Fossil of the Day gleich zweimal an Kanada
Scharfe Kritik an Kanadas Rolle bei den Verhandlungen in Durban: Das Climate Action Network, ein Zusammenschluss verschiedener Nicht-Regierungsorganisationen, verlieh dem Land gestern nun bereits zum zweiten Mal in Folge den ersten Platz beim "Fossil of the Day-Award". "Dass Kanada sich jetzt aus dem Kyoto-Protokoll verabschiedet, ist für die Verhandlungen hier ein extrem schlechtes Vorbild", sagte Ilana Solomon, Referentin für Klimawandel bei der US-Organisation Action Aid. "Das trägt nur dazu bei, das schon bestehende Misstrauen zwischen armen und reichen Staaten weiter anzuheizen."

... doch für Kanada heißt es, Kyoto ade! (Foto: Ainhoa Goma)
Kanada bereitet offenbar seinen Ausstieg aus dem Kyoto Protokoll vor. Gestern gab der kanadische Umweltminister Peter Kent bekannt: "Wir müssen das tun. Wir brauchen keine verbindliche Konvention. Was wir brauchen, sind Taten und ein Mandat dafür, uns mit einer möglicherweise verbindlichen Konvention auseinanderzusetzen." Eine offizielle Bestätigung des Landes gab es bisher aber nicht.
Bereits im Vorfeld des Gipfels hatte Kent gegenüber dem kanadischn Fernsehsender CTV bekannt gegeben, man gehe nach Durban "mit einer Vielzahl weiterer Staaten, die die Auffassung vertreten, Kyoto hinter sich zu lassen". Die Unterzeichnung eines Folgeabkommens komme für das Land derzeit nicht infrage.
Innerhalb Kanadas gibt es Kritik am Kurs der Regierung von der oppositionellen New Democratic Patry (NDP) und den kanadischen Grünen. Die Entscheidung der Regierung sei "enttäuschend" und darüber hinaus "wirklich zynisch und feige", sagte die NDP-Parlamentsabgeordnete Megan Leslie. Für Elizabeth May von den Grünen ist die Entwicklung "ein sehr schädigender Akt der Sabotage". Ihrer Auffassung nach würde Kanada zum Pariastaat werden.
Kent hingegen argumentiert damit, dass die Vereinbarungen von Kyoto überholt seien, da die Großemittenten China, Indien und Brazilien von den verbindlichen Reduktionszielen nicht betroffen seien. China verkündete, dass sich das Land auch zur diesjährigen Weltklimakonferenz keinen verbindlichen Zielen unterordnen will und verwies wie in den Jahren zuvor auf die historische Verantwortung der Industrienationen. Für Kent jedoch seien bindende Vereinbarungen für Entwicklungs- und Schwellenländer in Durban eine Voraussetzung für neue globale Verinbarungen zum Klimaschutz.
Kanada selbst wird seine Zielsetzungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen bis zum Auslauf des Kyoto Protokolls Ende 2012 nicht einhalten. Verantwortlich dafür machte Minister Kent die Vorgängerregierung, die es versäumt habe, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Die konservative Regierung unter Stephen Harper machte zuletzt mit drastischen Kürzungen bei Umweltprogrammen von sich reden.
klimaretter.info/tony/em

Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier
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