Figueres, das Herz der Klimakonferenz
Das Porträt: Eine von 15.000
In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Christiana Figueres, rechte Hand von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Chefin des UN-Klimasekretariates
Halbzeit der Klimakonferenz in Durban: "Ich bin froh, sagen zu können, dass die Verhandlungsparteien hart gearbeitet haben und auf bestem Weg sind", sagt Christiana Figueres. Ein typischer Christiana-Figueres-Satz. Die Chefin des UN-Klimasekretariates ist Berufsdiplomatin, Berufsoptimistin und als solche natürlich auch für die guten Nachrichten vom Konferenzparkett prädestiniert. "Wir haben sechs Untergruppen gebildet, die gute Fortschritte erzielten, zwei dieser sechs Verhandlungsgruppen werden heute ihre Arbeit beenden".

Kann zuhören ...
In den zwei Arbeitsgruppen, die am Freitag einen Verhandlungstext vorlegen, geht es um das sogenannte Nairobi-Programm, das auf der Klimakonferenz 2006 beschlossen wurde und Geld für Anpassungsmaßnahmen der Entwicklungsländer bereitstellen soll. Verhandelt wird nun schon 5 Jahre, der Fortschritt ist in Millimeterschritten zu bemessen.
Was ist denn mit den anderen vier Arbeitsgruppen, Frau Figueres? "Die befassen sich mit der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls, mit dem Technologietransfer und mit dem 'Green Climate Fund'", sagt die Chefin des Klimasekretariates. Der Fonds soll den Entwicklungsländern 100 Milliarden Dollar jährlich bereitstellen.
Das ist bekannt, Frau Figueres. Wie steht es aber mit der Arbeit in diesen vier Verhandlungsgruppen? Die 55-jährige Costa-Ricanerin sagt: "Nun, die werden so lange weiter arbeiten müssen, bis sie einen Arbeitstext haben, den die Minister nächste Woche verhandeln können". Bald sind fünf Verhandlungstage rum, die Minister kommen am Montag. Die Vertragsparteien sind auf bestem Weg?
Figueres ist bereits seit 15 Jahren auf dem Verhandlungsparkett der Klimadiplomatie präsent, zuerst in der Verhandlungsdelegation Costa Ricas, 2007 vertrat sie Lateinamerika und die Karibik im Exekutivrat für den Clean Development Mechanismus. 2008 bis 2009 war sie zudem COP-Vizepräsidentin. Im Mai 2010 hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Figueres zur Nachfolgerin von Yvo de Boer benannt. Sie sei "eine international führende Persönlichkeit" auf dem Gebiet, Figueres bringe "eine Passion für das Thema, gründliche Kenntnis der Beteiligten und wertvolle Erfahrung aus dem staatlichen, dem gemeinnützigen und dem privaten Sektor" mit - so die Vorschusslorbeeren damals.
Der Vater Staatspräsident, der Bruder Staatspräsident, die Mutter Botschafterin in Israel
Längst ist Figueres aber aus den Fußstapfen de Boers herausgetreten. "Erwarten Sie nicht, dass die Papiere schon perfekt sind", sagt Figueres am Freitag in Durban. Viele Verhandlungsstellen sind quälend zäh, aber so würde Figueres nie formulieren. Gemeint sind jene Arbeitspapiere - die sogenannten Drafts - an denen die Delegierten noch arbeiten, die es also noch gar nicht gibt. "Die Regierungen werden übers Wochenende ein paar Hausaufgaben machen müssen", sagt die UN-Klimachefin und lächelt dabei charmant. Schließlich beginne am Dienstag das "high level segment", also jene Runde, an der 9 Staatschefs und 130 Außen-, Energie- und Umweltminister teilnehmen.
Geboren wurde Christiana Figueres im August 1956 als Tochter des Präsidenten von Costa Rica José Figueres Ferrer. Ihr Vater war dreimal Präsident des mittelamerikanischen Staates: Von 1948 bis 1949, von 1953 bis 1958 und schließlich von 1970 bis 1974. Als Führer der Revolution in Costa Rica hatte José Figueres Ferrer 1948 die Demokratie im Land begründet. Ihre Mutter Karen Olsen Beck, eine dänischstämmige New Yorkerin, war seit 1982 Botschafterin Costa Ricas in Israel und Parlamentsmitglied in Costa Rica zwischen 1990 und 1994. Christiana’s älterer Bruder José Figueres Olsen war ebenfalls Präsident von Costa Rica zwischen 1994 und 1998.

.... dirigieren ... (Fotos: Nick Reimer)
Die Chefin des Klimasekretariates hat Diplomatie und Führerschaft also praktisch im Blut. Freunde wie Kritiker der Costa-Ricanerin loben ihren Charme, ihre Geduld und Ausdauer. Christiana Figueres strahlt tatsächlich eine enorme Ausgeglichenheit aus. Ein Foto mit einem Delegierten aus Laos? Christiana Figueres lächelt in die Kamera. Eine Frage eines Jugendvertreters auf dem Gang zwischen zwei Sitzungen? Christiana Figueres bleibt stehen und nimmt sich die Zeit. Ein Kaffee ín der Kantine, unter all dem Konferenzvolk? Für die UN-Klimachefin eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn der Kaffee schnell kalt wird, weil sie ständig antworten muss und gar nicht zum Trinken kommt.
Figueres besuchte die Deutschen Schule in Costa Ricas Hauptstadt San José, die "Colegio Humboldt-Schule", bevor sie unter anderem in London und Pennsylvania studierte. Deshalb spricht sie auch ein gutes Deutsch. Verheiratet ist sie seit Anfang der 80er Jahre mit Konrad von Ritter, einem Weltbankmanager.
Zwischen 1982 und 1985 arbeitete Christiana Figueres in der bundesdeutschen Botschaft der Republik Costa Rica in Bonn. In Costa Rica war Figueres danach in führenden Positionen im Planungs- und Agrarministerium tätig. In den USA war sie Vorsitzende der Organisation Renewable Energy in the Americas (REIA) und gründete 1995 das Center for Sustainable Development in the Americas (CSDA), das sie acht Jahre lang leitete.

... sich in Geduld üben: Die Chefin des UN-Klimasekretariates Christiana Figueres. (Foto: Fernando Luna)
Eine beeindruckende Karriere einer beeindruckenden Frau, die scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann. Wirklich nichts? Grau und eingefallen war ihr Gesicht am Montag, als sie erklärte, "das Dach des Konferenzzentrums hat einwandfrei standgehalten". Über Durban war in der Nacht vor der Klimakonferenz ein Unwetter hinweggefegt, die ganze Nacht über waren sie und ihr Team damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Und dann passiert es plötzlich, dass Christiana Figueres am Nachmittag ein anderes Kleid trägt, als am Vormittag. Ein Hinweis darauf, wie schweißtreibend ihr Job sein muss - im gekühlten Konferenzzentrum.
aufgezeichnet von Nick Reimer
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Zehnter Verhandlungstag in Durban: Beim Kyoto-Protokoll und dem Green Climate Fund liegen die Optionen nun auf dem Tisch, die heiße Phase der Entscheidungen beginnt. Warum Durban weiter ist als Kopenhagen und Cancun zum selben Zeitpunkt und worauf es in den letzten beiden Verhandlungstagen hinauslaufen wird, erklärt Prof. Reimund Schwarze, Experte für Klimapolitik, im Interview mit klimaretter.info.
Elfter Verhandlungstag: Mit einer spektakulären Pressekonferenz erhöht die EU den Druck für ihre Forderungen. Ab sofort vertreten 120 Staaten das Zwei-Grad-Ziel, eine zweite Verpflichtungsperiode zum Kyoto-Protokoll und drittens ein Verhandlungsmandat für ein neues Klimaabkommen, das alle Staaten mit Reduktionspflichten belegt. Kanada und Brasilien geben nach, die USA billigen den "Green Climate Fund".
Durban am Samstagmorgen: Die EU hat in der Nacht hart verhandelt und einen besseren Verhandlungstext erzielt. Demnach wird es doch eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls sowie ein Verhandlungs-Mandat geben, um bis 2015 ein Post-Kyoto-Klimaregime aufzubauen. Ob diese substanzielle Verbesserung aber tatsächlich auch beschlossen wird, ist weiter ungewiss. Die USA und Indien mauern.
Die Verhandlungen sind schleppend, aber immerhin liegt mehr Konkretes auf dem Tisch der Klimadiplomaten als seinerzeit in Kopenhagen, urteilt Ferrial Adam von Greenpeace. Im Interview mit klimaretter.info warnt sie, dass eine Verzögerung des Green Climate Fund umso teurer wird.
Der Chef-Klimabeauftragte der USA Todd Stern erteilt großen Erfolgen auf dem nächsten Weltklimagipfel eine Absage. Major Economies Forum in Brüssel dämpft Erwartungen an die COP17 in Südafrika.
Am Rhein beginnt heute die Frühjahrstagung der UN-Klimadiplomatie. Eigentlich ein Routinetermin, aber dieses Jahr ist alles anders. Nach dem Scheitern von Kopenhagen hat die Tagung erstmals nicht mehr das offizielle Ziel, zu einem Abkommen zu finden.
Die Verpressung von Kohlendioxid im Untergrund (CCS) wird in den CDM-Handel einbezogen. So sieht es jedenfalls das aktuelle Verhandlungsdokument in Durban vor. Beobachter rechnen nicht damit, dass es hier noch zu Veränderungen kommt. Die fossilen Industrien tragen den Sieg davon, das Risiko gravierender Schäden tragen die Entwicklungsländer.
Verhandeln, verhandeln, verhandeln: In Durban ist kein Ende der Klimakonferenz abzusehen. Am Abend hat immerhin wieder eine Plenarsitzung begonnen, auf der die Kompromisse dekliniert werden sollen. Allerdings sind die ersten Minister schon abgereist, und das Konferenz-Zentrum wird Stück für Stück demontiert. Die südafrikanische Präsidentschaft appelliert an die Parteien, die Sache doch noch zu einem guten Ende zu bringen.
Woche 1 der Klimaverhandlungen in Südafrika geht zu Ende: Alle blockieren sich gegenseitig, Eigeninteressen siegen über Klimaschutz. Weder beim Kyoto-Protokoll noch dem Green Climate Fund geht es voran. Und deshalb auch nicht bei allen anderen Themen. Als letzte Rettung schlägt Südafrikas Konferenzpräsidentin einen alten Brauch vor: Die Versammlung der Weisen - die Indaba - soll die Blockaden lösen.
Umsetzung eines Cancún-Beschlusses: Komitee für Gründung des Fonds eingeleitet
In Panama treffen sich Regierungsvertreter zu letzten Vorbereitungen für die Klimakonferenz in Durban
Letztes Treffen vor der entscheidenden Klimakonferenz in Durban: Klimagipfel endet mit lauen Signalen. Und dann kommen nun auch noch die Klimadiplomaten, und wollen Geld, viel Geld.
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