Windkraft mit eingebautem Speicher
In Gaildorf nahe Stuttgart sollen Windräder mit einem Pumpspeicher kombiniert werden - mit den Türmen als Wasserspeicher. Am Sonntag sprach sich die Bevölkerung in einem Bürgerentscheid für das Projekt aus.
Von Hanno Böck
Ein völlig neuartiges Konzept von Stromspeichern soll demnächst im schwäbischen Gaildorf entstehen. Vier geplante Windkraftanlagen sollen nicht nur Strom erzeugen, sondern gleichzeitig als Speicher dienen, wenn Überschuss im Stromnetz herrscht. Dann soll Wasser aus einem Unterbecken in die Türme gepumpt werden - dieses kann bei Stromflaute dann eine Turbine antreiben. Es ist dasselbe Prinzip wie ein Pumpspeicher, nur ohne Oberbecken, da hierfür die Türme der Windkraftanlagen dienen. Gestern sprach sich die Gaildorfer in einem Bürgerentscheid für den Naturstromspeicher Gaildorf aus.

In Baden-Württemberg sind sie noch ein seltener Anblick: Windkraftanlage bei Stuttgart. (Foto: raboe001, Wikimedia Commons)
Vier Windräder mit einer Gesamtkapazität von 18 Megawatt sollen den Strom der Anlage erzeugen. Im Fluss Kocher wird das Unterbecken aufgestaut. Die Türme bieten Platz für 160.000 Kubikmeter Wasser - 70 Megawattstunden können damit gespeichert werden. Mit Voith Hydro hat sich das Projekt einen in der Branche nicht unbekannten Partner gesucht. Die Heidenheimer Firma ist im Bereich der Wasserkraftwerke eine feste Größe.
Von der Politik wurde dem Projekt früh Unterstützung signalisiert. Alle Fraktionen im Gaildorfer Gemeinderat sprachen sich für die Umsetzung aus. Doch der Gemeinderat erntete damit nicht bei allen Bürgern ungeteilte Zustimmung. Eine Bürgerinitiative gründete sich, die die Windkraftanlagen lieber nicht vor der eigenen Haustüre haben möchte. Der Gemeinderat entschloss sich daher, die Bürgerbeteiligung bei der Planung ganz an den Anfang zu stellen. Ein Onlineportal der Gemeinde diente als Diskussionsplattform, am Sonntag durften die Gaildorfer in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob die Gemeinde Flächen für den Bau der Windkraftanlagen zur Verfügung stellt.

So stellt sich Ingenieur Alexander Schechner den Naturstromspeicher vor. (Bild: Naturstromspeicher Gaildorf)
Eine Mehrheit von 57 Prozent der gültigen Stimmen will den Naturstromspeicher realisiert sehen. Knapp wurde auch das Quorum erreicht: 25,2 Prozent der wahlberechtigten Bürger stimmten mit "Ja" - hätte keine der beiden Seiten das Quorum erreicht, hätte sich der Gemeinderat erneut mit dem Projekt befassen müssen. Später sollen die Bürger auch die Chance bekommen, sich finanziell am Projekt zu beteiligen. Die Gründung einer Genossenschaft ist geplant, die Beteiligung soll allerdings nur für Personen aus der unmittelbaren Umgebung möglich sein.
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