RWE-Pleite: Kein Gas aus Aserbaidschan
Pleiten, Pannen, Unvermögen - RWE gelingt derzeit so ziemlich gar nichts. Der Konzern hat sich nun augenscheinlich auch mit der Nabucco-Pipeline verzockt, Aserbaidschan will den Essenern kein Gas liefern. Der Kaukasus-Staat will lieber eine eigene Pipeline - statt sich von RWE und Co. kolonialisieren zu lassen.
Von Nick Reimer
Dass die Pipeline Nabucco jemals in Bau geht, wird immer unwahrscheinlicher: Nach Angaben von EU-Energiekommissar Günther Oettinger seien zwischen 10 und 14 Milliarden Euro für die rund 3.300 km lange Trasse aus Zentralasien nach Mitteleuropa notwendig. Ursprünglich war für den Bau die Summe von 7,9 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die Pipeline soll ab 2017 jährlich rund 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem kaspischen Raum nach Europa liefern. Als Baubeginn war ursprünglich 2011 geplant, jetzt ist von 2013 die Rede.
Aber die Kosten sind gar nicht das Hauptproblem. Grundlage für einen Kredit sind Gaslieferverträge - und deren Unterschrift will einfach nicht klappen. Die Wirtschaftswoche berichtet, dass Nabucco keinen Gasvertrag mit Aserbaidschan erhalte. Dies hätten Vertreter der Regierung von Aserbaidschan deutschen Politikern mitgeteilt. Und denen schwant: Ohne Gas aus Aserbaidschan keine Nabucco-Pipeline.
Durch den Bau der Ostseepipeline lohnt sich das Konkurrenzprojekt Nabucco nicht mehr. (Foto: Nord Stream AG)
Am Firmenkonsortium aus sechs europäischen Energiekonzernen, unter RWE als Konsortial-Leitung, sind neben RWE die österreichische OMV, die ungarische MOL, Transgaz aus Rumänien, die Bulgarian Energy Holding und die türkische Botas beteiligt. Bayerngas hatte jüngst erklärt, in das Konsortium einsteigen zu wollen.
Anfang Oktober 2011 hatte das Pipeline-Konsortium ein Angebot an Aserbaidschan für den Gasexport aus dem großen Gasfeld Shah-Deniz-II vorgelegt. Aserbaidschan hatte bis Jahresende Zeit, sich zu entscheiden, an welche europäische Gaspipeline das Land liefern will. Neben Nabucco bewerben sich die Türkei-Griechenland-Italien-Verbindung (ITGI) und die Transadriatische Pipeline (TAP) um Zugang. Nun fiel die Entscheidung offenbar gegen Nabucco aus.
Staatsbesuch aus Österreich sollte Türen öffnen
Zuletzt hatte es vergangenen Oktober Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer versucht. Mit einer Wirtschaftsdelegation war er nach Aserbaidschan gereist, um für Nabucco zu werben. Wenig erfolgreich, wie sich zeigte: "Wir sind daran interessiert, auf diversifizierten Wegen zu verkaufen", sagte Aserbaidschan Staatschef Ilham Aliyev. Auch zu einer möglichen Beteiligung von Aserbaidschans Staatskonzern Socar am Nabucco-Konsortium hielt sich Ilham Aliyev bedeckt: "Wenn man Teilhaber an einem Konsortium ist, ist das auch eine Verantwortung."
RWE hatte sich sogar in die große Weltpolitik eingemischt und mit der kurdischen Regionalregierung im Irak einen Liefervertrag geschlossen, was die Zentralregierung in Bagdad brüsk zurückwies: Die Regionalregierung sei nicht befugt, solche Verträge zu ratifizieren. Der Vorgang zeigt aber, wie groß die Not sein muss, Gaskontingente dingfest zu machen. Die Kurden wollen einen eigenen Staat ausrufen und wenn der Deal mit RWE klappen sollte, hätten sie für diesen Schritt auch die nötigen Einnahmen.
Das nach einer von Guiseppe Verdi benannte Pipeline-Projekt sollte in der Darstellung der sechs Firmen vor allem dazu dienen, die Europäische Union unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. Russland selbst ist mit seinem Pipeline-Projekt South-Stream im Süden der EU wesentlich weiter. Jüngst unterzeichnete EU-Mitglied Bulgarien einen Vertrag, Baubeginn soll im kommenden Jahr sein.

Schon im Januar hatte RWE-Chef Jürgen Großmann angedeutet, man könne sich einen Abschied vom Projekt vorstellen. Durch den Bau der Ostseepipeline North Stream, sowie der durch Bulgarien führenden South Stream - beide unter Kontrolle des russischen Konzerns Gazprom - lohne sich der Bau einer weiteren großen Gaspipeline kaum noch.
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