Die Ölsuche in Brandenburg
Ein britischer Konzern sucht in der Lausitz nach Öl. Zunächst sah in den betroffenen Orten alles nach großer Zustimmung zu möglichen Ölbohrungen aus, doch nun deutet sich ein Stimmungswechsel an. Erste Orte haben ihre Ablehnung erklärt, vermutlich wird das Öl im Boden bleiben.
Aus Brieskow-Finkenheerd Hanno Böck
Christian Haase von der britischen Firma Celtique Energy besucht zur Zeit Ortschaftsräte in brandenburgischen Schlaubetal. Seine Firma plant seismische Untersuchungen, um mögliche Ölvorkommen im Untergrund zu kartieren. Während im vergangenen Jahr alles noch nach großer Zustimmung aussah, schlägt Haase nun zunehmend Skepsis entgegen. So hat die Gemeinde Müllrose gerade ihre Ablehnung der Pläne signalisiert. Ohne die Zustimmung der Ortschaftsräte aber kann Celtique Energy die seismischen Untersuchungen nicht durchführen.

Der Gemeinderat hört den Ausführungen eines Firmenvertreters zu - und bleibt skeptisch. (Foto: Böck)
Die Region ist sensibilisiert, seit der Stromkonzern Vattenfall vor drei Jahren angekündigt hat, nahe der Gemeinde Beeskow Kohlendioxid aus seinen Kohlekraftwerken unterirdisch zu verpressen. Die Vattenfall-Pläne für die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) sind inzwischen auf Eis gelegt.
Viele Bürger fürchten, die Ölfirma könne ein trojanisches Pferd von Vattenfall sein
Im Amt von Brieskow-Finkenheerd befürchten die Gemeinderäte trotzdem, dass die Ölförderung etwas mit den CCS-Plänen zu tun haben könnte. Ob die Ergebnisse an Vattenfall weitergegeben werden könnten, will ein Gemeinderat wissen. Ein Austausch von Daten zwischen Firmen sei sehr unüblich, erklärt Haase, außerdem sei vertraglich festgelegt, dass die Daten nicht zu Vattenfall gelangen dürfen. Skepsis bleibt, so merkt jemand an, dass der Großkonzern Vattenfall eine kleine Firma wie Celtique Energy ja einfach kaufen könne.
Ob denn Kohlendioxid direkt zur Ölförderung eingesetzt werde, wird Haase gefragt. Bei einem Verfahren namens Enhanced Oil Recovery wird teilweise Kohlendioxid in Öllagerstätten verpresst, um auch noch die letzten Öltropfen aus alten Feldern herauszupressen. Das sei extrem unwahrscheinlich, so Haase, denn Enhanced-Oil-Recovery mit Kohlendioxid lohne sich nur bei sehr großen Ölfeldern, das Feld Pillgram im Schlaubetal sei im Vergleich dazu winzig klein. Absolut ausschließen mochte Haase den unterirdischen Kohlendioxid-Einsatz aber nicht.

Mit solchen Fahrzeugen soll bald der Untergrund im Schlaubetal kartografiert werden. (Foto: DMT, Essen)
Die Gemeinderäte im Brieskow-Finkenheerd befürchten zudem, dass sie, wenn sie jetzt den Untersuchungen zustimmen, später keine Möglichkeit mehr haben, die Ölförderung zu stoppen. An diesem Abend wird zwar kein Beschluss mehr gefällt, klar ist aber: Auf große Begeisterung ist Celtique Energy auch hier nicht gestoßen.
Der Anstieg des Ölpreises macht die lange bekannten Vorkommen in der Lausitz lukrativ
Dass sich in der Lausitz Ölvorräte befinden, ist eigentlich ein alter Hut. Schon zu DDR-Zeiten waren die Lagerstätten im Schlaubetal in der Lausitz bekannt. Doch obwohl die DDR viel dran setzte, eigene Rohstoffvorkommen auszubeuten, lohnte es sich damals schlicht nicht, die Ölvorräte anzuzapfen. Dass sich das über zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ändert, ist nur durch eine Ölpreisentwicklung zu erklären, die die meisten Experten vor Jahren noch für unmöglich gehalten hätten.
Celtique Energy hat sich auf die Ausbeutung solch kleiner Ölvorkommen wie dem im Schlaubetal spezialisiert. Auch im nahegelegenen Polen untersucht man zur Zeit ein potentielles Ölfeld.
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