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Skihalle sahnt mit Solardach ab


Debatte über Ökostrom-Umlage mal andersrum: Während ganz Deutschland diskutiert, ob die Vergütung für Solarstrom zu hoch ist, hat die Schweriner Landesregierung eine riesige Photovoltaik-Anlage noch zusätzlich subventioniert – mit einer Million Euro. Kleiner Schönheitsfehler: Profitiert hat ausgerechnet eine Skihalle, die mit ihrem enormen Stromverbrauch nicht gerade umweltfreundlich ist.

Von Fritz Walders

Sechs Fußballfelder ist sie groß und sie könnte 1.700 Drei-Personen-Haushalte mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch versorgen. Die Solaranlage auf dem Dach der Skihalle im mecklenburgischen Wittenburg, 80 Autobahnkilometer östlich von Hamburg, soll in den kommenden Tagen ihren Betrieb aufnehmen. Der Hallenbetreiber erhofft sich einen Imagegewinn, doch die Grünen gehen auf die Barrikaden. Denn obwohl sich die Photovoltaik-Module wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ohnehin rentieren, gibt es einen dicken Zuschuss von den Steuerzahlern. Das Land subventioniert die Acht-Millionen-Anlage mit einer Million Euro.


Skifahren das ganze Jahr und Sonne von oben: So gehts auch, aber es lässt sich viel weniger dran verdienen als mit einer Skihalle. (Foto: Michael Pereckas/Wikimedia Commons)

Die rot-schwarze Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns kann sich nun für die Solarförderung feiern lassen, in Wirklichkeit geht es aber um die Förderung der Skihalle. Und die frisst enorm viel Strom – zusammen mit dem Hotel daneben das Dreifache dessen, was die Solaranlage auf dem Dach produziert. Umweltschutz sieht anders aus.

Doch der Schutz von Umwelt und Klima war auch gar nicht das Ziel der Förderung, sondern die "Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen", wie die Landesregierung in einer Antwort an den Grünen-Abgeordneten Hans-Georg Jaeger schreibt. "Energieförderpolitische Belange", so die Regierung weiter, blieben "grundsätzlich unberührt". Konkret sollen 150 Jobs in Skihalle und Hotel erhalten bleiben.

"Besser in die Skihalle als mit dem Auto in die Alpen"

Weshalb aber wird eine Solaranlage gefördert, die sich ohnehin rentiert, wie selbst der Geschäftsführer des Skihallen-Betreibers einräumt? Und wo die Einnahmen wegen der festen Vergütungssätze so sicher sind wie sonst bei kaum einer anderen Investition? "Bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit wird nicht das einzelne Investitionsgut isoliert betrachtet, sondern die Betriebsstätte insgesamt", schreibt die Landesregierung. "Die hier gewährte Förderung trägt zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Alpincenters Hamburg-Wittenburg bei."

Grünen-Politiker Jaeger spricht deshalb von einer "verdeckten Subventionierung" der Skihalle und einer "Förderpolitik nach Gutsherrenart". Generell hat er gegen das Alpincenter aber nichts einzuwenden. "Auch wenn der Energieverbrauch sehr hoch ist – es ist wahrscheinlich umweltfreundlicher, als wenn die Leute stattdessen mit dem Auto in die Alpen fahren", meint er.


Die Skihalle in Wittenburg ist 330 Meter lang und braucht zusammen mit dem Hotel daneben so viel Strom wie 5.000 Haushalte. (Foto: Schiwago/Wikimedia Commons)

Übrigens: Dem Skihallenbetreiber liegt der Klimaschutz nicht immer am Herzen. Die Skihalle gehört zur Van-der-Valk-Gruppe, die auch mit Hotels und Ferienwohnungen ihr Geld verdient. Als im Landkreis Rostock ein Eignungsgebiet für Windräder geplant war, machte die Unternehmensgruppe Lobbyarbeit dagegen – am Ende wurden die Kriterien für Eignungsgebiete anders definiert und das Gebiet flog raus. Dort hätte bis zu 30 Mal mehr Ökostrom erzeugt werden können als mit der Solaranlage in Wittenburg.


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