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Wenn Windräder zu alt werden

Auch Windräder und Solaranlagen müssen eines Tages entsorgt werden. Anders als bei AKW hält sich der finanzielle Aufwand dafür stark in Grenzen. Selbst bei einer Insolvenz des Betreibers bleiben die Steuerzahler nicht auf den Kosten sitzen. Der Rückbau bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen bringt unterm Strich sogar ein Plus.

Aus Freiburg Bernward Janzing

Natürlich ist ein altes Windrad in keiner Weise mit strahlendem Atommüll vergleichbar. Und doch muss man auch bei der Nutzung erneuerbarer Energien den Rückbau der Anlagen frühzeitig regeln – und sicherstellen, dass noch Geld da ist, wenn die Maschinen eines Tages altersbedingt außer Betrieb genommen werden.

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Demontage und Entsorgung sind am einfachsten bei Solar-Freiflächenanlagen – und unterm Strich gibts sogar Geld zurück. (Foto: Sideka Solartechnik/Wikimedia Commons)

Für die Windkraft ist der Rückbau im Baugesetzbuch geregelt. Die Erbauer haben danach "eine Verpflichtungserklärung abzugeben, das Vorhaben nach dauerhafter Aufgabe der zulässigen Nutzung zurückzubauen und Bodenversiegelungen zu beseitigen". Die genaue Auslegung dieser Maßgabe ist den Bundesländern vorbehalten, von denen einige bei Projektbeginn eine Bürgschaft verlangen, etwa von einer Bank. Aber es gibt auch Fälle, in denen eine Sicherheitsleistung in Form von Geld oder festverzinslichen Wertpapieren hinterlegt werden muss oder eine Grundschuld eingetragen wird.

Für die Höhe der Sicherheiten gibt es Richtwerte. In Brandenburg zum Beispiel regelt eine Verwaltungsvorschrift, dass zehn Prozent der Rohbausumme, die wiederum mit 40 Prozent der Herstellungskosten angesetzt wird, für den Rückbau kalkuliert werden müssen – am Ende sind das also vier Prozent der Baukosten. In der Praxis könne man von etwa 30.000 Euro pro Megawatt installierter Kraftwerksleistung ausgehen, sagt ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie. Dieser Wert entspreche "den heutigen Erkenntnissen".

Keine dicke Rechnung, die erst am Schluss kommt

Damit ist der Rückbau der Windkraft in Relation zur Atomkraft – natürlich – deutlich preiswerter: Bei den Atomreaktoren können die Stilllegungs- und Rückbaukosten (noch ohne die Ewigkeitskosten der Endlagerung) die Größenordnung der Baukosten erreichen. Hinzu kommt, dass beim Abriss von Windkraftanlagen sogar noch erhebliche Erlöse zu erzielen sind aus dem Verkauf von Stahl, Kupfer und anderen Metallen.

Auch was die Sicherheit der Gelder betrifft, steht die Windkraft besser da als die Atomkraft: Ist die Finanzierung über eine Bankbürgschaft gesichert, bleibt das Geld auch bei einer Insolvenz der Betreiberfirma verfügbar. Bei der Insolvenz eines Atomkonzerns hingegen bleiben die Kosten an den Steuerzahlern hängen, weil die gewählte Konstruktion der Rückstellungen nicht insolvenzsicher ist.

Am unkompliziertesten ist ein Rückbau der Freiland-Photovoltaik. Vor Ort muss man lediglich die Befestigungen aus dem Boden ziehen, Fundamente gibt es hier in der Regel nicht. Daher gebe es auch keine gesetzlichen Regelungen zum Rückbau, lässt der Bundesverband Solarwirtschaft auf Anfrage wissen. Die seien auch gar nicht nötig, weil ohnehin der Materialwert der Anlage – Stahlgestelle, Alurahmen, Kupferkabel – die Kosten des Rückbaus überschreite. Gleichwohl lassen sich die Grundstückseigentümer vom Pächter mitunter Sicherheiten für den Rückbau geben.

Oft auf Kosten der Allgemeinheit: Gewerbebauten

Während das Lebensende also bei vielen Energieanlagen mitbedacht wird, kann man die Rückbaufrage aber noch weiter fassen: Wie sieht es eigentlich mit dem Abriss von anderen Bauwerken aus, die irgendwann nicht mehr benötigt werden?

Dass das durchaus eine wichtige Frage ist, zeigen Bauruinen, die man in einigen Teilen Deutschlands findet. Vor allem sind es Gewerbeimmobilien, für die sich niemand mehr zuständig fühlt. Sie rotten vor sich hin, weil für ihren Abriss offenbar kein Geld mehr da ist.

Trotz solcher Beispiele gibt es bis heute für Neubauten keine entsprechenden gesetzlichen Auflagen. Eine Firma, die eine Fabrikhalle baut, muss bislang keine Sicherheit beibringen, damit der Bau wieder entfernt werden kann, sollte das Unternehmen eines Tages insolvent sein und sich kein Nachnutzer finden.

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Es dreht und dreht sich, aber irgendwann muss auch dieses Windrad abgebaut und entsorgt werden. (Foto: Eva Mahnke)

Immerhin erleichtert eine Novelle des Baugesetzbuchs aus dem Jahr 2013 den Kommunen inzwischen den Abriss von Schrottimmobilien. Den können die Gemeinden seither anordnen, und sie können den Privateigentümern die Rechnung für den Abriss zukommen lassen. Wenn allerdings der Eigentümer des Grundstücks zahlungsunfähig ist und der Grundstückswert zur Finanzierung des Abrisses nicht ausreicht, bleiben die Kosten doch wieder an den Steuerzahlern hängen – gewisse Parallelen zu den Entsorgungskosten der Atomwirtschaft tun sich hier auf.

[Erklärung]  
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