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Bulgarien verbietet Fracking

Nach Protesten am vergangenen Wochenende verabschiedete das Parlament in Sofia ein Verbot der Fracking-Technologie. Die Parlamentarier befürchteten eine Verschmutzung von Trinkwasserressourcen und die Gefahr von Erdbeben.

Von Tony Stuemer und Hanno Böck

Das bulgarische Parlament hat am Mittwoch eine Resolution verabschiedet, die die Fracking-Technologie auf bulgarischem Hoheitsgebiet verbietet. Nach Angaben von Romandie News stimmten 166 Parlamentarier für die Resolution, sechs dagegen und drei enthielten sich. Verstöße gegen das Verbot werden demnach mit bis zu 50 Millionen Euro und der Beschlagnahmung von Gerätschaften geahndet. Damit reagierte das Parlament auf Proteste, die am vergangenen Wochenende in zwölf bulgarischen Städten stattfanden. Der US-Konzern Chevron plant in dem östlichen EU-Land den Abbau von Schiefergas mit der umstrittenen Fracking-Technologie.


Tausende protestierten am vergangenen Wochenende. (Foto: Mihail Georgiev)

"Das Verbot ist dauerhaft und bezieht sich auf das gesamte Gebiet von Bulgarien und unsere Territorien im Schwarzen Meer", heißt es in der Entscheidung des Parlaments. Bulgarien ist damit nach Frankreich das zweite EU-Land, welches Fracking verbietet.

Bulgarien ist bei Gaslieferungen bislang überwiegend auf den russischen Monopolisten Gazprom angewiesen. Der EU-Staat bewilligte dem US-Konzern im vergangene Jahr Probebohrungen und eine fünfjährige Erkundungsphase in der Gegend um Novi Pazar im Nordosten des Landes. "Wir wollen Energiesicherheit und Unabhängigkeit, aber nicht um jeden Preis", erklärte der Abgeordnete Dian Chervenkondev von der konservativen Partei GERB die Entscheidung des Parlaments. Vertreter aller Parteien waren sich einig, dass es keine hinreichenden Belege für die ökologische Unbedenklichkeit des Verfahrens gebe.


Seit vergangenem Jahr führt Chevron in Bulgarien Probebohrungen durch. (Foto: Chevron)

Auch andere Osteuropäische Staaten setzen auf die Förderung von Schiefergas. Die größten Reserven in der EU besitzt Polen. Das Land setzt in der Stromversorgung bislang fast ausschließlich auf Braunkohle, bei den Gaslieferungen ist es - wie die meisten osteuropäischen Länder - fast vollständig von Russland abhängig. Seit dem Bau der Ostsee-Pipeline North Stream, die im November eröffnet wurde, befürchtet Polen, dass Russland ihnen den Gashahn abdrehen könnte. Zuletzt kam es auch in Polen zu ersten Protesten gegen die Gasbohrungen.

Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, ist eine Technologie, die vor allem bei der Förderung sogenannter unkonventioneller Gasreserven zum Einsatz kommt. Gas, das in Gestein oder Kohleflözen in nur kleinen Poren eingeschlossen ist, wird damit gefördert. Ein Gemisch aus Wasser, Sand und teilweise giftigen Chemikalien wird in ein Bohrloch eingebracht, durch unterirdische Sprengungen versucht man, das eingeschlossene Gas zu fördern. In den USA kam es dabei mehrfach zur Verschmutzung von Trinkwasserressourcen und teilweise auch zu Erdbeben. Teilweise wird Fracking auch bei konventionellen Gasbohrungen und zur Ölförderung eingesetzt.

Auch in Deutschland gibt es Konflikte um die Fracking-Technologie. Vor allem in Nordrhein-Westfalen protestieren Menschen gegen die umstrittene Gasförderung, aber auch an vielen anderen Orten ist die Förderung von unkonventionellem Erdgas im Gespräch.

klimaretter.info/tony

 

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