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Japan importiert mehr Kohle und Gas

Kaum ein Industrieland hat sich so abhängig von fossilen Energieimporten gemacht wie Japan. Der neue Regierungschef Shinzo Abe verschlimmert das noch durch seine Geldpolitik. Um Energie bezahlbar zu halten, will Abe die Atomkraftwerke wieder schnell ans Netz nehmen. Japans Atombehörde glaubt aber, dass in den kommenden drei Jahren kein AKW ans Netz gehen kann. Einen kleinen Boom erlebt derweil die Sonnenkraft.

Von Nick Reimer

Japan hat im abgelaufenen Jahr deutlich mehr Erdgas und Kohle importiert als im Tsunami-Jahr 2011. Nach Angaben des Finanzministeriums ist die Einfuhr von verflüssigtem Erdgas (LNG) 2012 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 87 Millionen Tonnen gestiegen. Die Kohleimporte legten den Daten zu Folge um sechs Prozent auf 185 Millionen Tonnen zu. Damit transferierte Japan umgerechnet gut 200 Milliarden Euro für fossile Energien ins Ausland – zehn Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Zahlen zeigen.


Wegen der Erdbeben- und Tsunami-Gefahr – hier die registrierten Erdstöße am 11. März 2011 – verlangt die japanische Atombehörde strenge Nachrüstungen der Atomkraftwerke. (Foto: NoAA)

Als Folge des Tsunamis hatte Japan alle 54 Atomreaktoren vom Netz genommen – und damit eine Leistung von insgesamt rund 50.000 Megawatt und etwa 30 Prozent seiner gesamten Strom-Erzeugungskapazität. Die Importe von Flüssig-Erdgas waren als Folge der Krise nach der Atomkatastrophe in Fukushima bereits 2011 um zwölf Prozent angestiegen. Damit machten allein die LNG-Importe wertmäßig 8,5 Prozent der gesamten Wareneinfuhr nach Japan aus. Abgesehen von seinen Atomkraftwerken und erneuerbaren Energiequellen hat Japan keinerlei Energieressourcen.

Zudem hat der neue Regierungschef Shinzo Abe eine neue Runde der Schuldenpolitik eingeläutet. Japans Zentralbank gab im Dezember Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 900 Milliarden Euro aus. Das führt zu Inflation: Der japanische Yen hat seit Dezember 2012 zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren – und das wiederum macht die fossilen Energieträger noch teurer, denn die müssen auf dem Weltmarkt in Dollar gekauft werden.

Die japanische Atomaufsicht NRA hat mittlerweile scharfe Sicherheitsnormen für die Atomkraftwerke vorgestellt. So sollen sie mit sekundären, weit vom Reaktor entfernten Steuerzentralen nachgerüstet werden, die nach einem Notfall die Atomkraftwerke noch beherrschbar machen sollen. Zudem müssen die AKW-Kuppeln gegen Terrorgefahr und Flugzeugabstürze verstärkt und ein Absaugsystem für Wasserstoff installiert werden. In Fukushima hatten Wasserstoffexplosionen die Reaktorhülle schwer beschädigt.

Atomaufsicht rechnet mit jahrelang stillstehenden Reaktoren

Um das Kostenproblem in den Griff zu bekommen und die Wirtschaft mit kostengünstigerem Strom zu versorgen, will Regierungschef Abe die 48 vorerst stillgelegten japanischen Atomreaktoren schnell wieder ans Netz nehmen. "Innerhalb von drei Jahren" soll über das Wiederanfahren dieser 48 (von insgesamt 50 noch intakten) AKW entschieden werden. Ganze zwei Reaktoren sind derzeit am Netz – die Blöcke 3 und 4 des AKW Oi. Beide gehören zum Unternehmen Kansai Electric Power (KEPCO), gebaut hat sie Mitsubishi Ende der 1980er Jahre.

NRA-Chef Shunichi Tanaka bremste jedoch seinen Regierungschef. Wegen des zeitlichen Aufwands der Nachrüstung sei dies nicht vor Ablauf von drei Jahren möglich. Allerdings sind die von der Atomaufsicht ausgearbeiteten Sicherheitsregeln noch kein Gesetz, sie sollen erst im Sommer beschlossen werden. Und die Atomwirtschaft wird alles daran setzen, die Regeln noch deutlich aufzuweichen.

Japan hatte auf die Energieknappheit nach dem Tsunami reagiert und einerseits ein Sparprogramm verabschiedet, andererseits ein Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Weg gebracht – mit den attraktivsten Solartarifen weltweit. Derzeit gibt es für eingespeisten Ökostrom 42 Yen pro Kilowattstunde – circa 35 Cent. Von April bis November 2012 waren in Japan nach Angaben des Wirtschafts- und Industrieministerium Solaranlagen mit einer Leistung von 1.398 Megawatt neu installiert worden. Weitere Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.262 Megawatt seien beantragt. Jetzt müssen die Tarife für das kommende Geschäftsjahr, dass in Japan im April beginnt, neu ausgehandelt werden.


Energiehungrige Nation: Japan zahlt sich dumm und dusselig für seine Energieimporte. (Foto: NASA)

Ende 2011 waren in Japan 4.914 Megawatt Photovotaik installiert. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik wurden 2012 Solarmodule mit einer Leistung von 7.630 Megawatt ans Netz eingespeist. Allerdings ist das Geschäft in Japan mit der Sonnenkraft so attraktiv, dass sogar die japanischen Öl- und Energiekonzerne Cosmo Oil und Showa Shell Sekiyu ein Gemeinschaftsunternehmen für Photovoltaikprojekte gründen. Zusammen mit der Development Bank of Japan sollen Solarkraftwerke mit insgesamt 260 Megawatt Leistung ans Netz gebracht werden. Installiert werden sollen die Projekte – sehr symbolträchtig – auf ehemaligen Öldepots.

Dass die geplante Energiewende in Japan jedoch schnell deutliche Ergebnisse zeigt, glaubt zurzeit niemand. Mit gut 10.000 Küsten-Kilometern bietet das Land zwar exzellente Bedingungen für Offshore-Windkraft. Bisher aber deckt Japan noch nicht einmal ein Prozent seines Stromverbrauchs aus Wind- oder Sonnenkraft. Und so wird Tokyo wohl den Öl- und Gasscheichs noch sehr lange sehr viel Geld in die Kassen spülen.

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