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Stromnetz trotz Kälte und Flaute stabil

Wie war das doch gleich? Wenn der Winter knackig wird, bricht Deutschlands Stromversorgung wegen des Atomausstiegs zusammen? Nun ist er da, der Winter und trotzdem trat nicht ein, was interessierte Kreise einst streuten. Noch nicht einmal Reservekraftwerke mussten aktiviert werden. Im Gegenteil: Deutschland exportiert in diesen Tagen Strom. Hingegen leidet Frankreich wegen seiner vielen Stromheizungen unter Verknappung.

Aus Freiburg Bernward Janzing

Solche Tage galten immer als die Nagelprobe für die Energiewende: Es ist kalt, der Stromverbrauch hoch und der Wind bläst kaum. Gleichwohl erweist sich das deutsche Stromnetz derzeit als stabil. "Keine Probleme" hieß es am Freitag übereinstimmend von der Bundesnetzagentur wie auch den Übertragungsnetzbetreibern. Und am Wochenende, wenn die Nachfrage nach Strom spürbar abnimmt, entspannt sich die Situation in der Regel ohnehin.

Vorsicht Atomausstieg! Im Winter führt der zur Versorgungsgefahr! Die Rücknahme der Laufzeit-Verlängerung ist deshalb verboten! Ach ja? (Foto: Reimer)

Weder über außergewöhnliche Netzengpässe, noch über einen Mangel an Erzeugungskapazitäten konnte die deutsche Stromwirtschaft  klagen. Im Gegenteil: Deutschland versorgt in diesen Tagen gar noch Nachbarländer mit. Selbst in den um diese Jahreszeit kritischsten Stunden zwischen 8 und 9 Uhr und zwischen 18 und 19 Uhr exportiert Deutschland derzeit per Saldo Strom. Freitagmorgen zum Beispiel lag der Exportüberschuss zwischen 4.000 und 5.000 Megawatt - das entspricht  der Erzeugung von drei bis vier Atomkraftwerken. Sonntag früh lagen die Werte sogar noch etwas höher.

"Im Moment erleben wir eine Situation, die im Vorfeld immer als potenziell kritisch bezeichnet wurde", sagte eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. Die gesamte Stromnachfrage in Deutschland war am Freitagmittag mit rund 70.000 Megawatt hoch, die Windkraftwerke jedoch lieferten gleichzeitig weniger als 2.000 Megawatt. Und doch sei die Situation gut beherrschbar, hieß es bei Tennet, zumindest solange es keine größeren ungeplanten Ausfälle im Kraftwerkspark gebe. Die von der Netzagentur im Zuge des Atomausstiegs unter Vertrag genommenen Reservekraftwerke habe man noch nicht aktivieren müssen.

Ähnlich entspannt sieht auch die Transportnetze-Sparte der EnBW die gegenwärtige Netzsituation, die "im Rahmen der jahreszeitlichen Erwartungen" liege. Die Systemsicherheit sei "bisher zu jedem Zeitpunkt gewährleistet" gewesen, und dies werde "auf Basis der vorliegenden Prognosen auch für die nächsten Tage erwartet".

In Frankreich steigt mit jedem Minusgrad die Strom-Nachfrage um 2.300 Megawatt

Auch die aktuellen Preise am Spotmarkt der deutschen Strombörse EEX deuten nicht auf eine außergewöhnliche Verknappung hin: In der teuersten Stunde des Freitags zwischen 18 und 19 Uhr kostete die Kilowattstunde im Großhandel 11,1 Cent, im Tagesmittel lag der Strompreis bei 7,7 Cent. Im Vergleich zum Mittelwert der vergangenen Monate von rund 5 Cent  sind die Preise zwar leicht erhöht, doch ungewöhnlich sind sie nicht; im November 2007 zum Beispiel wurden stundenweise Preise bis zu 82 Cent je Kilowattstunde verlangt.

Ausgerechnet im Atomland Frankreich ist der Strom im Moment deutlich knapper als in Deutschland. Für Strom zur Lieferung am Freitagabend mussten Händler am französischen Spotmarkt bis zu 15,1 Cent bezahlen. Und während Deutschland in den letzten Tagen Nettoexporteur war, importierte Frankreich per Saldo sogar Strom. Auch am Sonntagmorgen war Frankreich noch Stromimporteur.

Das ist derzeit nötig, weil die Franzosen in großem Stil mit Strom heizen. So steigt mit jedem Grad, um das das Thermometer im Winter fällt, in Frankreich die Nachfrage um 2.300 Megawatt. In der Bretagne rief der Energiekonzern EdF daher am Freitag die Bürger dazu auf, ihren Stromverbrauch in den Morgenstunden und zwischen 18 und 20 Uhr einzuschränken.


Knackige Winter würden die Stromversorgung Deutschlands gefährden, hatten interessierte Kreise nach dem Atomausstieg immer wieder behauptet. So wie einst knackige Winter die Stromversorgung in der DDR lahm legten - hier ein Tagebau im damaligen Bezirk Halle Anfang der 80er Jahre. (Foto: Ferropolis)

In Deutschland erweist sich unterdessen der Solarstrom als wichtiger stabilisierender Faktor. "Die Photovoltaik in Süddeutschland hilft uns gerade sehr", sagte ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Ähnlich ist der Tenor bei Tennet. Denn die Photovoltaik hat den Vorteil, dass ihre Einspeisung mit den Zeiten der Höchstlast im Netz zusammenfällt. In den letzten Tagen trug die Sonne in den Mittagsstunden bis zu 8.500 Megawatt zur Stromerzeugung bei; das ist so viel, wie fünf bis sechs Atomkraftwerke liefern.

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