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Solarbranche: Kosten steigen nur minimal

Trotz Rekord-Ausbau, der Bundesverband Solarwirtschaft geht lediglich von geringfügigen Effekten der Solarförderung auf den zukünftigen Strompreis aus. Die Einspareffekte infolge einer Deckelung wären minimal. Ausbauziele für die Erneuerbaren und die Energiewende wären jedoch umso mehr gefährdet.

Aus Berlin Tony Stuemer und Hanno Böck

Die Vorwurf, Solarförderung führe zu einem signifikanten Anstieg der Strompreise, wurde heute in Berlin von der Solarindustrie zurückgewiesen. Das geht aus einem vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) vorgestelltem Gutachten der Prognos AG hervor. In diesem geht man zwar von einem Anstieg der Strompreise in den nächsten fünf Jahren um etwa 4 Cent auf dann rund 28 Cent aus, davon verursache die Förderung von Photovoltaikanlagen aber lediglich rund einem halben Cent. Carsten König, Geschäftsführer des Solarverbandes, erklärte zudem, dass die Branche bis 2020 zehn Prozent des deutschen Strombedarfs decken könne.


Auch 2011 gingen über sieben Gigawatt Solarleistung ans Netz. (Foto: Solarstrom AG)

Die Solarbranche befindet sich jedoch gegenwärtig in einer schwierigen Phase. Dennoch konnten im Jahr 2011 trotz Förderkürzungen 7.500 Megawatt Photovoltaikanlagen ans Netz gehen. Entsprechend des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten die Betreiber von Solaranlagen eine feste Vergütung pro erzeugter Kilowattstunde. Diese beträgt gegenwärtig 24,43 Cent. Der schnelle Ausbau führt jedoch dazu, dass die Vergütung zum 1. Juli 2012 erneut um 15 Prozent sinken wird - eine Konsequenz des sogenannten "atmenden Deckels". Dieser ist in der seit 1. Januar gültigen Neufassung des EEG vorgesehen.

Das Gutachten der Prognos AG geht davon aus, dass der Zubau mittelfristig auf etwa 4.000 Megawatt im Jahr sinken wird und die hohen Zubauraten von über 7.000 Megawatt in den letzten zwei Jahren künftig nicht mehr zu erwarten sind. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sowie Politiker aus den Reihen der CDU forderten zuletzt einen sogenannten "harten" Solardeckel. Die Gesamtkapazität der Neuanlagen solle auf 1.000 Megawatt pro Jahr begrenzt werden. Für die Branche wäre diese Deckelung, so der Solarverband, mit gravierenden Auswirkungen verbunden.

Im vorgestellten Gutachten wird auch ein Szenario mit Solardeckel betrachtet. Dieser hätte demnach nur moderate Auswirkungen auf die Entwicklung der Strompreise. Den Berechnungen der Prognos AG entsprechend, würde der Preis für eine Kilowattstunde Strom lediglich um 0,3 Cent im Jahr 2016 sinken. Dies würde Einsparungen von zwölf Euro jährlich für einen Durchschnittshaushalt von drei Personen bedeuten. Diesem Szenario folgend, würde der Photovoltaik-Ausbau in den kommenden Jahren statt 20.000 Megawatt lediglich 5.000 Megawatt betragen.


Philipp Rösler hält Solarstrom für zu teuer. (Foto: FDP)

Noch in dieser Woche will Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) das Gespräch mit Vertretern der Solarbranche suchen. Er hatte sich bislang gegen eine Deckelung der Solarförderung ausgesprochen. Um die Fördersätze schneller zu senken, ist eine häufigere Anpassung der Fördersätze im Gespräch. Statt halbjährlich könnten diese zukünftig vierteljährlich einer Neuberechnung unterzogen werden.

Als weitere Variante steht eine mögliche regionale Ausdifferenzierung der Fördersätze im Raum. Dies hat auch die Prognos AG in der Vergangenheit vorgeschlagen. Gegenwärtig wird der überwiegende Teil von Solaranlagen in den süddeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg aufgestellt. Dies führt regional zu Überlastungen der Verteilnetze. Eine ausreichende Kapazität in den Verteilnetzen für weitere Solaranlagen sei aber noch in mehr als 80 Prozent der Regionen Deutschlands gewährleistet, so der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Jörg Meyer.

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