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Wüstensonne in Chile

Das südamerikanische Land besitzt riesige Potentiale für die Nutzung der Sonnenenergie, die bislang kaum genutzt werden. Ein Modellprojekt in der Atacama-Wüste soll das nun ändern. Ein schwäbischer Mittelständler gehört zu den Pionieren.

Aus Chile Gerhard Dilger

Südamerikanische Farmer könnten bald Strom statt Trauben ernten. "Chile hätte das Zeug zu einer grünen Großmacht", sagt der Energie-Experte Patrick McCully. "Nordchile hat das weltweit größte Potenzial an Sonnenenergie, aber trotz sinkender Kosten gibt es noch kaum Solaranlagen." Doch das ändert sich gerade. Die chilenische Regierung setzt auf den Solarboom.


Die Atacama-Region in Chile könnte zum Solarstandort werden. (Foto: Francesco Mocellin / Wikimedia Commons)

Hans Hall ist einer der Pioniere. "Doppelt so hoch wie in Deutschland" sei die Sonneneinstrahlung in der Atacama-Wüste, schwärmt der Mittelständler aus dem schwäbischen Weingarten. "Mit seinem Potenzial an erneuerbaren Energien könnte Chile ganz Südamerika versorgen." Aber noch ist Solarenergie ein zartes Pflänzchen in dem Land.

Im Copiapó-Tal, einer riesigen Oase, deren Bewohner vor allem vom Anbau hochwertiger Tafeltrauben für den Export leben, hat Hall mit seiner Firma "Kraftwerk" eine Photovoltaik-Anlage installiert, die noch im Juni ans Netz gehen soll. Es ist ein Pilotprojekt für die Atacama-Region, ja für ganz Chile. 40.000 US-Dollar Startkapital hat die Regierung beigesteuert, hinzu kamen günstige Darlehen von der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Das sind Ansätze für "Grüne Wirtschaft" in einem Schwellenland, wie sie auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro diskutiert wird: Investitionen in umweltfreundliche Technologien. Allerdings sollen dabei auch Subventionen etwa in den in Chile noch weit verbreiteten Kohle-Verbrauch gestrichen werden.


300 Megawatt in der Wüste. (Foto: Dilger)

Mit den Preissenkungen bei Solaranlagen könnten sie bald auch für ärmere Länder interessant werden. Derzeit haben 1,3 Milliarden Menschen weltweit keinen Strom. Rund 2,7 Milliarden sind auf Brennholz, Holzkohle oder Pflanzenreste zum täglichen Kochen und Heizen angewiesen.

Abraumberge hinter Plantagen

Auf dem Gelände des chilenischen Traubenfarmers Alfonso Prohens stehen die Solarpanele der 300-Kilowatt-Anlage in Reih und Glied. Mit dem Strom wird demnächst tagsüber das Grundwasser hochgepumpt, nachts sollen die Bewässerungsanlagen in Aktion treten.

Seit 60 Jahren baut die Familie Prohens im Copiapó-Tal Trauben an. Doch wie lange dies noch geht, ist wegen des immensen Grundwasserverbrauchs fraglich. In den 80er Jahren wurden die Wasserrechte privatisiert, die Landwirtschaft boomte. Heute ist das Tal von Kupferbergwerken umgeben. Hinter den Traubenplantagen beginnen unzählige Abraumberge. Ganz in der Nähe liegt die Mine San José, wo vor zwei Jahren 33 Bergleute verschüttet und gerettet wurden.


Bislang spielen Kohle und Öl noch eine große Rolle in der Stromversorgung - hier Proteste gegen einen Kraftwerksneubau. (Foto: No a castilla)

Die hohen Kupferpreise haben den Wassernotstand verschärft. Mittlerweile hat bereits jeder dritte Landwirt Wasserrechte an die Bergbaukonzerne verkauft. Über acht Millionen Dollar erhielten Rafael und Jaime Prohens vom kanadischen Multi Lumina Copper, doch nun fehlt ihnen das Wasser für ihre Felder.

Umweltfreundliche Alternativen

Ihr Bruder Alfonso hat seine Wasserrechte behalten. Aber auch er muss immer tiefer bohren. Der Grundwasserpegel liegt bei mittlerweile bei 150 Meter. "Wenn das so weitergeht, werde ich Solarkraft statt Trauben anbauen", sagt Alfonso Prohens.

Für Hans Hall wäre das eine positive Entwicklung. Bereits jetzt hat der rührige Ingenieur weitere Aufträge von Agrarunternehmen in Chile und Peru in Aussicht. Noch attraktiver wird der Bau von Kleinanlagen, sobald das chilenische Parlament das geplante Gesetz zur Energieeinspeisung verabschiedet. Bis 2020 soll sich der Anteil der neuen erneuerbaren Energien an der Stromversorgung auf 20 Prozent verfünffachen, hat der rechtsliberale Präsident Sebastián Piñera als Ziel ausgegeben.

Genauso viel soll jedoch das umstrittene Großprojekt Hidroaysén erzeugen: fünf Staudämme in Patagonien, an deren Bau Piñera trotz heftiger Proteste festhält. "Eine veraltete Technik mit verheerenden Folgen", schimpft Energieaktivist McCully. Er sieht noch andere und umweltfreundlichere Alternativen für das Land. "Neben der Solarkraft sollte Chile auch auf Wind- und Gezeitenkraftwerke setzen."


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