Werbung

Votet jetzt!
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Mit Ölschiefer gegen die Krise

Serbien verspricht sich Arbeitsplätze, Energiesicherheit und volle Kassen von der Förderung seiner gewaltigen Vorkommen an Erdölschiefer. Zwei Milliarden Tonnen des ölhaltigen Sedimentgesteins sollen im Südosten des Landes lagern. Auf über 40 Milliarden Euro schätzt man den Wert der Vorkommen. Die Förderung soll noch in diesem Jahrzehnt anlaufen. Der Haken: Die Förderung von Ölschiefer gilt als extrem umweltschädlich.

Von Vesna Peric Zimonjic (IPS) und Tony Stuemer

Serbiens Ölschiefer hat Potenzial, das ist das Problem. Die gewaltigen Erdölschiefervorkommen im Südosten des Landes sollen Wohlstand generieren - Arbeitsplätze schaffen, die Energiesicherheit des Landes gewährleisten und nicht zuletzt die Staatskassen füllen. Die Technologie zu Förderung von Ölschiefer gehört aber zu den umweltschädlichsten bei der Förderung unkonventioneller Erdöle. Dejan Skala von der Technischen Fakultät der Universität Belgrad bezeichnet die Umweltschäden in Zusammenhang mit der Gewinnung von Ölschiefer als "enorm".

Im Zuge der jüngsten Finanzkrise hat Serbien mit einer bescheidenen Wirtschaftsleistung zu kämpfen. Nach Angaben des nationalen Statistikamtes stieg die Arbeitslosigkeit von knapp 19 Prozent im Jahr 2010 auf 23,7 Prozent im vergangenen November an. Dies ist der höchste Stand seit dem Sturz von Diktator Slobodan Milošević, bevor er 2002 vor das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt wurde. Diejenigen, die noch eine Arbeitsstelle haben, sind zumeist unterbezahlt. Die Förderung von 500.000 bis 600.000 Tonnen jährlich, die nach Schätzungen von Oliver Dulic, Minister für Umwelt und Bergbau, über mehrere Jahrzehnte anhalten wird, soll diese prekäre Situation auf dem serbischen Arbeitsmarkt verbessern.


Der Verwaltungsbezirk Šumadija, Serbien. Landschaften wie diese könnten durchaus zukünftig eher Mondlandschaften gleichen (Foto: Струјајое, Wikipedia)

Vor allem junge Menschen sind von der Arbeitsmarktlage betroffen. Über 50 Prozent der 15- bis 24-jährigen seien erwerbslos. Die Altersgruppe der 25- bis 34-jährigen weist ebenfalls eine bedenklich hohe Erwerbslosenrate von rund 32 Prozent auf. Minister Dulic ist hier optimistisch. "Tausende Menschen werden Arbeit finden", verkündete er zuletzt. Voraussetzung dafür sei ein Investitionsvolumen von etwas mehr als einer halben Milliarde Euro. 

Vor kurzer Zeit besuchte Dulic noch die Stadt Aleksinac, rund 200 Kilometer südöstlich der serbischen Hauptstadt Belgrad. Die Stadt hat kaum mehr als 20.000 Einwohner, wurde aber schnell zum Symbol für den Reichtum des Landes an diesem Energieträger. Hier liege nämlich der größte Teil der Erdölschiefervorkommen 

"Unser Ziel ist es, hochmoderne internationale Technologien einzuführen, die Erdölschiefer in eine Ressource verwandeln, die die Energiesicherheit Serbiens wesentlich verbessern kann", fuhr Minister Dulic fort. Sein Staatssekretär Zdravko Dragosavljevic kündigte indes an, dass die Firmen, die eine Beteiligung anstreben, zur Mitte des Jahres bekannt gegeben würden. Die Produktion soll demnach 2016 oder 2017 beginnen.

Experten warnen jedoch vor erheblichen Umweltschäden im Zuge der Erdölschiefergewinnung. Die dazu notwendige Technologie gilt als die schmutzigste überhaupt. Dulic verschwieg, dass sich die Europäische Union deswegen nicht an der Finanzierung des Ölschiefers beteiligen möchte. Das Umweltbewusstsein Serbiens ist nicht sehr ausgeprägt: Nach Krieg und Zerstörung, internationalen Sanktionen und einer in die Knie gezwungenen Wirtschaft ist das Bedürfnis nach Wohlstand groß. Die serbischen Medien gingen nicht zuletzt deshalb bis heute kaum auf die ökologischen Konsequenzen ein.


Die Stadt Aleksinac im Südosten des Landes. In unmittelbarer Nähe lager die größten Vorkommen an serbischen Erdölschiefer. (Foto: Nikola Milosevic, Moravac, Wikipedia)

Die Sedimentgesteine, die Bitumen und schwerflüchtige Öle enthalten, verwandeln sich nach dem Erhitzen unter- oder oberirdisch in eine ölähnliche Flüssigkeit. Dieser chemische Prozess nennt sich Pyrolyse. Dabei wird Dampf freigesetzt, der sich nach dem Abkühlen in unkonventionelles Schieferöl verwandelt, das dann zu herkömmlichem Öl weiterverarbeitet wird.

Auch der Tagebau wird als hochproblematisch eingestuft. Das Gestein muss bei derart hohen Temperaturen erhitzt werden, dass das umliegende Gebiet dadurch die Gestalt einer Mondlandschaft annimmt. Die Schadstoffbelastung des Bodens ist oft so groß, dass dort keine Pflanzen mehr wachsen können. Ganze Ökosysteme werden auf diese Weise zerstört. Die Verarbeitungsanlagen verbrauchen so viel Wasser, dass geschützte Auffangbecken angelegt werden müssen. Bei dem Prozess wird außerdem klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt. Dejan Skala betonte dazu, solche Anlagen sollten nicht in der Nähe dicht besiedelter Gebiete in Betrieb genommen werden.

Die Einwohner von Aleksinac blicken bisher jedoch zuversichtlich nach vorn. "Es ist höchste Zeit, dass etwas für diesen Teil Serbiens unternommen wird", erklärte Vladan Milosavljevic, der früher im Kohlebergbau arbeitete. Bis zu dem Bergbauunglück in Aleksinac 1989, bei dem 90 Menschen starben, war der Bergbau größter Arbeitgeber der rund 17.000 Bewohner der Stadt. "Seit die Mine geschlossen wurde, können wir kaum überleben. Der Ölschiefer gibt uns neue Hoffnung."

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Guter Journalismus kostet

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Empfänger
Klimawissen e. V.
Kontonummer
1136852100
Bankleitzahl (BLZ)
430 609 67
 
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN
DE63 4306 0967 1136 8521 00
BIC
GENO DE M 1 GLS
 

Werbung

Dies könnte Sie auch interessieren:

Dienstag, 04. Oktober 2011, 16:25 Uhr
EU: Teersand klimaschädlich
Die Kommission will Teersand gesondert in der so genannten "Fuel Quality Directive" aufführen - das würde Importe in die EU verhindern [mehr...]
Dienstag, 20. Dezember 2011, 15:27 Uhr
EU: Wirtschaft geht vor Umwelt
Bei ihrem Treffen in Brüssel können sich die EU-Umweltminister weder auf eine "Roadmap Ressourceneffizienz" noch auf einen ökologisch sinnvollen Umgang mit Teersanden einigen. Für die Unternehmen, heißt es, sei dies zu aufwendig. Auch Norbert Röttgen hat noch keine "abschließende Meinung".
Aus Frankfurt am Main Joachim Wille  [mehr...]
Donnerstag, 08. Dezember 2011, 12:01 Uhr
KfW finanziert Kohlekraftwerke im Ausland
Bundesregierung verweigert detaillierte Auskünfte aufgrund des Geschäftsgeheimnisses [mehr...]
Montag, 25. Februar 2008, 17:10 Uhr
Russland gelingt strategischer Deal
pipeline_bridge.jpgVertrag über Bau einer Gaspipeline durch Serbien unterzeichnet. Damit wird Russland seine Macht als Europas wichtigster Energielieferant ausbauen [mehr...]
Freitag, 16. September 2011, 08:02 Uhr
UK: Protest-Camp gegen Fracking
Moratorium gegen die Förderung von Schiefergas im Vereinigten Königreich angestrebt [mehr...]
Dienstag, 08. November 2011, 15:16 Uhr
Ölkonzerne entdecken riesige Vorkommen
Repsol YPF entdeckt Erdölschiefervorkommen in Argentinien, Total gibt die Entdeckung neuer Felder vor der nigerianischen Küste bekannt [mehr...]

Werbung

Meinungen: Überraschung der Woche

Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Ich liebe es!

Einmal den Uli Hoeneß machen, auf jedes Umweltgewissen pfeifen und beim Burgerbrater um die Ecke so richtig die Ökosau rauslassen - wäre das nicht irgendwie herrlich? Nun ja ... Lesen Sie selbst!
Von Georg Etscheit
[mehr...]

mehr...

Jahrestag
Das Fukushima-Dossier

11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab.  [mehr]


Aktion des Monats

Europa ohne Atomkraft

Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr]

Zu Ihrem Vorteil

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende

Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende   Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

Klimaretter-Beichtstuhl

Erleichtern Sie sich!

Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...]

Werbung

Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet

Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Energie


Bayern: Windkraftpotentiale kartiert

Mit der Gebietskulisse Windkraft soll Kommunen ein Hilfsmittel zur Hand gegeben werden [mehr...]
Protest


Anti-Kohle-Camp in Schottland

Britische Klimaschützer mobilisieren gegen den Kohlebergbau in Douglas Valley [mehr...]
Wirtschaft


Nabucco schrumpft

Statt wie ursprünglich geplant 3.300 Kilometer könnte die Erdgasleitung nur 1.300 Kilometer lang werden [mehr...]
Mobilität


Bahn will mehr Güter auf die Schiene holen

Vorstandsmitglied hält Anteil vom 20 Prozent am Transportmarkt für machbar, zur Zeit sind es 18 Prozent [mehr...]
Forschung


60 heißeste Jahre des Jahrtausends

Die letzten sechs Dekaden sind in der Region Australasien die wärmsten des vergangenen Jahrtausends gewesen, bilanzieren Wissenschaftler [mehr...]
Umwelt


Total: Gasleck ist jetzt dicht

Schon nach zwölf Stunden meldet der französische Konzern den Erfolg seiner Abdichtungsmaßnahmen in der Nordsee [mehr...]
Wohnen


150.000 neue Sonnenkollektoren

Solarwärme wird nun auf über 15 Millionen Quadratmetern in Deutschland gewonnen [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]
Standpunkte


"Wissen ohne Handeln"

Nach dem Bericht des Club of Rome: Michael Müller (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär a. D. und Mitherausgeber von klimaretter.info fordert in seinem Standpunkt 25 Milliarden Euro für ein Sofort-Programm der ökologischen Modernisierung. [mehr...]
Rezension


Die Radio-Aktivisten

Seit über 30 Jahren gab es in Japan keine solchen Demonstrationen: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat auch das politische Bewusstsein der Bevölkerung geändert. Der Dokumentarfilm "Radioactivists" versucht die neue Anti-AKW-Bewegung zu verstehen.
Eine Rezension von Felix Werdermann
[mehr...]
Kolumnen

nick3
930 Euro für Angela Merkel

Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Überraschung der Woche


Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]