Wind machen: Der grüne Lobbyist
Das Porträt: Einer von 15.000
In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Steve Sawyer, Generalsekretär des Global Wind Energy Council
Volle Konferenzsäle, ein nicht abreißender Menschenstrom auf den Gängen, ein komplexer Zwei-Wochen-Verhandlungsmarathon - für Steve Sawyer alles nichts Neues. Seit 2007 ist der gebürtige Amerikaner Generalsekretär des Weltverbandes der Windindustrie, als Chef des Global Wind Energy Council ist er seitdem auf den jährlichen Klimakonferenzen dabei. Ein grüner Lobbyist mit bekanntem Gesicht: "Hello, Steve, how are you", schallt es ihm auf den Gängen entgegen.
"Unser Job hier ist es, die Regierung dazu zu bringen, die richtigen Dinge zu tun", sagt Sawyer über seinen Job in Durban. Wie genau das funktioniert? "Man muss sich die richtigen Momente suchen", so die vage Beschreibung des Konferenz-Lobbyismus. Die grünen Energien hätten mit den Lobbyisten der fossilen Energien natürlich eine mächtige Konkurrenz. Allerdings, so Sawyer, seien diese Lobbyisten vor zehn bis 15 Jahren noch sehr viel mächtiger gewesen. Sie hätten versucht, den Prozess zu schwächen. "Das schaffen sie jetzt nicht mehr."
Aber die Fossilisten sind natürlich nicht verschwunden. Die Regierungen einiger Staaten wie die USA und Kanada seien von der fossilen Industrie vollkommen dominiert. "Nicht Exxon vor Ort ist das Problem", sagt Sawyer. "Das Problem ist, dass die Exxons dieser Welt die Regierungen kontrollieren. Bei Staaten wie Saudi-Arabien, Katar und Bahrain gibt es gar keinen Unterschied zwischen Ölindustrie und Regierung." In den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman gebe es zwar erste Fortschritte. "Aber das ist ein langsamer Prozess", seufzt der Lobbyist.
Die fossile Übermacht ist aber nicht Sawyers einziges Problem. Das andere sind die Delegierten vor Ort. "Sie wissen einfach nicht, wie sie eine andere Politik machen können", klagt Sawyer. Alle Zeichen deuten auf dem Konferenzparkett momentan darauf hin, dass es irgendeine Form einer zweiten Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll geben werde. "Wirklich relevante Entscheidungen sollen aber auf irgendeinen Zeitpunkt nach 2020 verschoben werden. Das führt zu einem Kollaps des Ökoystems. Alle Leute, die jetzt noch in ihren Büros sitzen, werden dann aus ihren Büros raus oder sogar schon tot sein. Sie hinterlassen aber ihren Kindern und Enkeln eine sehr unschöne Zukunft."
Da blitzt er auf, der Idealismus des grünen Lobbyisten. Und damit Sawyers Vergangenheit. 30 Jahre lang arbeitete er für Greenpeace, sowohl als Direktor von Greenpeace USA als auch von Greenpeace International. Klimakonferenzen besucht er, seitdem es sie gibt, die Energiewende ist seit Jahrzehnten sein Thema. "Die Windindustrie kann die Antworten auf die Zukunfts-Fragen geben", begründet Sawyer seinen Jobwechsel in den Industrieverband.
Wie erfolgreich war der Windlobbyist denn in den vergangenen Jahren? Sawyer, der heute in Amsterdam lebt, legt die Stirn in Falten. "Noch immer sehen viele Verhandler den grünen Energiesektor so, wie er vor zehn oder 15 Jahren war. Aber wir sind an vielen Stellen schon konkurrenzfähig und müssen das deutlich machen." Im vergangenen Jahr zum Beispiel sei erstmals mehr Geld in saubere Energien investiert worden als in fossile.

Allerdings, so gibt Sawyer zu, ist eine Klimakonferenz nicht der richtige Ort, um die Delegierten für sich zu gewinnen. Während Sawyers Verband gemeinsam mit seinem Pendant für alle Erneuerbaren in Kopenhagen noch 1.000 Lobbyisten auf die Delegierten losließ, sind es hier in Durban gerade einmal 45.
"Der Großteil des Lobbying findet sowieso in den Heimatländern statt, noch bevor sich die Regierungen überhaupt auf den Weg zum Klimagipfel machen", sagt Sawyer. Die Delegationen kämen mit ganz genauen Anweisungen auf die Konferenzen, "der Spielraum für Abweichungen ist sehr beschränkt. Erst wenn die Minister hier ankommen, wird wieder verhandelt."
Da aber sowieso die nationalen Regierungen darüber entschieden, ob die Erneuerbaren Förderungen, Netzanschlüsse und Raum erhalten, sind sie die eigentlichen Adressaten von Sawyer und seinen Kollegen. Was international den Erneuerbaren hilfreich wäre, sei ein Preis für Kohlendioxid und der Abbau der immensen Subventionen für fossile Energien. Deutschland immerhin sei auf dem richtigen Weg: "Wenn die Gesellschaft bereit ist, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen, wird die Politiker das auch aufnehmen."
aufgezeichnet von Eva Mahnke
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