7.630 Megawatt: Neuer Solarrekord

Nie wurden mehr Sonnenkraftwerke installiert als 2012: Ausgerechnet die schwarz-gelbe Bundesregierung darf sich des beschleunigten Ausbaus der Photovoltaik rühmen, obwohl sie doch das Gegenteil wollte.

Aus Berlin Nick Reimer

Das abgelaufene Jahr hat einen neuen Solarrekord in Deutschland gebracht. Nach Datenlage der Bundesnetzagentur gingen im Dezember Anlagen mit einer Leistung von 360 Megawatt neu ans Netz, damit summierte sich die installierte Gesamtleistung im Jahr 2012 auf rund 7.630 Megawatt. Das übertrifft den bisherigen Rekord von 7.500 Megawatt aus dem Jahr 2011, im Jahr 2010 lag die Zubaurate noch bei 7.000 Megawatt. 


Neuer Zubaurekord: 2012 wurden Paneele mit einer Spitzenleistung von 7.630 Megawatt verschraubt. (Fotos: Paul Langrock)

Damit kann sich ausgerechnet Schwarz-Gelb rühmen, den rasantesten Ausbau der Solarkraft zu verantworten – obwohl die Fachpolitiker von Altmaier bis Rösler stets alles unternommen haben wollen, um den Ausbau zu stoppen. Als stärkster Zubaumonat ist der Juni mit 1.790 Megawatt registriert – in jenem Monat erreichte die regierungsamtliche Kürzungswut ihren Höhepunkt, weshalb viele Investoren schnell noch ihr Sonnenkraftwerk ans Netz bringen wollten.

Insgesamt sind zum Jahresanfang damit in Deutschland Solarkraftwerke mit einer Leistung von 32.460 Megawatt am Netz. Zum Vergleich: Braunkohlekraftwerke bringen es nur auf 17.000 Megawatt, Atomkraftwerke gar nur noch auf 12.000. Allerdings hat die Sonnenkraft ein Problem: Die Leistung wird nur selten abgerufen – und dann auch nur in den Mittagsstunden.

Acht Millionen Haushalte leben mit Sonnenstrom

Nach Erhebung des Bundesverbandes Solarwirtschaft BSW produzierte die Photovoltaik 2012 zwar rund 28 Milliarden Kilowattstunden Strom und deckte so rechnerisch den Jahresstromverbrauch von acht Millionen Haushalten. Das ist ein Plus von rund 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch trägt die Verstromung der Sonnenenergie derzeit nur mit sechs Prozent zur Stromversorgung Deutschlands bei.

Fest stehen auch die neuen Einspeisetarife des EEG. Bund und Länder hatten beschlossen, dass es automatische monatliche Förderkürzungen bei bestimmten Zubauraten geben soll. Dies ist nun der Fall: Wer ab jetzt eine kleine Anlage bis zehn Kilowatt Leistung installiert, wird 17,01 Cent je Kilowattstunde 20 Jahre garantiert erhalten, bei einer Anlage bis 40 Kilowatt sind es 16,14 Cent. Größere Anlagen bis zu einem Megawatt Leistung erhalten 14,40 Cent je produzierter Kilowattstunde. Anlagen, die noch größer sind, verkaufen ihren Strom für 11,78 Cent. Zum Vergleich: Haushaltsstrom kostet derzeit durchschnittlich 26 Cent je Kilowattstunde.

Experten gehen allerdings davon aus, dass sich in diesem Jahr das Ausbautempo verlangsamen wird: Die Anlagen-Kosten waren 2012 noch einmal tief in den Keller gegangen, das dürfte sich 2013 nicht wiederholen. Allerdings haben Altmaier und Co. ein deutliches Tempolimit in ihre Gesetzgebung geschrieben: Einspeise-Tarife gibt es nur noch für 20.000 Megawatt Leistung. Wer nach einer installierten Leistung von 52.000 Megawatt sein Photovoltaik-Kraftwerk ans Netz bringt, muss es anders gegenfinanzieren als über das EEG.

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