Unterirdische Kohlevergasung in Wales geplant

Eine Londoner Firma will an der Küste von Wales Anlagen zur unterirdischen Kohlevergasung bauen. Die Technologie soll sauberer sein als konventionelle Kohleverbrennung, allerdings nur im Zusammenhang mit CCS. Weiterhin soll das Anzapfen von Kohlereserven ermöglichen werden, die sich bislang nicht wirtschaftlich ausbeuten lassen.

Von Hanno Böck

"Clean Coal" – zu Deutsch saubere Kohle – nennt sich eine Londoner Firma, die bislang schwer nutzbare Kohlereserven fördern will. Hierzu setzt sie auf die Technologie der unterirdischen Kohlevergasung. Doch sauber ist das Ganze nur, wenn die Kohlendioxid-Emissionen der anschließénden Verbrennung abgeschieden und verpresst werden – die bekannte und umstrittene CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage).


Die zur Zeit größte Anlage zur unterirdischen Kohlevergasung im australischen Chincilla. (Foto: Linc Energy)

Die Idee der unterirdischen Kohlevergasung: Kohle soll unter der Erde verbrannt werden, dabei entsteht ein Gemisch aus Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Methan. Dieses wird an die Oberfläche transportiert und kann wie Erdgas etwa in Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt werden. Neu ist die Technologie nicht: 1913 startete die Sowjetunion unter Lenin mit ersten Versuchen zur unterirdischen Kohlevergasung. Aus der Sowjetära sind zwei Anlagen übriggeblieben – eine in Angren in Usbekistan und eine im russischen Juschno-Abinsk.

Zuletzt startete Australien den Versuch, die unterirdische Kohlevergasung in größerem Maßstab zu nutzen. Eine Testanlage der Firma Cougar Energy wurde im Jahr 2010 nach Protesten der lokalen Bevölkerung abgeschaltet, da man im Grundwasser erhöhte Benzol-Werte festgestellt hatte. Das Ende des Projekts wurde im vergangenen Jahr besiegelt, als ein Gericht eine Beschwerde von Cougar Energy gegen die Entscheidung abwies. Weiterhin betreibt die Firma Linc Energy in Australien seit 1999 eine Testanlage, die in den vergangenen Jahren mit einer Gasverflüssigungsanlage kombiniert wurde – somit wird aus der unterirdischen Kohle Öl. Weitere Versuchsanlagen gibt es in Pakistanin Südafrika und in China.


Historisches Bild der Anlage in Angren im heutigen Usbekistan. (Foto: Linc Energy)

Die Londoner Firma Clean Coal Limited will nun eine Anlage zur unterirdischen Kohlevergasung an der Westküste von Wales in Swansea Bay errichten. Doch bei dieser einen soll es nicht bleiben – nach Angaben der BBC sind inzwischen im Vereinigten Königreich 18 Genehmigungen für derartige Projekte erteilt worden. "Clean Coal Limited" will die Kohlendioxid-Emissionen der Gasverbrennung abscheiden und wieder unterirdisch verpressen – und betont, daher würde es sich um eine saubere Technologie und eine ökologische Alternative zur Gasförderung aus Schiefergas handeln. Die Technologie soll zudem auch günstiger sein als konventionelle Kohleverbrennung.

Der Wirtschaftsprofessor Dieter Helm von der Universität Oxford kritisiert die Entwicklung in einem Interview mit dem Sender Channel 4: "Wir haben nicht zu wenig fossile Energien, wir haben viel zu viel davon", so Helm. "Was machen wir, wenn all diese Rohstoffe verbrannt werden, weil diese Technologie günstiger ist als die Nutzung anderer, Kohlendioxid-armer Technologien?"

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