DAS WAR 2009 - 9. Januar: Die Kohlekraftwerksverhinderung beginnt

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Was hatte man der Öffentlichkeit nicht eingeschärft, eingetrichtert gar: "Wir brauchen neue Kohlekraftwerke, damit die alten vom Netz gehen!" Oder: "Damit es keine Stromlücke gibt!"

Das Volk ist klüger. Und blies zum Angriff auf die Klimakiller. Mit Erfolg: 2009 wird als das Jahr der Kohlekraftwerksverhinderungen in die Geschichte der deutschen Klimabewegung eingehen. Den Anfang machten am 9. Januar die Bürgerinitiativen im Alten Land, die ein 800-Megawatt-Kohlekraftwerk wegklagten. Kurz danach sagte Evonik sein Kraftwerksprojekt in Herne ab. Auch in Berlin nimmt Vattenfall im März nach heftigen Protesten Abstand von dem Plan, im Stadtteil Lichtenberg einen Kohlemeiler zu errichten.

Ein einfacher Bauer macht im Spätsommer dem Stromgigangen einen Strich durch die Rechnung - dank seiner Klage steht seitdem das halbfertige Kraftwerk in Datteln auf der Kippe (woraufhin die schwarz-gelbe Kohlekoalition in Düsseldorf hektisch Gesetze umschreibt).

Danach folgt ein Baustopp auf der Ingelheimer Aue in Mainz/Wiesbaden, im August kommt dem Investor KMW die britische Bank abhanden, die wesentliches Fremdkapital für den Bau zur Verfügung stellen sollte. Im Oktober ist der Protest gegen den dänischen Energiekonzern Dong Energy erfolgreich, der sein Kraftwerksprojekte Emden absagt.

Und im Dezember ging es dann Schlag auf Schlag: Dong bläst seine Pläne für das Kohlekraftwerk Lubmin bei Greifswald ab. EnBW steigt aus dem Kraftwerksprojekt in Dörpen aus, das damit vom Tisch ist.

Auch das 911-MW-Steinkohlekraftwerk "Block 9" in Mannheim könnte noch scheitern, das hofft zumindest der BUND Baden-Württemberg. In einer mehr als hundert Seiten starken Klageschrift gegen die im Juli ergangene Genehmigung rechnen die Anwälte des Verbandes vor, dass die Dreckschleuder nicht mit der Mannheimer Umweltzone kompatibel sei.

In Stade verlassen Abgeordnete die SPD- und CDU-Fraktion, um eine neue Bürgerfraktion gegen Kohlekraftwerke zu begründen. In Stade stehen noch zwei weitere Kohlekraftwerke zur Planung an. Und in Arneburg (Sachsen-Anhalt) wird bei der Kommunalwahl die Wählervereinigung gegen das Kohlekraftwerk von RWE aus dem Stand zweitstärkste Kraft.

Da sage noch einer, Widerstand lohnt sich nicht ...

FOTO: Greenpeace/Ulrich Baatz


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