Wenn der Atomstrom-Drücker zweimal klingelt
In Ludwigsburg betreibt die RWE-Tochter Süwag laut Zeitungsberichten rabiate und illegale Werbemethoden. Kunden der Stadtwerke soll die Abschaltung ihrer Strom- und Gasanschlüsse angedroht worden sein, wenn sie dort bleiben wollen. Die Stadtwerke hatten sich erst vor kurzem entschlossen, ihr Stromnetz in Eigenregie ohne eine Kooperation mit einem der großen Energiekonzerne zu betreiben.
Die RWE-Tochter Süwag soll laut einem Artikel der Stuttgarter Nachrichten fragwürdige Werbemethoden einsetzen. Das Unternehmen setzt nach Angaben der Stadtwerke Ludwigsburg/Kornwestheim Drückerkolonnen ein, um Kunden durch Falschaussagen zu einem Anbieterwechsel zu drängen. Einer Frau habe man gedroht, die Stadtwerke würden ab dem 12. Januar keinen Strom mehr liefern. Pikant dabei: Die Stadt Ludwigsburg hatte erst vor kurzem beschlossen, ihr Stromnetz künftig vollständig von den eigenen Stadtwerken betreiben zu lassen.

Vorwurf gegen die Süwag: Drückerkolonnen arbeiten mit unlauteren Methoden. (Foto: kra)
"Kunden haben sich bei uns gemeldet, daraufhin sind wir mit der Sache an die Öffentlichkeit gegangen", erklärte Bodo Skaletz, Geschäftsführer der Stadtwerke, gegenüber klimaretter.info. "Wir wollen einen fairen Wettbewerb. Es kann nicht sein, dass unsere Kunden unter Druck gesetzt und mit unlautere Mittel anagewendet werden."
Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten beteuert die Süwag, man würde Hinweisen nach Fehlverhalten von Mitarbeitern nachgehen. Die Kundenwerbung werde durch externe Dienstleister durchgeführt, im Fall von Ludwigsburg könne man deren Namen aus "vertragsrechtlichen Gründen" nicht nennen.
Im Juni 2011 hatte der Ludwigsburger Gemeinderat beschlossen, das Stromnetz der Stadt künftig selbst zu betreiben. Bis dahin gehörte das Netz zu 80 Prozent der EnBW und zu 15 Prozent der Süwag. Die Lokal-CDU hatte sich dafür ausgesprochen, weiterhin mit EnBW und Süwag zu kooperieren, eine Mehrheit im Gemeinderat sprach sich aber dafür aus, die beiden großen Stromkonzerne vor die Tür zu setzen.

Die Stadtwerke setzen lieber auf eigene Netze und lassen die Süwag außen vor. (Foto: Stadtwerke Ludwigsburg / Kornwestheim)
Es ist nicht der erste Vorwurf gegen die Süwag. Bereits 2009 hatte sich der Wiesbadener Energieversorger ESWE über Süwag-Drückerkolonnen beschwert. Diese hätten sich als Mitarbeiter der Wiesbadener Stadtwerke ausgegeben. Das Wiesbadener Landgericht untersagte der Süwag damals unter Androhung einer Geldstrafe derartige Methoden. In Kornwestheim, versorgt vom selben Stadtwerk wie Ludwigsburg, gab es bereits 2010 ähnliche Berichte. Die Süwag versprach damals, die Praktiken der Dienstleister zu überprüfen. Offenbar hat aber auch die Süwag selbst Probleme mit ähnlichen Praktiken der Konkurrenz. In einer Pressemeldung vom Januar 2011 warnt sie ihre eigenen Kunden vor unseriösen Haustürgeschäften.
Die RWE-Tochter Eprimo ist bundesweit für ihre fragwürdigen Praktiken bekannt. So gab es Beschwerden bei den Stadtwerken Bochum, Düsseldorf, Dresden und Herne, außerdem beklagten sich Verbraucherzentralen über illegale Telefonwerbung. Die britische RWE-Tochter Npower wurde einst für unlautere Kundenwerbung zu 1,8 Millionen Pfund Strafe verdonnert.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 13 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Ich liebe es! Einmal den Uli Hoeneß machen, auf jedes Umweltgewissen pfeifen und beim Burgerbrater um die Ecke so richtig die Ökosau rauslassen - wäre das nicht irgendwie herrlich? Nun ja ... Lesen Sie selbst!
Von Georg Etscheit [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Ausschreibung für einen Partner zur Eigenversorgung der 120.000 Einwohner startet
Norwegen als Ausweg: Prof. Olav Hohmeyer vom Sachverständigenrat für Umweltfragen setzt auf die Anbindung des deutschen Stromnetzes an die Speicherkapazitäten in Norwegen. Der Bau des umstrittenen Pumpspeicherkraftwerks Atdorf im Schwarzwald wäre dann gar nicht mehr nötig, meint der Energieexperte im klimaretter.info-Gespräch.
Grund sind laut Vorstandschef Hans-Peter Villis die hohen Kosten der Energiewende
Investorengruppe um die Commerzbank übernimmt längstes deutsches Höchstspannungsnetz
Bleiben die acht abgeschalteten Reaktoren auch nach dem "Atom-Moratorium" vom Netz, könnte der Strom im Winter knapp werden. Das behaupten die Übertragungsnetzbetreiber, die teilweise den Atomkonzernen selbst gehören.
Die Stiftung Warentest hat es wieder einmal schwarz auf weiß dokumentiert: Nicht jeder Ökostromtarif hilft der Energiewende und dem Klima. Obwohl das unter den Eingeweihten eine Binse ist, wechselt der allergrößte Teil der Interessenten zum falschen Anbieter.
Der schleppende Netzausbau auf hoher See bremst die Offshore-Energie aus. In einer eigens eingerichteten Arbeitsgemeinschaft "Beschleunigung" diskutieren deshalb seit Januar die wichtigsten Offshore-Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung über Gründe und Lösungen. Die Stiftung Offshore-Windenergie koordiniert die Gespräche. Thorsten Falk, Sprecher der Stiftung, im Interview mit klimaretter.info.
Die Linksfraktion in Nordrhein-Westfalen beantragt die Verstaatlichung des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. CDU und FDP kontern mit dem "Staatswirtschafts"-Vorwurf. SPD und Grüne spielen auf Zeit.
Energie aus Biomasse boomt: Biogas-Anlagen, Diesel aus Rapsöl, Holzpellet-Kraftwerke gelten als klimaschonend. Doch Heizen mit Holz, warnt der Förster Peter Wohlleben, sei gar nicht CO2-neutral. Der Holzrausch schädige sogar die Wälder.
SPD und Bündnisgrüne werden sich am Donnerstag erstmals mit der Linksfraktion in Nordrhein-Westfalen treffen, um ein rot-grün-rotes Bündnis zu sondieren. Einer der Knackpunkte könnte dabei die Energiepolitik werden: Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm versprochen, die großen Energiekonzerne im Falle einer Regierungsbeteiligung zu enteignen. wir-klimaretter.de sprach mit Dorothée Menzner, der energiepolitischen Sprecherin der linken Bundestagsfraktion.
Nach dem gescheiterten Einstieg in die Thüga plant die Initiative die Beteiligung an den Stadtwerken Jena-Pösneck und der KommunalPartner GmbH. Mögliche Beteiligung an Kohlekraftwerken
Verbraucherverbände kritisieren den Beschluss der Bundesnetzagentur, den Renditesatz für Strom -und Gasnetze nur um 0,24 statt 1,09 Prozent zu senken. Kampagne der Netzbetreiber erweist sich als erfolgreich.
Die vier Atomkonzerne wollen zahlen, wenn die Laufzeiten um zwölf Jahre verlängert werden
Der Netzbetreiber Tennet vergibt Auftrag im Umfang von einer Milliarde Dollar
Industrieanlagen können kurzzeitig abgeschaltet werden, wenn Engpässe im Stromnetz vorhanden sind. Derartige Lastabschaltungen verringern die Notwendigkeit, bei einem starken Ausbau der Erneuerbaren Reservekraftwerke bereitzuhalten. Das Wirtschaftsministerium hat nun einen Entwurf für eine Abschaltverordnung vorgelegt.


