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Offshore-Krisengespräch in Bremen

In der Hansestadt klagt heute die Offshore-Branche der SPD ihr Leid. Dabei gibt es durchaus interessante Signale: Hochtief gründet eine Offshore-Tochter, Bielefeld kauft sich im Windpark Butendiek ein und EnBW sucht bei Stadtwerken um Beteiligungen nach.

Von Nick Reimer

Offshore-Unternehmer treffen heute den Bremer Senat, um über Schwierigkeiten beim Ausbau von Offshore-Projekten zu sprechen: Projektentwickler klagen seit Jahren über bürokratische Hürden und Verzögerungen bei der Netzanbindung der Offshore-Windparks. Ohne den Nachweis einer Netzanbindung aber ist keine Bank der Welt bereit, Kredite für eines der vielen Offshore-Projekte auszureichen. Neben Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner wird auch Bürgermeister Jens Böhrnsen (beide SPD) den Klägern sein Ohr leihen.


Die Offshore-Windfarmen der Nordsee: Grün gebaut, gelb genehmigt, rot beantragt. Aber das ist Stand 2010. (Grafik: dena)

Andererseits ist Offshore enorm "in": Die deutsche Hochtief AG, weltweit fünftgrößter Baukonzern, hat gerade mit Ventizz Capital Partners ein Joint Venture-Unternehmen zur Entwicklung von Offshore-Windparks gegründet. Beide Partner halten an der neuen  Gesellschaft namens "Hochtief Offshore Development Solutions S.à.r.l." je 50 Prozent. Geschäftsmodell des Unternehmens ist es, Konzessionen für Offshore-Windparks zu erwerben, diese zu entwickeln und vor Baubeginn mit der damit verbundenen Wertsteigerung an künftige Betreiber - Energiekonzerne, Finanzinvestoren oder Stadtwerke - zu verkaufen. Nur verkaufen: Eigene Betreiber-Pläne von Offshore-Windparks habe das Joint Venture nicht.

Hochtief immerhin hält sich Synergien offen: Der Essener Konzern verfügt eigenen Angaben zufolge über Bauerfahrungen für die Windkraft zu See, Erfahrungen im Hafenbau, im maritimen Tiefbau sowie in der Offshore-Logistik. Derzeit orderte Hochtief eines der leistungsstärksten Offshore-Errichterschiffe der Welt, die "Innovation". Gebaut wird es von der polnischen Crist-Werft in Gdynia, der installierte Kran soll 1.500 Tonnen heben können. Das pontonartige Schiff mit einer Antriebsleistung von rund 4000 Kilowatt ist mit vier Hubbeinen ausgestattet, die dem Schiff bei Kranoperationen Standsicherheit bietet. Ausgeliefert werden soll es noch in diesem Jahr.

Bielefeld kauft sich im Windpark Butendiek ein

Ventizz dagegen scheint dauerhafter auf das Geschäftsfeld Offshore zu setzen. Im November 2011 hatte die "Heuschrecke" die Übernahme des Nordsee-Windparks Nautilus II vom Projektentwickler PPNE Wind bekanntgegeben. 80 Windräder mit einer Leistung von insgesamt 560 Megawatt sollen sich 180 Kilometer nordwestlich von Helgoland drehen, die Genehmigung durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) steht allerdings noch aus.

Beschlossen ist dagegen der Einstieg von Bielefeld in den Offshore-Windpark Butendiek. Wie der Rat der Stadt beschlossen hat, soll sich die Stadtwerke Bielefeld GmbH mit 3,9 Prozent  am geplanten Offshore-Windpark Butendiek beteiligen. Der Beschluss steht unter dem Vorbehalt, dass die Bezirksregierung keinen Widerspruch einlegt. Demnach wollen Bielefelds Stadtwerke gemeinsam mit den Stadtwerken Münster und Osnabrück einen Anteil von 11,5 Prozent an dem Offshore-Windpark Butendiek übernehmen.

Der Windpark 30 Kilometer westlich der Nordsee-Insel Sylt ist das älteste deutsche Offshore-Projekt: 80 Windenergieanlagen mit einer Gesamtkapazität von 288 Megawatt sollten sich eigentlich schon seit 2010 drehen. Dem 1,3-Milliarden-Euro-Projekt und einstigen Bürgerwindpark fehlte es aber an einer Netzanbindung. Ohne Netzanbindung kein Kredit.


So also sieht die Energiegewinnung zur See aus: Ein Offshore-Windpark vor Dänemark. (Foto: Treblin)

Wobei wir wieder am Ausgangspunkt - dem heutigen Krisentreffen - wären: Ursprünglich sollten 2010 bereits Windkraftwerke mit einer Leistung von 2.000 Megawatt in den deutschen Hoheitsgewässern installiert sein, aktuell sind es 191 Megawatt. Die einen sagen, dass es an den schleppenden Genehmigungsverfahren liegt, die anderen: an den Laufzeitverlängerungen. Hätten die deutschen Großkonzerne keine Aussicht auf Aufkündigung des rot-grünen Atom-Ausstieges gehabt - sie hätten längst investiert, so der Vorwurf. Weil nämlich regenerative Kraftwerke Einspeisevorrang besitzen, hätten sich Eon, RWE und Co. mit den Offshore-Investments ein Kuckucksei ins Nest gelegt: Sie hätten dann immer öfter ihre Atomkraftwerke abschalten müssen.

Nun aber zeigt sich, dass die "Vier Großen" zahmer geworden sind. Weil EnBW beispielsweise nach all seiner Misswirtschaft das Kleingeld fehlt, sucht der Baden-Württemberger Staatskonzern Investoren für seinen Offshore-Windpark Baltic 2. Mehr als hundert Stadtwerke und Unternehmen hatte EnBW im Dezember 2011 zu Beteiligungsgesprächen geladen, über die Hälfte hat nun nach EnBW-Angaben konkreteres Interesse an dem Projekt signalisiert.

Bis Mitte des Jahres soll das Beteiligungsangebot von knapp 50 Prozent der insgesamt 288 Megawatt Leistung des Winparks Baltic 2 verhandelt werden. Der Standort von Baltic 2 befindet sich etwa 30 Kilometer vor der Insel Rügen. Die Gesamtleistung der insgesamt 80 Windkraftwerke mit einer Leistung von je 3,6 Megawatt soll eine jährliche Stromproduktion von etwa 1,2 Milliarden Kilowattstunden erbringen.

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