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EEG-Umlage: Nur 0,15 Cent für Neuanlagen

Die EEG-Umlage könnte im kommenden Jahr auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde steigen. Der weitere Zubau von Ökostromanlagen hat hieran jedoch nur einen geringen Anteil. Kostentreiber sind vor allem der niedrige Börsenstrompreis und die stark ausgeweiteten Industrieprivilegien.

Von Eva Mahnke

Auf bis zu 6,5 Cent pro Kilowattstunde könnte die EEG-Umlage im kommenden Jahr anwachsen. Diese Zahlen der Monopolkommission hatte der Spiegel bereits am Wochenende durchsickern lassen, obwohl die Kommission ihren Bericht dazu erst am morgigen Donnerstag vorstellen wird. 6,5 Cent – die Zahl reicht aus, um der schwelenden Strompreisdebatte so kurz vor der Bundestagswahl neues Feuer zu verleihen. 

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Der blaue Balken und der rote Balken legen stärker zu als der grüne Balken (Grafik im Original). Hier zeigen sich die Kostentreiber bei der EEG-Umlage. (Grafik: BEE)

Um zu verhindern, dass der Anstieg von derzeit 5,27 Cent pro Kilowattstunde um mehr als einen Cent allein den erneuerbaren Energien angelastet wird, hat sich heute der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) mit eigenen Berechnungen in die Debatte eingeschaltet. Die Zahlen sollen aufdecken, wer die eigentlichen Kostentreiber für den neuerlichen Anstieg der Umlage sind, die von allen Haushalten pro verbrauchter Kilowattstunde mitgetragen werden muss. Der BEE geht von einem Anstieg der Umlage auf 6,42 Cent aus.

Nach den Berechnungen des Verbandes machen zwar die reinen Förderkosten für die Erneuerbaren auch 2014 mit 2,54 Cent anteilig den größten Posten der EEG-Umlage aus (siehe Grafik). Allerdings wächst dieser Posten gegenüber 2013 nur um 0,15 Cent. Dennoch könnte die Umlage im kommenden Jahr um um 1,15 Cent steigen. Wo also kommt die Steigerung her?

Die Erneuerbaren als Opfer ihres eigenen Erfolges

Vor allem zwei Posten fallen ins Gewicht: Zum einen ist da der niedrige Börsenstrompreis. Weil die Strompreise am Spotmarkt der europäischen Energiebörse EEX für die Lieferung von Grundlaststrom für das Jahr 2014 bis zu ein Viertel niedriger lagen als im Vorjahr, vergrößert sich die Differenz zur Einspeisevergütung, auf die die Betreiber der Ökostromanlagen einen Rechtsanspruch haben. Denn die Verbraucher zahlen über die EEG-Umlage die Differenz zum Börsenstrompreis. Allein durch diesen Effekt wird die Umlage nach Berechnungen des BEE um 0,37 Cent pro Kilowattstunde ansteigen – und damit mehr als doppelt so stark wie der Posten für die Erneuerbaren selbst. Insgesamt entfallen 1,47 Cent der Umlage auf den Posten "Rückgang des Börsenstrompreises".

"Unsere Berechnungen zeigen: Die EEG-Umlage steigt vor allem, weil die Strompreise an der Börse stetig sinken", sagte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk. "Mit dem Zwang, sauberen Strom aus erneuerbaren Energien am Spotmarkt der Börse zu verkaufen, werden die Erneuerbaren Opfer ihres eigenen Erfolges. Denn je geringer die Einnahmen für die Vermarktung des sauberen Stroms dort ausfallen, desto höher steigt die EEG-Umlage." Dieses Paradoxon könne nur die Politik beseitigen, betonte Falk.

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Eine umfassende Reform der Förderung erneuerbarer Energien muss um diese herum organisiert werden. (Foto: Paul Langrock)

Der BEE-Geschäftsführer fordert deshalb eine umfassende Reform des Systems nach der Wahl. Die fluktuierenden erneuerbaren Energien aus Wind- und Solarkraftwerken müssten in den Mittelpunkt gerückt und flexible Ausgleichsmaßnahmen darum herum organisiert werden, so Falk.

Und noch etwas könnte die Politik ändern: Die massive Einspeisung von billigem Strom aus Kohlekraftwerken. Denn hier tauchen externe Kosten, wie etwa die verursachten Klimaschäden, nicht in den Preisen auf. Der Börsenstrompreis ist auch deshalb aktuell so niedrig, weil die Kraftwerksbetreiber für CO2-Zertifikate nur einen Spottpreis von nicht einmal fünf Euro zahlen müssen.

Kostentreiber Industrie-Ausnahmen

Zum anderen sind da die viel diskutierten Industrieprivilegien. Auch die tragen nach BEE-Berechnungen mit 0,34 Cent mehr als doppelt so stark zum Anstieg der EEG-Umlage bei wie der Zubau neuer Ökostromanlagen. Durch die teilweise und bisweilen sogar komplette Befreiung von Unternehmen von der EEG-Umlage entstünden Kosten in Höhe von 5,8 Milliarden Euro, so der BEE. Diese müssen von allen übrigen Verbrauchern geschultert werden, die deshalb im kommenden Jahr voraussichtlich extra 1,26 Cent pro Kilowattstunde nur aus diesem Grund zahlen. 

Als dritter Faktor fallen die sogenannten Nachholeffekte aus dem laufenden Jahr ins Gewicht. Weil der Börsenstrompreis 2013 noch stärker gefallen ist, als die Netzbetreiber im vergangenen Jahr bei der Festlegung der Umlage angenommen hatten, müssen die Verbraucher nachzahlen: insgesamt 0,86 Cent pro Kilowattstunde.

Die Zahlen, die der BEE vorgelegt hat, belegen vor allem eines: Eine Verlangsamung des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren würde kaum dazu beitragen, die Stromkosten für die Endverbraucher zu senken. 

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Den Ausbau der Erneuerbaren auszubremsen würde den Strompreis kaum beeinflussen. (Foto: Eva Mahnke)

Am morgigen Donnerstag will die Monopolkommission ihre Prognosen zur EEG-Umlage 2014 vorstellen. Sie rechnet mit einem Anstieg der Umlage auf 6,2 bis 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Die endgültigen Zahlen werden die Netzbetreiber erst am 15. Oktober bekannt geben. 

[Erklärung]  
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