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Klimarettung kostet nicht mehr die Welt

Die Kosten für erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren spektakulär gefallen und sinken weiter. An guten Standorten sind Wind- und Solarkraft mittlerweile billiger als Braunkohle. Das Ziel des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes, für eine Nischentechnologie einen Massenmarkt zu schaffen, ist erreicht.

Aus Chiang Mai (Thailand) Christian Mihatsch

Die Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 war ein Debakel, der Paris-Gipfel ein Triumph. Warum? "In Kopenhagen wussten die Regierungen auch, dass die Klimaerwärmung gestoppt werden muss. Aber sie wussten nicht, wie das gehen soll und wie man das vor allem bezahlt", sagte ein europäischer Diplomat nach Paris. Die beiden letzten Fragen sind mittlerweile geklärt.

BildSinkende Kosten für Erneuerbare und Effizienz (Grafik vergrößern): Heute sind Windkraft, Photovoltaik, Batterien und LED-Leuchten viel billiger als 2008. (Grafik: US Department of Energy)

Klimafreundliche Technologien haben sich bewährt und die Kosten dafür sind in den letzten Jahren spektakulär gefallen. Das US-Energieministerium hat nachgerechnet: Seit Kopenhagen sind die Kosten für Windstrom um zwei Fünftel und die Kosten für große Photovoltaikanlagen gar um drei Fünftel gefallen. Batterien kosten gar nur noch ein Viertel und Energiesparlampen noch fünf Prozent von damals.

In vielen Ländern sind erneuerbare Energien nun billiger als fossile. Spitzenreiter bei der Sonnenenergie sind Dubai und Chile. Dort werden derzeit Solaranlagen gebaut, deren Strom weniger als drei US-Cent pro Kilowattstunde kostet. Bei Wind liegt Marokko, der Gastgeber der diesjährigen Klimakonferenz, vorn. Übernächstes Jahr geht dort ein Windpark ans Netz, der ebenfalls nur drei US-Cent pro Kilowattstunde bekommt.

Zum Vergleich: Als das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 eingeführt wurde, bekamen Besitzer von Solaranlagen noch 50 Euro-Cent pro Kilowattstunde. Kohlestrom verursacht in Deutschland betriebswirtschaftlich Kosten von vier (Braunkohle) bis acht Euro-Cent (Steinkohle).

"Immer noch ein riesiges ungenutztes Potenzial"

Der Kostenverfall wird zudem weitergehen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schätzt, dass mit jeder Verdopplung der installierten Kapazität die Kosten für Windenergie um 19 Prozent fallen und die Kosten für Solarenergie um 25 Prozent. Grund dafür sind immer größere und effizientere Fabriken zur Herstellung der Komponenten und eine immer bessere Stromausbeute.

Im Fall von Windkraftanlagen auf See spielt zusätzlich deren schiere Größe eine Rolle: Die Rotoren sind mittlerweile mehr als doppelt so groß wie noch 2009. Mit einer einzigen Umdrehung eines Acht-Megawatt-Windrads ist der Strombedarf eines Haushalts während eines Tages gedeckt. Derzeit entsteht vor Liverpool ein Offshore-Windpark mit 32 derartigen Turbinen. Diese reichen rein rechnerisch, um den Strombedarf der knapp 500.000 "Liverpudlians" zu decken.

Langsam wird Offshore-Wind auch konkurrenzfähig: Der dänische Windkraftkonzern Dong baut vor der niederländischen Küste einen 700-Megawatt-Windpark, der nur noch 7,27 Euro-Cent pro Kilowattstunde für seinen Strom bekommt.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Internationale Energieagentur IEA einmal mehr ihre Prognose für den Zubau an erneuerbaren Energien nach oben korrigiert hat. Im Vergleich zur Prognose vom letzten Jahr sollen in den nächsten fünf Jahren nun 13 Prozent mehr Wind- und Solarkraftanlagen ans Netz gehen – 825.000 Megawatt.

BildLängst sind die Kosten für Erneuerbare in etlichen Ländern billiger als für fossile Kraftwerke. (Foto: Ivonne Sánchez Saleh/UNFCCC)

IEA-Chef Fatih Birol zeigte sich denn auch erfreut: "Es freut mich, dass das letzte Jahr Rekorde für erneuerbare Energien gebracht hat und dass unsere Wachstumsprognose für die nächsten fünf Jahre optimistischer ist. Trotzdem sind auch diese höheren Erwartungen bescheiden im Vergleich zum riesigen, ungenutzten Potenzial der Erneuerbaren."

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