Anzeige

Ökostromanbieter – ein Auslaufmodell

Stadtwerke und Ökostromanbieter haben ein Problem: Regional erzeugten Wind- oder Sonnenstrom unter dem amtlichen Siegel "Ökostrom" zu verkaufen ist wirtschaftlich und rechtlich kaum möglich. Vollständig regenerativen Strom aus Deutschland zu beziehen ist momentan nur drin, wenn auf das angesehene Grünstrom-Zertifikat verzichtet wird.

Ein Debattenbeitrag von Uwe Witt, wissenschaftlicher Mitarbeiter 
der Bundestagsfraktion Die Linke 

BildGreenpeace Energy, die Elektrizitätswerke Schönau oder Lichtblick reden nicht gern darüber: Der Strom der bekannten Ökoanbieter kommt fast vollständig aus dem Ausland, vor allem aus Wasserkraftwerken in Norwegen und Österreich. Dass er dort produziert wird und nicht vom Windrad oder Solardach um die Ecke kommt, ist nicht ihre Schuld. Der gesetzliche Rahmen und der Wettbewerb geben kaum etwas anderes her.

Auch Stadtwerke würden für ihre Kunden gern Ökostrompakete schnüren, mit "echtem", zertifiziertem Grünstrom aus der Region statt von weit her. Oder wenigstens aus Deutschland, möglichst dezentral und verbrauchsnah erzeugt, wie es Umweltschützer immer wieder fordern. Vielleicht sogar zu einem hohen Anteil selbst gemacht, wie es unter anderem Ziel der Bürgerentscheide in Hamburg und Berlin ist. Doch auch sie können nicht zaubern. Sie haben ein Problem, das quer zur Debatte um die Ökostromförderung liegt.

Strom mit EEG-Förderung – nichts für regionale Anbieter

Der Grund liegt im deutschen Fördersystem, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Im Grundmodell sind die Übertragungsnetzbetreiber verpflichtet, den Ökostrom von den Anlagenbetreiber aufzukaufen. Und zwar nach festen Vergütungen, die wegen der höheren Erzeugungskosten deutlich über den Börsenpreisen für Strom liegen. So wird Solarstrom von Dachanlagen beispielsweise je nach Größe mit 9,7 bis 14,1 Cent je Kilowattstunde vergütet, Windstrom an Land mit einer Anfangsvergütung von 8,9 Cent.

Der teure EEG-Strom wird dann von den Netzbetreibern an der Strombörse zu seinem Marktwert verkauft. Die Kilowattstunde kostet hier zurzeit nicht einmal vier Cent. Denn der Börsenpreis für Strom wird hauptsächlich durch die im Vergleich niedrigen Brennstoffkosten von Steinkohlekraftwerken bestimmt. Die Differenz zwischen Einkauf und Verkauf holen sich die Netzbetreiber aus der bekannten EEG-Umlage zurück, momentan 5,3 Cent je Kilowattstunde. Letztere zahlen alle Verbraucher, sofern sie nicht von umstrittenen Befreiungen profitieren, wie etwa Teile der Industrie.

In diesem System versinkt der Grünstrom nicht nur im großen Stromsee, aus dem die übergroße Mehrzahl aller Verbraucher beliefert werden. Er verwandelt sich rechtlich auch in sogenannten Graustrom. Man kann ihn nun nicht mehr als Grünstrom im Paket kaufen, denn er verliert für die Weitervermarktung das begehrte Ökosiegel. Das EEG begründet dies so: Die Ökostromförderung sei ein Wettbewerbsvorteil gegenüber ungefördertem Ökostrom. Wer sie nutzt, müsse folglich auf das Zertifikat verzichten. Die Umkehrung formuliert eine Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Linke-Energiepolitikerin Eva Bulling-Schröter zum sogenannten Doppelvermarktungsverbot: Das Siegel solle allein "denjenigen Stromverbrauchern zugeordnet" werden, "die über die EEG-Umlage die finanzielle Förderung bezahlen".

Die Logik erscheint nicht unsinnig. Auf der klassischen Stromrechnung ist deshalb neben der EEG-Umlage – quasi als Gegenwert – der jeweils aktuelle Ökostromanteil am bundesdeutschen Strommix ausgewiesen. Momentan beträgt er 23 Prozent. Dieser Wert repräsentiert gewissermaßen die im Stromsee verdünnte Ökostromeigenschaft.

Im Ergebnis können also weder Stadtwerke noch Ökostromhändler an der Börse reinen EEG-geförderten Strom ersteigern, um ihn zuzüglich aller Umlagen, Steuern und Vertriebskosten als Ökostromtarif ihren Kunden anzubieten. Selbst wenn sie den Grünstrom in eigenen Anlagen produzieren, muss er aus Gründen der Wirtschaftlichkeit in den anonymen Stromsee fließen statt an die eigene Kundschaft. Denn nur so können sich die Unternehmen die Mehrkosten der Erzeugung über die EEG-Vergütung zurückholen. Würden sie darauf verzichten, hätten sie zwar eigenen Ökostrom im Angebot. Sie müssten einen Ökostromtarif jedoch je nach Bezugsquelle zwischen vier und zehn Cent teurer machen als den üblichen Graustrom der Grundversorgung, der für private Verbraucher knapp 29 Cent je Kilowattstunde kostet. Die Zahlungsbereitschaft für reinen Ökostrom liegt nach Untersuchungen des Umweltministeriums jedoch nur bei Zusatzkosten von maximal zwei Cent.

Strom aus Direktvermarktung – entweder nicht "öko" oder nicht konkurrenzfähig

Auch keinen Ausweg bietet die alternativ mögliche Direktvermarktung von Ökostrom. Hier können beispielsweise Windmüller oder Biogasbauern die Elektrizität an den Netzbetreibern vorbei verkaufen, direkt an ihre Kunden. Dadurch könnte bilanziell eigentlich Ökostrom aus der Region an Stadtwerke oder Ökostromhändler fließen. Doch das Geschäft klappt natürlich ebenfalls nur zu Preisen, die konkurrenzfähig sind. Damit es zustande kommt, erhalten die Betreiber im Marktprämienmodell die Mehrkosten der Erzeugung aus dem EEG-Konto erstattet, zuzüglich einer Managementprämie. Mit den Prämien verschwindet aber wiederum die Ökostromeigenschaft, siehe oben. Inzwischen werden auf diesem Weg über Stromhändler 80 Prozent des deutschen Windstroms verkauft – lukrativ, aber eben als Grau- statt als Ökostrom.

Eine weiteres zugelassenes Direktvermarktungsmodell, das "Grünstromprivileg", führt ebenso in die Sackgasse, obwohl hier der grüne Herkunftsnachweis erhalten bleibt. Mit ihm gelang es in der Vergangenheit dem Ökostromhändler Naturstrom – übrigens als einzigem Anbieter – überwiegend inländischen Ökostrom mit Zertifikat an Privatkunden zu liefern. Das rechnet sich heute jedoch nicht mehr, unter anderem, weil die gewährte Ermäßigung bei der EEG-Umlage im Jahr 2011 auf zwei Cent je Kilowattstunden begrenzt wurde. Das Grünstromprivileg war ohnehin umstritten. Zum einen, weil es anderen Kunden die EEG-Umlage nach oben trieb (und somit zugleich eigentlich der Regel "Ökostromzertifikat gegen Förderverzicht" widersprach). Zum andern befreite es auch solche Strompakete vollständig von der EEG-Umlage, die zur Hälfte aus billigem und umweltschädlichen Kohlestrom bestanden. Dieser unrühmliche Hebel machte es seinerzeit für etliche Händler gar erst rentabel.

Bild
Lichtblick – so heißt auch ein großer Ökostrom-Lieferant. Uwe Witt glaubt nicht an die Energiewende durch bloßen individuellen Stromwechsel, aber an vernetzte Blockheizkraftwerke im Keller. (Foto: Reimer)

Kurzum, Erzeuger, die den Herkunftsnachweis "Ökostrom" erhalten wollen, müssen in der Direktvermarktung auf jede Förderung verzichten. Doch heimischer und zugleich ungeförderter Ökostrom ist nur konkurrenzfähig, wenn er aus größeren Wasserkraftwerken stammt, die preislich mit Kohle- oder Atomstrom mithalten können. Weil es die in Deutschland kaum gibt, bleibt am Ende als wirtschaftliches Angebot für zertifizierten Ökostrom nur preiswerter Wasserkraftstrom aus Skandinavien oder den Alpen.

Gelegentlich mixen Stromhändler am EEG vorbei teuren heimischen Ökostrom mit preiswertem Auslands-Grünstrom. So haben sie neben dem Ökostrom-Label ein zusätzliches "regionales" Verkaufsargument zu einem akzeptablen Preis. So wirbt etwa das Unternehmen "Grünstromwerk" mit einem Anteil von 25 Prozent Solarstrom in seinem Ökostrom-Cocktail, regional produziert, in Direktvermarktung ohne Marktprämie. Dieser wird mit billigem Wasserkraftstrom aus dem Norden und Süden Europas aufgefüllt. Viel mehr lokaler Sonnenschein ist in einem solchem Produkt wohl auch nicht möglich – preislich und wegen der schwankenden Einspeisung der Photovoltaik, die ein aufwendiges Management der Ausgleichsenergie erfordert. Schließlich muss der Cocktail immer gefüllt voll sein. Naturstrom geht inzwischen einen ähnlichen Weg. Die Firma ergänzt für ihren Ökostromtarif vor allem heimischen Wind- und Wasserkraftstrom mit importiertem Grünstrom.

Strom für den Eigenverbrauch – nicht für alle, aber auf Kosten aller

Ein anderer gangbarer Weg, den inländischen Ökostromanteil zu erhöhen, hat zwei Macken: Er ist nur für wenige nutzbar und überdies unsolidarisch. Es ist ein Modell, das immer mehr private Solardachbesitzer nutzen, aber trickreich auch manch kleine Gemeinde oder größeres Unternehmen. Das Ziel ist für die meisten Nutzer dabei weniger, sich mit Ökostrom ganz aus der Nähe zu versorgen, sondern Kosten zu sparen. Beim sogenannten Eigenverbrauch von Ökostrom erhalten die Erzeuger zwar keine Einspeisevergütung. Dafür entfallen beim selbst genutzten Ökostrom die Zahlung von EEG-Umlage, Netzentgelten und -umlage, Konzessionsabgabe, Kraft-Wärme-Kopplungs- und Offshore-Umlage sowie die Stromsteuer. So wird Elektrizität vom eigenen Dach oder der eigenen Windkraftanlage um die Ecke unschlagbar billig. Solarstromanlagen-Betreiber etwa sparen heute für jede selbst genutzte Kilowattstunde bis zu 17 Cent gegenüber einem Strombezug aus dem öffentlichen Netz. Auch wenn gegenwärtig nur etwa ein Drittel des erzeugten Solarstroms im Haushalt nutzbar ist, rechnet sich dies.

Beim Eigenverbrauchsmodell müssen allerdings Erzeuger und Verbraucher identisch sein. Damit fällt es für Stadtwerke oder Ökostromhändler aus. Ähnlich funktionieren Ausnahmen im Energiewirtschaftsgesetz, die Erzeugern erlauben, Kunden jenseits der öffentlichen Versorgung und deren Umlagen- und Abgabensystem zu beliefern. Diese "Kundenanlagen" sind geduldet, wenn sie direkt mit einem Kabel am Erzeuger in der Nähe hängen und die Abnehmer wirtschaftlich unbedeutend sind. Unter dem Strich gelingt es bei den verschieden Modellen gerade einmal Teilen von Kommunen, sich zu "Selbstverbrauchern" erklären – etwa wenn in Gemeinden Firmen oder Genossenschaften gegründet werden, bei denen auch Bürgerinnen und Bürger Anteilseigner sind. Wer sich die Anteile allerdings nicht leisten kann, ist draußen.

Die Konstrukte sind deshalb unsolidarisch, weil ihr Geschäftsmodell darauf basiert, ihre Nutzer von den Kosten für Energiewende und Infrastruktur zu befreien – indem sie diese den restlichen Stromkunden aufdrücken. Ob das bewusst oder unbewusst (wie bei Photovoltaikanlagen) geschieht, ist zweitrangig. Ein Treppenwitz, dass genau diese Modelle in den Medien häufig als clever, selbstbestimmt, ja geradezu revolutionär verklärt werden. Selbst einem der kenntnisreichsten Umweltjournalisten, Bernward Janzing, gehen offenbar die Pferde durch, wenn er unreflektiert argumentiert, das Gerede vom teuren Solarstrom sei Unsinn. Im Eigenverbrauch sei er wirtschaftlich, und wer dass nicht begreife, könne nicht rechnen.

Doch wer rechnen kann, kommt schnell darauf, dass Eigenverbraucher nichts anderes tun, als sich aus dem System der gemeinschaftlichen 20-jährigen EEG-Finanzierung älterer und teurer Ökostromanlagen zu verabschieden. Und das, obwohl es gerade die mühsame Verbesserung und Ausweitung der Produktion in der Vergangenheit waren, welche die Kosten dieser Techniken heruntergeprügelt haben. Und zwar inzwischen so weit, dass es nun überhaupt erst profitabel sein kann, sich mit nagelneuen Anlagen aus der Zahlungsgemeinschaft auszuklinken. Anlagenbetreiber zahlen zudem für den selbst genutzten Strom keine Netzentgelte, obwohl sie die Leitungen bei Windstille oder in der Nacht zwingend benötigen. Kein Wunder, dass auch immer mehr Großunternehmen Erzeugungsanlagen pachten oder bauen, um in den lukrativen Eigenverbrauch zu rutschen. Neben Anlagen für Sonne und Wind sind dort sogar Kohlekraftwerke darunter, wie das Beispiel Saarstahl als Betreiber des Kraftwerkes Ensdorf zeigt. Die Einnahmeausfälle bei den Umlagen, aber auch jene der öffentlichen Hand bei Konzessionsabgaben und Stromsteuer schlagen hier ernsthaft zu Buche. Alle ernst zu nehmenden Vorschläge zur Reform von EEG und Netzentgeltsystem wollen darum nicht nur die ungerechten Ausnahmen der energieintensiven Industrie bei der EEG-Umlage begrenzen, sondern auch das Bündel der Eigenstromprivilegien.

Die Energiewende in der Region organisieren

Die Sache mit dem Ökostrom von nebenan ist also verzwickt. Ist es nun Aufgabe der Politik, neue Modelle zu erfinden, die es Erzeugern ermöglichen, zertifizierten Ökostrom auch regional zu vermarkten? Doch warum eigentlich? Vielleicht stellt sich vielmehr die grundsätzliche Frage, ob die Zeit reiner Ökostromangebote nicht abgelaufen ist. Heimischer regenerativer Strom ist betriebswirtschaftlich halt bis auf Weiteres teuer. Wer ihn in reiner Form zum selben Preis haben will wie dreckigen Kohlestrom, macht sich oder anderen etwas vor. Entweder möchte man sich mit Federn schmücken, die andere bezahlen, oder man fördert weiterhin Wasserkraftunternehmen im Ausland statt die Energiewende zu Hause.

Vor diesem Hintergrund sei auch folgende Frage gestattet: Hat die Stromwechselkampagne der Umweltverbände "Atomausstieg selber machen" mittlerweile nicht eine Schieflage, die auch viele Stadtwerke-Kunden zu den Ökostromanbietern lockt? Denn sie wirbt groteskerweise Leute selbst von jenen kommunalen Energieversorgern ab, die sich mühsam für die hochkomplexe Energiewende vor Ort einsetzen oder sich gerade im Wandel dorthin befinden. Die Geworbenen unterschreiben bei Stromhändlern, die zwar ohne Zweifel zu den Pionieren im Kampf gegen AKWs und Konzernmacht gehören. Die Ökostromfirmen leisten heute aber mit ihrem Hauptgeschäft – den Stromimporten – kaum noch einen Beitrag zur heimischen Energiewende. Dass sie mit erwirtschafteten Überschüssen auch einige deutsche Wind- oder Solaranlagen fördern, ändert daran wenig.

Was das Ökostrom-Zertifikat angeht, so wird es für Behörden wichtig bleiben, um Doppelförderungen und -zählungen auszuschließen. Als Qualitätsmaßstab jedoch sollten es Kunden und Umweltverbände besser vergessen. Ob und wie nachhaltig ein Versorger der Energiewende verpflichtet ist, bemisst sich keinesfalls an diesem unverdient aufgeladenen Label. In der Regel weist es lediglich auf langweilige Grünstromimporte hin. Ein grenzüberschreitender Stromaustausch gehört zwar auch zu einem regenerativen Stromsystem. Deutlich herausfordernder ist in dieser Phase der Energiewende aber der Wandel zu Haus.

Für die Stadtwerks-Stromrebellen in Hamburg oder in Berlin stellt sich also die Frage nach neuen Parametern für ihr Energiewende-Engagement. Zum Beispiel folgende: Wie viel Strom aus regenerativen Energien produziert das kommunale Unternehmen selbst oder mit Beteiligungen? Und zwar egal ob ins überregionale Netz eingespeist oder vor Ort. Was tut es dafür, das schwankende Ökostromangebot ins Energiesystem zu integrieren? So kann es beispielsweise die Stromnachfrage beeinflussen oder kurzzeitige Erzeugungsspitzen in Form von Wärme speichern. In einigen Jahren sind auch saisonale Stromspeicher in kommunaler Regie vorstellbar. Und was tut der Gemeindebetrieb für die regenerative Wärmeversorgung? Wie intelligent und sozial steuert er die energetische Gebäudesanierung? Nutzt das Unternehmen seine Kundennähe, um Energiesparen zu fördern? Treibt es den Einsatz der klimafreundlichen gemeinsamen Produktion von Strom und Wärme sowie Nahwärmenetze voran? Und existieren Beratungsangebote und Tarifstrukturen, die einkommensschwachen Familien Energiearmut ersparen?

Einige solcher Aufgaben für die heimische Energiewende wären vielleicht auch Zukunftsfelder für die heutigen Ökostromanbieter. Schließlich erledigen ihr klassisches Importgeschäft schon jetzt haufenweise andere Stromhändler. Einige Ökostromer haben sich bereits ein Stück auf den Weg dorthin gemacht. So Naturstrom mit mutigen Integrationsmodellen, Lichtblick mit einem BHKW-Schwarmstromkonzept oder Greenpeace Energy mit Aktivitäten zur Förderung von Hybridkraftwerken, die unter anderem überschüssigen Windstrom zu Wasserstoff machen.

Und wohin gehen Kommunen und ihre Stadt- und Gemeindewerke? Vieles spricht dafür, dass sie sich künftig aufschwingen könnten zu zentralen Akteuren der Energiewende. Ihre Kundennähe prädestiniert sie genauso dafür wie vielerorts ihre Hoheit über wichtige Erzeugungsanlagen und über regionale Strom- und Wärmenetze. Ihnen gehören zudem viele Wohnungen und Gebäude. Damit können sie den Weg der Region in eine regenerative Vollversorgung umfassend steuern: als Produzenten, Händler, Netzbetreiber, Versorger, Regelknoten sowie als Partner unzähliger unabhängiger Erzeuger der Gemeinde und des Umlands. Nicht jede mögliche Synergie muss gegen privatwirtschaftliche Interessen durchgeboxt werden. Als Nebeneffekt sorgen sie für kommunale Einnahmen zugunsten von Bibliotheken, Nahverkehr oder Sozialtarifen.

Das ist der Grund, warum Netze und wichtige Teile der energetischen Infrastruktur in die öffentliche Hand gehören, warum Energiewende-Stadtwerke eine Zukunft haben. Und für diese bedarf es nicht nur jeder Menge kritischer Kunden, sondern auch sinnvoller Maßstäbe dafür, wie Energiewende bemessen wird.

Bild
Der Ökostromanbieter Naturstrom konnte erstmalig einen Windrad-Kaufvertrag mit dem Anlagenhersteller Enercon aushandeln. Ergebnis: Anfang August begann der Bau einer E-82-Windanlage mit 2,3 Megawatt Nennleistung am Rande der Eifel. Rechnerisch kann die Windenergieanlage künftig rund 2.000 Haushalte versorgen. (Foto: Naturstom)

Der Volkswirt Uwe Witt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsfraktion Die Linke. Seine Schwerpunkte sind Klimaschutz sowie Umwelt- und Ressourcenökonomie. Er arbeitet im Netzwerk nachhaltig-links.de mit 

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen