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Schwimmende Wasserkraftwerke

Eine neue Ökoenergie-Technologie könnte Europas Flüsse erbobern: Strombojen, mit einem Rotor ausgerüstet und am Grund mit Ketten befestigt, können sich der Strömung anpassen und laufen rund um die Uhr. Nun wurde der erste Bojen-Park in der Donau bei Wien genehmigt, 2015 könnte er fertig sein. Als nächstes soll der Rhein vor Koblenz folgen.

Von Benjamin von Brackel

Die Idee kam ihm beim Paddeln. Auf Höhe von Bratislava in der Donau dachte sich Fritz Mondl: Ich muss so viel Kraft aufwenden, um gegen die Strömung anzukommen – daraus müsste sich doch Energie gewinnen lassen. Nicht durch fest installierte Wasserkraftwerke, sondern durch eine elegantere Lösung: Warum nicht Bojen in den Fluss lassen, mit Rotor und Generator ausstatten und am Grund fixieren?

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Mit einem Rechen aus Stahlseilen ist der Rotor der Stromboje geschützt. (Foto: Aqua Libre)

Der Clou an der Sache: Die Bojen schwimmen knapp unter der Wasseroberfläche, wo die Strömungsgeschwindigkeit am höchsten ist. Sie richten sich nach der Strömung aus – durch die Kette, an der sie hängen, und ihr eigenes Gewicht. Ein Bojenpark könnte ganze Gemeinden mit Strom versorgen, sagt Mondl. Eine Stromboje liefert 70 Kilowatt Nennleistung bei einer Strömung von 3,3 Meter pro Sekunden. Laut Herstellerangaben kann sie bis zu 300 Megawattstunden pro Jahr liefern.

Nach drei Jahren hat der Geschäftsführer des österreichischen Unternehmens Aqua Libre in diesem Monat sein erstes Projekt genehmigt bekommen: in Wachau östlich von Wien. Acht Strom-Bojen sollen in der Donau installiert werden. Dafür ist eine Million Euro veranschlagt. Die Investoren kommen aus der Region: Weinbauern, Hoteliers, private Unternehmen, die ihren Strom selbst herstellen wollen. Im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden, wenn alles nach Plan läuft, soll der im Sommer 2015 abgeschlossen sein.

Den Rhein im Visier

Auch in Deutschland will Aqua Libre die Wasser-Kleinkraftwerke bauen. Das erste im Rhein zwischen Bingen und Koblenz. Dort gebe es eine ganz ähnliche Wasserführung und Strömung, sagt Mondl. Allerdings sei das nicht vor 2017 realistisch. In Deutschland sieht der Industriedesigner einen großen Markt, allein der Rhein habe 130 Flusskilometer, die sich eignen würden, vor allem der Mittel- und Oberrhein. Der Industriedesigner will sich allerdings nicht dazu äußern, wie viele Parks dort errichtet werden könnten. Zum einen will er nicht schon Widerstand provozieren, noch bevor die erste Boje eingelassen ist. Zum anderen gebe es nunmal "eingeschränkte Anwendungsmöglichkeiten", vor allem durch die Schifffahrt.

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Das größte Hindernis sind allerdings die Kosten. Eine Million Euro für acht Strombojen, das ist kein Pappenstiel. Dazu kommen noch die Zusatzkosten wie die für die Netzeinspeisung. Zumindest einen Prototyp betreibt Mondl schon in der Donau. Und nahe Wien sowie in Oberösterreich und auch bei Passau sind die nächsten Projekte in Planung.

"Windenergie kann nicht mithalten"

Mondl zufolge lohnen sich die hohen Anfangsinvestitionen: "Wenn die Stückzahlen größer werden, dann kann die Windenergie mit uns nicht mithalten", sagt er. "Denn unsere Anlagen laufen den ganzen Tag."

Neben der höheren Auslastung und der Anpassung an die Strömung nennt der Konstrukteur weitere Vorzüge der Strombojen: Sie seien umweltfreundlich und würden den Fischen nicht schaden. Bei 50 bis 120 Umdrehungen pro Minute, also bis zu zwei Umdrehungen pro Sekunde, könnten Rotauge und Hecht einfach hindurchschwimmen. Einmal hatten Mondl und seine Partner einen Versuch gestartet und zwei Wochen eine Reuse an die Boje gehängt, erzählt er. Kein einziger Fisch habe sich hinterher darin befunden. Die Fische, schlussfolgert der Österreicher mit dem weißen Rauschebart, seien nicht so blöd, durch die Turbine zu schwimmen.

Der Einlauf und Rotor ist zudem gesichert durch einen Rechen aus Stahlseilen. Der soll Treibgut abhalten, aber auch Schwimmer und Sportboote schützen. Bei Hochwasser wird die Boje durch die Kette automatisch heruntergezogen.

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Hier noch über Wasser: Ein Rotor einer Stromboje. (Foto: Aqua Libre)

Fritz Mondl will einen Schritt nach dem nächsten gehen, doch er hat schon eine größere Vision vor Augen. In Ländern wie Papua-Neuguinea, die reich an strömungsstarken Flüssen mit hohen Pegelständen seien, lasse sich seine Idee ebenfalls verwirklichen. Der Premierminister von Papua-Neuguinea sei schon samt "seiner Entourage" bei ihm auf dem Montageschiff gewesen. "Er war hin und weg", sagt Mondl.

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