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Rosneft ist jetzt weltgrößter Ölkonzern

Der staatliche russische Energiekonzern Rosneft hat erstmals ExxonMobil als größten Ölförderer überrundet. Diese "Karriere" ist Ergebnis einer beispielslosen Wirtschaftskonzentration unter dem Dach des Staates - und des "Arabischen Frühlings".

Von Nick Reimer

Endlich sind die Russen auch bei der Ölförderung wieder da, wo sie sich von Staats wegen ohnehin sehen: ganz oben. Der Moskauer Energiekonzern Rosneft hat nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung Wedemosti den bisherigen weltgrößten Ölförderer ExxonMobil nach den ersten drei Quartalen in diesem Jahr überholt. Weil Rosneft seine Förderung um 2,9 Prozent gegenüber 2010 erhöhte, kommt der russische Staatskonzern auf ein Fördervolumen von 2,37 Millionen Barrel täglich. ExxonMobil schafft "nur" 2,33 Millionen Barrel.


Rosneft-Förderanlage in Timano-Pechora, Nordrußland. (Foto: Rosneft)

Die Produktionskapazität von Rosneft rangierte im Jahr 2004 noch weit hinter der der damals führenden russischen Ölfirmen Yukos und Lukoil - zwei Konzerne in Privathand. Der Kreml ging gegen die Privaten vor, Yukos-Chef Michael Chodorkowski sitzt immer noch in Haft. Schließlich wurden die Konzerne zerschlagen und ins Rosneft-Gerüst eingebaut.

Über einen Börsengang nahm Rosneft 2006 nach eigenen Angaben 10,6 Milliarden US-Dollar ein, Geld, das in die Erschließung neuer Lagerstätten und in neue Infrastruktur floss. Allerdings wurden nur 49 Prozent der Unternehmensanteile an die Börse gebracht, Russland wollte Mehrheitseigner bleiben.

20 Prozent des weltweiten Erdgases kommen von Gazprom

Weltgrößter Gaskonzern ist Russland schon. Gazprom hat knapp 450.000 Mitarbeiter, macht 44,25 Milliarden Euro Umsatz und fördert 85 Prozent des russischen Erdgases. Im vergangenen Jahr waren das 508,6 Milliarden Kubikmeter - rund ein Fünftel der weltweiten Förderung. Auch Gazprom-Aktien waren an der Börse platziert worden, auch hier behielt aber der russische Staat die Mehrheit.

Gazprom hatte im ersten Quartal 2011 einen Rekordgewinn von 11,2 Milliarden Euro eingefahren - 44 Prozent mehr als im ersten Quartal 2010. Grund sei vor allem der lange und kalte Winter in Europa gewesen, der die Nachfrage enorm beflügelt habe. Von Januar bis März lieferte Gazprom 46,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Europa und in die Türkei - 11,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Und aus diesen Einnahmen speist sich ein Großteil des Systems Putin - und des neuen russischen Selbstbewusstseins.


Des einen Dahinscheiden beförderte den Aufstieg des anderen Tyrannen: Putin mit Gaddafi. (Foto: Wikimedia Commons)

Allerdings - und das dürfte mal wieder die russische Seele kränken - ist Rosneft nur wegen der politischen Entwicklungen in der arabischen Welt zum Weltmeister aufgestiegen. "Rosnefts Aufstieg wurde begünstigt durch den 'arabischen Frühling'", sagte Denis Borissow,  Analyst der Nomos Bank, gegenüber Wedemosti. Wegen den Unruhen in mehreren Ländern in Nordafrika und dem Nahen Osten fiel die Produktion von ExxonMobil in diesen Bereichen um 18 Prozent. Statt der 172 Millionen Barrel, die der US-amerikanische Konzern dort in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres produziert hatte, waren es in diesem Jahr "nur" 142 Millionen Barrel.

Seit Kurzem sind Rosneft und ExxonMobil übrigens nicht nur Konkurrenten, sondern auch "Partner": Im August hatten beide Seiten eine milliardenschwere strategische Partnerschaft vereinbart, um die Lagerstätten in den arktischen Gebieten zu erschließen. Das Abkommen über Investitionen bis zu 3,2 Milliarden US-Dollar war im Beisein des russischen Regierungschefs Wladimir Putin in Sotschi unterschrieben worden - Rosneft versucht sich also gar nicht mehr den Anschein von staatlicher Unabhängigkeit zu geben.


Rosneft und ExxonMobil unterzeichnen eine Vereinbarung zu einer strategischen Partnerschaft, insbesondere zur Ausbeutung von Ölvorkommen in den russischen Arktisgebieten. Man beachte den irgendwie arktischen Gesichtsausdruck Wladimir Putins im Hintergrund. (Foto: Rosneft)

Unter anderem wollen beide Konzerne weitere Explorationsprojekte bei Öl und Erdgas in den East Prinovozemelskiy-Blöcken 1, 2 und 3 in der Kara See und dem Tuapse Lizenz-Block im Schwarzen Meer vorantreiben. Rosneft hatte zuvor lange nach einem möglichen Partner zur Ausbeutung der gewaltigen Ölvorkommen in den russischen Arktisgebieten gesucht. Eine mögliche Zusammenarbeit mit dem niederländisch-britischen Ölmulti BP war zuvor gescheitert. Im Gegenzug wurde Rosneft die Möglichkeit vertraglich zugesichert, sich auf ExxonMobil-Feldern in Texas oder im Golf von Mexiko einzubringen.

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