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Ökostrom: Vom ÖMM zum GMM

Ökostromanbieter unternehmen einen neuen Anlauf, um Erneuerbaren-Strom nicht als "Graustrom" vermarkten zu müssen. Seit dieser Woche präsentieren sie ihr "Grünstrom-Markt-Modell" im Internet. Nun muss nur noch die Politik nachziehen und die Option "Verordnungsermächtigung" im neuen EEG wählen.

Von Jörg Staude

Wer sich beim Grünstrom-Markt-Modell (GMM) unwillkürlich an das im März dieses Jahres vorgestellte Ökostrom-Markt-Modell (ÖMM) erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch – nicht nur, weil die gleichnamige Website dieses alten Modells nunmehr schnurstracks auf die Adresse des neuen führt. Christoph Rasch von Greenpeace Energy stellt die enge Verwandtschaft der beiden Modelle gegenüber klimaretter.info auch gar nicht in Abrede. In den letzten Monaten habe es in der Branche intensive Diskussionen gegeben, das nunmehrige Grünstrom-Markt-Modell sei noch direkter an die Kunden gerichtet, es handele sich gewissermaßen um ein "Update", erläutert Rasch.

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Mit dem Zwang, den grünen Strom an der Börse grauwaschen zu lassen, soll endlich Schluss sein: So (Grafik vergrößern) soll das Grünstrom-Markt-Modell funktionieren. (Grafik: Greenpeace Energy)

Gegenüber dem Frühjahr ist zu den damaligen Initiatoren Greenpeace Energy, Naturstrom und Elektrizitätswerke Schönau jetzt noch Clean Energy Sourcing dazugekommen. Christoph Rasch hofft, dass sich nach weiteren Gesprächen noch mehr Unterstützer in der Ökostrom-Branche finden.

Das Problem ist im Kern aber dasselbe geblieben. Im Frühjahr warnten die Ökostromer davor, dass beim Stromverkauf über die Börse der eingespeiste Ökostrom "zusammen mit Kohle- und Atomstrom als 'Graustrom' unbekannter Herkunft verramscht wird". Marcel Keiffenheim, bei Greenpeace Energy für Energiepolitik zuständig, verwies damals auf eine Umfrage: "Die Verbraucher wollen Klarheit darüber, dass sie garantierten Ökostrom aus konkreten Anlagen in Deutschland beziehen."

Direktvermarktungspflicht kontra Ökostrom-Kennzeichnung

Nun, Mitte September desselben Jahres, klingt es in der Mitteilung der inzwischen vier Unternehmen so: Auch die Politik habe erkannt, dass man "in Zukunft nicht den gesamten Ökostrom an der Börse verramschen darf" – wie es Naturstrom-Vorstand Oliver Hummel ausdrückt.

Das seit August geltende reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht vor, dass Ökostrom per Direktvermarktung abgegeben werden muss, in der Regel über das sogenannte Marktprämiensystem. Weil dafür aber keine Grünstrom-Herkunftsnachweise ausgestellt werden dürfen, kann dieser Strom auch nicht als Ökostrom an Endkunden geliefert werden, kritisieren die Unternehmen. Mittlerweile wird etwa die Hälfte der Erzeugung aus Erneuerbaren-Anlagen über die Marktprämie und damit als "Graustrom" verkauft.

Beim Grünstrom-Markt-Modell dagegen sollen die Anlagenbetreiber ihren Strom ohne den Umweg über die Börse direkt an einen Versorger verkaufen, der ihnen dafür den vollen Preis bezahlt. Dieser Grünstrom wird dann direkt an Endkunden weitergeleitet – samt Herkunftsnachweis. Damit entfällt nach Auffassung der Unternehmen auch die Zahlung der EEG-Umlage.

Mehrwert soll in hundert Prozent Öko stecken

Praktisch bezahlt der Stromhändler also dem Erzeuger beim Grünstrom-Markt-Modell freiwillig den normalen Abnahmepreis plus die jeweils geltende EEG-Umlage. Warum er das tun sollte? Christoph Rasch von Greenpece Energy wie auch andere argumentieren hier mit dem "Mehrwert", den der Händler und vor allem auch der Endkunde hätten, weil sie sich sicher sein könnten, dass der bezogene Strom wirklich "öko" und "grün" ist.

Beim Ökostrom-Markt-Modell vom März listete ein Hintergrundpapier noch einige Randbedingungen auf, damit dem Ökostromanbieter wirklich attestiert werden konnte, dass er echten Grünstrom liefert. So sollten die Versorger eine sogenannte Ökostrom-Zahlung von 0,25 Cent pro Kilowattstunde ans EEG-Konto überweisen. Außerdem hätten rund 40 Prozent des gelieferten Stroms aus fluktuierenden erneuerbaren Energien, also zum Beispiel von Wind und Sonne, stammen müssen. Sollte der Ökostromer so viel Überschuss-Strom haben, dass ihm nichts anderes übrig bliebe, als diesen an der Börse zu verkaufen, wäre eine sogenannte "Integrations-Zahlung" von zwei Cent pro Kilowattstunde fällig gewesen.

Übrig geblieben von diesen Konditionen sind, wie eine aktuelle Präsentation nahelegt, offenbar im Wesentlichen die 40 Prozent, die jetzt als Erneuerbaren-Strom einschließlich eines 29-Prozent-Anteils volatilen Wind- und Sonnen-Stroms verlangt werden, sowie die zwei Cent, die sich nunmehr "Strafzahlung" nennen. Diese soll – damals wie heute – ein Anreiz für Stromanbieter sein, die schwankende Erzeugung aus Erneuerbaren besser mit der Nachfrage in Einklang zu bringen.

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Direkt vom Erzeuger zum Verbraucher soll der Ökostrom fließen – ohne dem Umweg über die Börse. (Foto: EU-Kommission)

Eines hat sich in der Zeit zwischen März und September aber verändert: Während man im Frühjahr hoffte, die spezielle Ökostromregelung im noch zu novellierenden EEG unterzubringen, zielt die jetzige Initiative auf die im EEG eingefügte Verordnungsermächtigung ab, die auf ein ökologisches Direktvermarktungssystem hinauslaufen könnte. Geht es nach Naturstrom-Vorstand Hummel, kann die Verordnung bereits 2015 in Kraft treten. Diese Forderung ist nun wirklich neu.

[Erklärung]  
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