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Nabu: Naturschutz offshore missachtet

Vier Windparks in der deutschen Nordsee wurden laut einem Gutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen zu Unrecht genehmigt. Die Bescheide für die Windparks Butendiek, Dan Tysk, Amrumbank West und Borkum Riffgrund II weisen nach Ansicht der Experten eklatante Mängel auf.

Von Kathrin Henneberger

Ein Kritikpunkt der Tübinger Gutachter ist die unzureichende Berücksichtigung der Vogelschutzrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Bestimmungen zum Artenschutz und zum Gebietsschutz wurden umgangen, kritisieren die Autoren des Gutachtens, das sie im Auftrag des Naturschutzbundes Nabu anfertigten. Wenn wegen fehlender Daten die Beeinträchtigung von geschützten Arten und Lebensräumen nicht ausgeschlossen werden könne, dürfe keine Baugenehmigung erteilt werden, begründen sie ihre Kritik. Das sei jedoch trotz erheblicher Wissenslücken geschehen.

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Montage des Umspannwerks für den Windpark "DanTysk". (Foto: Vattenfall)

Dem widerspricht das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH): "Eine Genehmigung für einen Windpark wird nur dann erteilt, wenn die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs oder die Meeresumwelt nicht gefährdet werden", schreibt die Präsidentin des BSH, Monika Breuch-Moritz, in einer Stellungnahme, die klimaretter.info vorliegt.

Der Nabu kritisiert besonders die Genehmigung des Windparks Butendiek vor der Küste von Schleswig-Holstein. Er liegt westlich von Sylt inmitten zweier europäischer Schutzgebiete, des Natura-2000-Gebiets Sylter Außenriff und des Vogelschutzgebiets Östliche Deutsche Bucht. Die EU-Schutzgebiete sollen die natürlichen Lebensräume von europaweit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sichern.

Stern- und Prachttaucher halten Scheuchabstand

In der betroffenen Nordseeregion leben die selten gewordenen Schweinswale. Zudem haben die seltenen Stern- und Prachttaucher hier ihr Rast- und Überwinterungsgebiet. Die Vögel halten einen generellen Scheuchabstand von zwei Kilometern zu den Anlagen und verloren mit dem Bau des Windparks einen Nahrungs- und Lebensraum von rund 100 Quadratkilometern – drei Prozent des Vogelschutzgebietes. Der Schwellenwert für eine "erhebliche Beeinträchtigung" liege bei einem einprozentigen Flächenverlust, sagt das Gutachten.

Für das BSH dagegen ist die Genehmigung des Offshore-Windparks Butendiek aus dem Jahr 2002 weiterhin rechtmäßig erteilt. "Obwohl zum Zeitpunkt der Genehmigung das Gebiet noch nicht als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet beziehungsweise als Vogelschutzgebiet ausgewiesen war, hat das BSH bei der Prüfung der Genehmigungsvoraussetzungen diese erhöhten Anforderungen an den Schutz der marinen Umwelt zugrunde gelegt", schreibt das Amt.

Inzwischen ist mit dem Bau von Butendiek begonnen worden. Auch die Windparks Dan Tysk und Amrumbank West sind bereits im Bau. Die Pläne für Borkum Riffgrund II liegen zurzeit auf Eis.

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Um ihn geht's: Schweinswal. (Foto: AVampireTear/Wikimedia Commons)

Ganz auf Offshore-Windparks verzichten möchte der Nabu trotz der Ergebnisse seiner Studie nicht. Im Rahmen eines naturverträglichen Ausbaus hält die Naturschutzorganisation die Nutzung von Windenergie auf dem Meer für die Umsetzung der Energiewende für erforderlich. Sie fordert aber, die bereits erbauten Windparks kritisch zu prüfen und ein räumliches Gesamtkonzept für die Nordsee aufzustellen, in der bisher 28 Parks mit fast zehn Gigawatt genehmigt wurden.

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