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Energieverbrauch 2011 gesunken

Im ablaufenden Jahr wurde hierzulande fünf Prozent weniger Primärenergie verbraucht - vor allem wegen des milden Wetters. Laut AG Energiebilanzen gingen Atomkraft, Steinkohle und Erdgas zurück, der Mineralölverbrauch befindet sich gar auf einem "historischen Tiefpunkt". Braunkohle und Erneuerbare Energien legten zu. Und: Trotz Atomausstieg bleibt Deutschland Stromexporteur.

Von Tony Stuemer & Toralf Staud

Bis 2020 soll der deutsche Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 nach den Vorstellungen der Bundesregierung um 20 Prozent gesenkt werden. Diesem Ziel ist sie 2011 ein Stück nähergekommen. Ein Gutteil des Fortschritts verdankt die Bundesregierung aber dem Wetter - und der Statistik. Aber der Reihe nach.

2008 lag der Primärenergieverbrauch in Deutschland bei 14.216 Petajoule. In diese Rechnung fließt alle verbrauchte Energie ein, also nicht nur Strom (bzw. die für seine Erzeugung verwendeten Rohstoffe wie Kohle oder Erdgas), sondern beispielsweise auch die fürs Heizen von Gebäuden oder das Bewegen von Kraftfahrzeugen. Bis Ende des laufenden Jahres werden in Deutschland voraussichtlich 13.411 Petajoule verbraucht, hat die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) berechnet. Das sind knapp fünf Prozent weniger als 2010. Um das Einsparziel für 2020 zu erreichen, müsste hierzulande der Primärenergieverbrauch auf 11.372 Petajoule sinken.


Woher kommt der Strom für Deutschland? Die AG Energiebilanzen schafft dahingehend Klarheit. (Foto: Daniel Bleyenberg/pixelio)

In der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen haben sich sieben Verbände aus der deutschen Energiewirtschaft und drei Verbände aus der energiewirtschaftlichen Forschung zusammengeschlossen. Alljährlich erstellt der Verein die Energiebilanz Deutschlands. "Die Zahlen zeigen phantastische Erfolge für unser Land", sagte Raimund Kamm, Vorstand des Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik. "Der Strom aus Erneuerbaren Energien ist auf dem Erfolgsweg.

Der Dieselverbrauch stieg konjunkturbedingt, aber insgesamt wurde 2011 weniger Mineralöl verbraucht als je zuvor

Mineralöl - vor allem für den Verkehr - ist nach wie vor der wichtigste Energieträger für Deutschland mit einem Anteil von rund einem Drittel am Gesamtenergieaufkommen. In absoluten Zahlen jedoch sank der Mineralölverbrauch um rund 4.500 Petajoule (155 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten) auf das niedrigste Niveau seit 1990. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um drei Prozent. Leichtes und schweres Heizöl sanken um 15 beziehungsweise drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dafür macht die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen vor allem die milden Witterungsbedingungen sowie die allgemeine Kaufzurückhaltung im Zusammenhang mit den gestiegenen Energiepreisen verantwortlich.

Nur der Absatz von Diesel ist um etwa zwei Prozent angestiegen, dank der guten Konjunktur fuhren beispielsweise mehr Lkw auf deutschen Autobahnen. Der Verbrauch von Otto- und Flugkraftstoffen hingegen ging zurück.

Der Verbrauch an Erdgas - dem mit 21 Prozent zweitwichtigsten Primärenergieträger - lag 2011 bei etwa 2.760 Petajoule (94 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten) und reduzierte sich damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund zehn Prozent. Weil Gas vor allem zum Heizen verwendet wird, machte sich nach Angaben der AG Energiebilanzen hier der vergleichsweise milde Winter zu Jahresbeginn bemerkbar. Der Einsatz von Erdgas zur Stromerzeugung blieb zwar hinter dem Vorjahreswert zurück, stabilisierte sich jedoch nach einem starken Rückgang in der ersten Jahreshälfte im zweiten Halbjahr 2011.

Der Verbrauch der klimaschädlichen Stein- und Braunkohle nahm im Jahr 2011 merklich zu

Mehr als zwei Drittel des Gesamtverbrauchs von Steinkohle entfallen auf die Stromerzeugung in Kraftwerken. Zwar ging der Steinkohleverbrauch in der Stromerzeugung um zwei Prozent zurück, stieg jedoch in der Stahlindustrie um etwa vier Prozent. Der Verbrauch der klimaschädlichen Kohle sank deshalb nur um 0,7 Prozent auf 1.685 Petajoule. Sie trägt mit knapp 13 Prozent zum Energiemix bei. Bei der Braunkohle mit einem Anteil von fast zwölf Prozent am Energiemix hingegen stieg der Verbrauch um rund vier Prozent auf nun 1.568 Petajoule. 90 Prozent der in Deutschland gewonnenen Braunkohle wird für die Stromerzeugung in Kraftwerken benutzt.


Solaranlage im Regierungsviertel in der Mitte Berlins. Deutschland legt bei den Erneuerbaren zu - vor allem die Photovoltaik verzeichnet einen Zuwachs von knapp 70 Prozent. (Foto: Paul Langrock / Bundesverband Solarwirtschft (BSW-Solar))

Weiter auf der Erfolgsspur sind die erneuerbaren Energien. Sie bauten im Jahr 2011 ihren Anteil am Energieverbrauch um 4,1 Prozent auf 1.449 Petajoule aus und tragen mit nunmehr rund elf Prozent zum deutschen Primärenergiemix bei. Dabei legte die Photovoltaik mit einem Plus von 67 Prozent am stärksten zu und liefert damit erstmals einen größeren Beitrag als die Wasserkraft. Energie aus Windkraft und Biogasanlagen verzeichneten 2011 ebenfalls deutliche Zuwächse von 22 beziehungsweise 21 Prozent. Einen Rückgang verzeichneten lediglich Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) und Agrokraftstoffe um neun beziehungsweise acht Prozent.

Die deutlichsten Veränderungen zeigten sich natürlich bei der Atomenergie, deren Anteil sich infolge des begonnenen Atomausstiegs im Jahresverlauf um rund 23 Prozent verringerte. Die Atomkraft trägt nun nur noch mit etwa neun Prozent zum Energiemix bei. Trotz der Abschaltung von acht Akw nach dem Atomunglück von Fukushima ist Deutschland Stromexporteur geblieben. Für den sogenannten Stromaustauschsaldo mit den europäischen Nachbarländern ergibt sich ein leichter Ausfuhrüberschuss von rund fünf Terawattstunden.

Weniger Primäreneergieverbrauch - wegen des milden Winters 2010/2011 und dank des Atomausstiegs

Unterm Strich, wie gesagt, sank der deutsche Primärenergieverbrauch in diesem Jahr um knapp fünf Prozent. "Den größten Einfluss" habe aber die milde Witterung gehabt, relativiert die AG Energiebilanzen diese gute Nachricht. Rechne man den Temperatureffekt heraus, "wäre der Energieverbrauch 2011 nur um ein Prozent gesunken".

Und auch der Atomausstieg hat geholfen, durch einen etwas komplizierten statistischen Effekt: Für Atomkraftwerke wird - internationalen Standards folgend - statistisch ein Wirkungsgrad von 33 Prozent angenommen. Das entspricht dem Wert alter Kohlekraftwerke und liegt deutlich unter dem Wirkungsgrad beispielsweise moderner Gaskraftwerke und weit unter dem von Erneuerbaren Energien (für sie setzen die Statistiker gar hundert Prozent Wirkungsgrad an). In die Primärenergierechnung fließt also pauschal das Dreifache des verbrauchten Atomstroms ein. Weil nun aber durch die Abschaltung von acht Akw der Atom-Anteil im Energiemix deutlich zurückging (und zu einem Gutteil durch effizientere Erzeugungsformen ersetzt wurde), sank der errechnete Primärenergieverbrauch viel stärker als der Stromverbrauch. Das bedeutet nichts anders als ein Anstieg der (rechnerischen) Energieeffizienz.

Ein Nebeneffekt des Atomausstiegs: Energie sparen ohne Energie zu sparen - der Statistik sei dank

Die AG Energiebilanzen hat grob kalkuliert, welchen statistischen Effekt ein vollständiger Atomausstieg bis 2022 hätte: Würden neue Kohlekraftwerke den Atomstrom ersetzen, sänke der gesamte Primärenergieverbrauch um drei Prozent. Sprängen hocheffziente Gaskraftwerke ein, ergäbe sich schon ein Rückgang um fünf Prozent.  Und um satte sieben Prozent sänke der Primärenergieverbrauch, wenn der Atomstrom durch Erneuerbare Energien ersetzt würde.

Zu deutsch: Deutschland kann Energie sparen, ohne Energie zu sparen. Allein durch einen Atomausstieg bei konsequentem Ausbau von Sonne, Wind & Co. könnte die Bundesregierung rund ein Drittel ihres Einsparziels bei der Primärenergie erreichen.

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