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Aufsicht macht Eon-Atomreaktor dicht

Die schwedische Atomaufsicht hat wegen Sicherheitsmängeln den sofortigen Stopp des Reaktors "Oskarshamn 2" angeordnet. Haupteigentümer des nahe der Stadt Oskarshamn an der Ostseeküste gelegenen Atomkraftwerks ist der deutsche Eon-Konzern. Der hatte kurz zuvor wegen ähnlicher Sicherheitsmängel bereits den Reaktor "Oskarshamn 1" vom Netz genommen.

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Die bislang einmalige Anordnung der schwedischen Atomaufsichtsbehörde "Strålsäkerhetsmyndigheten" (SSM) am Donnerstagnachmittag betrifft den sofortigen Stopp des Atomreaktors "Oskarshamn 2". Dieser hat ebenso wie der von Eon selbst gestoppte "Oskarshamn 1" eine Konstruktionsschwäche, deren Gefahrenpotenzial spätestens seit dem Beinahe-GAU im Atomkraftwerk Forsmark im Jahr 2006 unübersehbar war: Die Notstromversorgung der beiden 1972 und 1974 in Betrieb genommenen Reaktoren in Oskarshamn ist ungenügend. Schon seit 2004 schreibt das schwedische Kernenergiegesetz vier dieselgetriebene Notstromgeneratoren pro Reaktor vor. "Oskarshamn 1" wurde kürzlich nachgerüstet – die Aggregate funktionieren aber nicht so, wie von SSM gefordert. Und in "Oskarshamn 2" fehlen auch nach acht Jahren immer noch zwei der vorgeschriebenen Aggregate.


Aktivisten von Greenpeace protestieren gegen die Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Forsmark – und fordern auch für die Reaktoren in Oskarshamn "Abschalten!" statt fragwürdige Versuche zur Produktionssteigerung. (Foto: Christian Aslund)

Dabei dürfte es höchstens zwei bis drei Jahre dauern, so etwas nachzurüsten, meint Lars-Olov Höglund, Atomkraftexperte und ehemaliger Konstrukteur des Forsmark-Reaktors: "Auch wenn es komplizierter ist, solche Arbeiten an einem in Betrieb befindlichen Reaktor durchzuführen, hat man da wirklich genug Zeit gehabt." Wenn Eon das aber auch in der drei- bis vierfachen Zeit nicht geschafft hat, dann meinte der Konzern wohl "Wichtigeres" zu tun zu haben, mutmaßt Höglund. Viel profitabler, als in die Sicherheit der Reaktoren zu investieren, war offenbar eine Leistungssteigerung bei "Oskarshamn 3", mit dem dort die Stromproduktion um zwölf Prozent erhöht werden konnte.

Warum man die Notstrom-Nachrüstung bei "Oskarshamn 2" nicht ausgeführt hat, begründete der Betreiber mit "hoher Arbeitsbelastung" – und beantragte bei SSM eine Fristverlängerung für die Sicherheitsverbesserungen bis zum Jahr 2015. Hintergrund sind Pläne, die Leistung auch dieses 38 Jahre alten Reaktors um 20 Prozent zu erhöhen. Das wäre eine Effektsteigerung, wie sie bislang weltweit an keinen Atomreaktor versucht wurde. Zudem soll die Betriebsdauer dann um weitere 20 Jahre verlängert werden.

Dagegen warnt Greenpeace vor der Gefahr eines "neuen Fukushima". Statt fragwürdiger Versuche für Produktionssteigerungen ohne wirkliche Kenntnis der Sicherheitsrisiken solle das Atomkraftwerk Oskarshamn so bald wie möglich ganz stillgelegt werden, fordert die Umweltorganisation. Tatsächlich hatten die dortigen Reaktoren von allen Anlagen in Schweden  in den vergangenen Jahren mit am häufigsten Sicherheits- und Betriebsprobleme und wiesen folglich eine der schlechtesten Produktionsbilanzen auf. Im vergangenen Herbst musste "Oskarshamn 1" binnen siebzehn Tagen viermal schnellabgeschaltet werden. Eine Maßnahme, die jeweils mit großer Belastung des Reaktorbehälter verbunden ist, sodass SSM spezielle Untersuchungen forderte. Reaktor 3 war wegen Vibrationen und Schäden am Reaktorbehälter mehr als ein Jahr außer Betrieb. Und im Juli musste Reaktor 2 außerplanmäßig abgeschaltet werden, nachdem bei einem Test einer der sowieso nur zwei Notstromdiesel nicht funktionierte.


Der Betreiber hat beim Thema Sicherheit "abweichende Vorstellungen" von den Vorgaben der Aufsichtsbehörde: Das Eon-Atomkraftwerk Oskarshamn an der schwedischen Ostseeküste. (Foto: Daniel Kihlgren/Wikipedia)

Bereits im Mai hatte SSM gewarnt, das Atomkraftwerk werde "auf eine Weise betrieben, die auf lange Sicht die Strahlensicherheit negativ bewirken könne". Den jetzigen Stopp-Beschluss begründet die Behörde damit, dass Servicearbeiten eigenmächtig nicht fristgerecht ausgeführt worden seien. Leif Karlsson von SSM bezeichnete es als "besonders schwerwiegend", dass der Betreiber in Bezug auf die Sicherheit offenbar "abweichende Vorstellungen" von den Vorgaben der Aufsichtsbehörde habe.

 


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