mieten statt selber investieren

Als Leasingexperte, der er in seinem damaligen Beruf war, kam Hahn die entscheidende Idee, wie man den Unternehmen genau diese Investitionshürde abnehmen kann: Er gründete eine Firma, die die alten Leuchtstoffröhren und Metalldampflampen in den Werkshallen auf eigene Kosten gegen LED-Leuchten austauscht, über einen fest vereinbarten Zeitraum wartet und bei Ausfall ersetzt. Als Gegenleistung wird eine monatliche Miete fällig – mehr nicht. Die hohen Investitionskosten entfallen für die Unternehmen und Konzerne komplett. Der Name von Hahns Firma ist Programm: Deutsche Lichtmiete GmbH.

"Im Rahmen der Mietvereinbarung übernimmt die Deutsche Lichtmiete die komplette Umrüstung inklusive eines individuell erstellten Beleuchtungskonzepts und einer professionellen Installation der Beleuchtungsanlage", erläutert heute Alexander Hahns Bruder Marco, der mittlerweile ins Unternehmen eingestiegen ist und den Bereich Marketing leitet, das Konzept. "Sobald die LED-Lampen installiert sind, verringern sich die Betriebsstromkosten um rund 65 Prozent." Insgesamt würden sich die Gesamtbeleuchtungskosten für den Mieter nach Abzug aller Miet- und Stromkosten um 15 bis 35 Prozent reduzieren. Marco Hahn nennt das "eine klassische Win-win-Situation, sowohl für den Lichtmieter als auch für die Umwelt".

Ausgelagertes Risiko

Und nicht nur die Kosten der Investition entfallen für die Mieter der LED-Lampen. Ebenso verschwinden die damit verbundenen Risiken. Denn die sind für die Unternehmen teilweise schwer zu ermessen. Grund ist, dass sich die Anschaffung der LEDs – gerade bei den sehr niedrigen Strompreisen energieintensiver Unternehmen – erst über einen langen Zeitraum amortisiert. Je länger der Zeitraum, desto unsicherer ist, wann Lampen ausfallen und die Bilanz belasten.

"Hier unterscheidet sich die Sichtweise von Unternehmen sehr von der Sichtweise von Haushalten", erläutert Marketing-Chef Marco Hahn. "So eine Beleuchtungsanlage kann ja schon mal 500.000 Euro kosten. Die Return-on-Investment-Rechnung sagt zum Beispiel: Die Anlage muss mindestens sieben oder gar zehn Jahre halten." Anderenfalls stimme die ganze Rechnung nicht mehr. "Die Beleuchtung muss einfach funktionieren, die Firmen können sich nicht leisten, dass da etwas ausfällt."

Und die Lampen müssen teilweise eine Menge aushalten, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass es in Gießereien auch unter der Hallendecke noch bis zu 70 Grad Celsius warm sein kann oder es in vielen Werkshallen sehr staubig ist. Zwar gewähren die Hersteller von LED-Lampen Garantie. Aber selbst bei kostenlosem Ersatz kaputter Produkte entstehen Kosten, weil die Werkshallenbetreiber etwa Hubsteiger mieten müssen, um die Lampen in 28 Metern Höhe auszutauschen.

Mit dem Mietmodell verschwinden diese Risiken aus den Bilanzen der Mieter – ebenso wie die Suche nach verlässlichen Herstellern und der Auseinandersetzung mit den Garantiezeiten für die Lampen. Der Vermieter allerdings halst sich diese Risiken auf.

Anreiz für langlebige Produkte

Dreh- und Angelpunkt ist deshalb die Lebensdauer der vermieteten Lampen. Mit der Qualität der LED-Lampen namhafter Hersteller hat die Lichtmiete GmbH in der Anfangszeit allerdings weniger gute Erfahrungen gemacht. Zu kurz sei die Lebensdauer, zu oft seien die Produkte ausgefallen, erzählt Marco Hahn. "Wir müssen uns auf die Produkte verlassen können. Sonst haben wir ja bei großen Projekten riesige Kosten zu tragen."

BildDie Umrüstung auf LED-Lampen spart nicht nur Energie, es kann auch sehr viel heller werden – wie zum Beispiel in dieser Lagerhalle eines Lebensmittelkonzerns. (Foto: Deutsche Lichtmiete)

Also lieber selber machen. Dass das geht, zeigt die Lichtmiete mit ihren Lampen aus dem eigenen Werk, das mittlerweile im niedersächsischen Oldenburg aufgebaut wurde. "Unsere Produkte halten bis zu 150.000 Stunden – im Gegensatz zu den sonst üblichen 25.000 bis 50.000 Stunden Lebensdauer", sagt Hahn.

Das Geheimnnis hinter der längeren Lebensdauer: Alle Bauteile kauft das Unternehmen in bester Qualität ein, entscheidende Verbindungen sind doppelt vorhanden, die LED-Chips in den Lampen werden schonender bestromt, dafür werden mehr von ihnen eingebaut. Hierdurch sind die Lampen zwar in der Produktion teurer. "Aber das ist nicht schlimm", erklärt Hahn, " weil wir unsere Produkte ja nicht verkaufen."

Sogar, wenn sich ein Kunde nach zehn Jahren Mietdauer entscheidet, den Vertrag zu beenden und die Lampen zurückzugeben, wandern diese nicht auf den Müll. "Irgendwann ist der LED-Chip verbraucht", so Hahn. "Das ist aber kein Problem: Wir ersetzen den Chip durch einen neuen und das ganze Produkt ist 'repowered'. Das Gehäuse hält ewig." Dagegen seien viele handelsübliche Lampen verschweißt. Die könne man nicht aufschrauben, sondern müsse gleich die ganze Lampe wegwerfen.

Die Miet-Idee spart also nicht nur Großinvestitionen und mindert Risiken, sie ändert auch die Anreizstruktur grundlegend, sodass es ökonomisch attraktiv ist, langlebige und reparierbare Produkte zu bauen.

"Prinzipiell auf andere Sektoren übertragbar"

Vor zehn Jahren hatte Firmengründer Alexander Hahn die Idee, Licht zu vermieten. Mittlerweile hat das Unternehmen mehrere hundert Kunden, darunter den Aluminiumhersteller Hydro, einen Edeka-Supermarkt, den Fruchsaftproduzenten Beckers Bester, einen Laserspezialisten, einen Druckmaschinenhersteller, eine Sporthalle und ein Rechenzentrum.

Was Alexander Hahns Idee bei ihnen vollbringt, könnte die deutsche Wirtschaft ein gutes Stück energieeffizienter machen. Rund 63 Milliarden Kilowattstunden Strom hat die Beleuchtung von Industriehallen, Werkstätten, Bürogebäuden, Supermärkten, Läden, Friseursalons und allen sonstigen Räumen von Industrie, Gewerbe und Handel im Jahr 2015 gefressen. Das ist sechsmal so viel, wie die rund 40 Millionen privaten Haushalte in Deutschland fürs Licht verbrauchen.

BildHier werden LED-Industrie-Deckenstrahler produziert. (Foto: Deutsche Lichtmiete)

Wäre das Mietmodell dann nicht auch auf andere Sektoren übertragbar? "Ja", ist Marco Hahn überzeugt. Prinzipiell lasse sich das Vermieten von Beleuchtung auch in anderen Bereichen etablieren. "Voraussetzung wäre ein langer, störungsfreier Betrieb von gemieteten Anlagen, der sich im Mietmodell wirtschaftlich günstig abbilden lässt." Die Lichtmiete will allerdings erst einmal bei ihrem Kerngeschäft bleiben.

Die Serie: Effizienz. Clever!Bild

Teil 1: Energieeffizienz als "first fuel"
Teil 2: Wie man Licht mieten kann

[Erklärung]  
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