50 Prozent mehr Sonnenkraft

In den ersten drei Quartalen deckten die Erneuerbaren bereits 26 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, meldet der Bundesverband der Energiewirtschaft. Allein die Windkraft lieferte 8,6 Prozent. Auch Biomasse und Wasserkraft legten zu. Trotz der Rekorde bleibt die Stimmungslage in der Solarwirtschaft insgesamt aber schlecht.

Von Nick Reimer

Die Solarkraft wird für Deutschlands Stromversorgung immer wichtiger: Nach Erhebungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erzeugte die Photovoltaik zwischen Januar und September dieses Jahres fast 25 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom. Damit ist die Leistungskraft der Sonnenkraftwerke gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent  gestiegen: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatten sie nur 16,5 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom geliefert.


Wenn die Sonne in Deutschland scheint, wird Sonnenstrom geernet – auch in diesem Jahr viel mehr als im Jahr davor. (Foto: Lykaestria/Wikimedia Commons)

Dass die Zahlen so gut sein würden, lag schon vorher auf der Hand: In der vergangenen Woche hatte die Bundesnetzagentur die neue Zubau-Statistik veröffentlicht. Danach liegt die solare Kraftwerksleistung gut 6.200 Megawatt über dem Vorjahreswert. Entsprechend sonnig fallen auch die BDEW-Zahlen aus: Mit 2,9 Milliarden Kilowattstunden wurde im September deutlich mehr Solarstrom ins Netz eingespeist als in jedem einzelnen Monat des Vorjahres.

Insgesamt sind jetzt gut 31.000 Megawatt Solarleistung installiert. Bemerkenswert ist, dass der solare Kraftwerkspark damit mittlerweile zum größten Kraftwerkspark der Republik geworden ist. Ihm stehen rund 29.000 Megawatt Windkraftleistung gegenüber. Steinkohle- und Erdgaskraftwerke folgen mit 21.000 und 20.000 Megawatt Kraftwerksleistung, danach Braunkohle- und Atomkraftwerke mit rund 17.000 und 12.000 Megawatt.

35 Milliarden Kilowattstunden – Windkraft bleibt die wichtigste erneuerbare Stromquelle

Nach Erhebungen der Bundesnetzagentur gingen allein im September 981 Megawatt solarer Kraftwerksleistung ans Netz. Damit bleibt das Jahr 2012 auf Rekordjagd: Bislang lag der höchste jährliche Solar-Zubau bei 7.500 Megawatt. Nach der BDEW-Erhebung ist die Sonnenkraft mittlerweile die zweitwichtigste erneuerbare Stromquelle. Die Photovoltaik deckte in den ersten neun Monaten des Jahres 6,1 Prozent des deutschen Stromverbrauches. 2011 waren es noch 4,1 Prozent.

Wichtigste erneuerbare Stromquelle bleibt aber die Windkraft. Die deutschen Windanlagen produzierten in der Zeit von Januar bis September 35 Milliarden Kilowattstunden Strom und damit 2,5 Milliarden Kilowattstunden mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Windenergie deckte 8,6 Prozent des deutschen Stromverbrauchs – 0,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2011. An dritter Stelle folgt nach der Photovoltaik die Biomasse mit 5,8 Prozent (2011: 5,4 Prozent). Der Beitrag der Wasserkraft zur Stromerzeugung lag in den ersten drei Quartalen 2012 bei 3,8 Prozent (2011: 3,3). Der Anteil des Stroms aus sonstigen erneuerbaren Energien betrug den BDEW-Erhebungen zufolge wie auch im Vorjahr schon 0,9 Prozent, allerdings zählt der Verband auch Müllkraftwerke dazu. Insgesamt deckten die erneuerbaren Energien im Zeitraum Januar bis September 2012 damit bereits 26 Prozent des deutschen Strombedarfs ab.


31.000 Megawatt Solarleistung sind in Deutschland installiert. (Foto: Nick Reimer)

Trotz des weiteren Anstiegs der Sonnenstrom-Produktion kommt die Solarwirtschaft allerdings nicht aus ihrer Krise heraus. Am Monatsanfang hatte der US-Konzern First Solar für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang gemeldet. Nach Konzernangaben verdiente First Solar netto 68,7 Millionen Euro – nicht einmal die Hälfte des Gewinns im gleichen Vorjahresquartal. First Solar, bislang der zweitgrößte Sonnen-Konzern der Welt, senkte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf unter drei Millionen Euro.

Auch Siemens muss Federn lassen. Nach einem Bericht der FTD muss der Konzern auf sein Solar-Geschäft mehr als 250 Millionen Euro abschreiben. Der Technologie-Konzern hatte im Oktober seinen Rückzug aus der Solarkraft bekannt gegeben. Die erst 2009 eröffnete Solarsparte soll das Unternehmen einen Betrag in Höhe von 800 Millionen Euro gekostet haben.

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