E-Autos brauchen Recycling

BildWenn die Elektroauto-Produktion richtig anläuft, könnten Lithium, Kobalt und Graphit zumindest zeitweilig knapp werden. Eine Studie zeigt, wie das Recycling von Autobatterien vorangetrieben werden kann – und mahnt Sparsamkeit mit den Rohstoffen an.

Aus Berlin Susanne Schwarz

Werden so viele Elektroautos gebaut wie klimapolitisch notwendig, muss die Welt sparsamer mit ihren Rohstoffen umgehen, hat das Freiburger Öko-Institut im Auftrag der Denkfabrik Agora Verkehrswende errechnet. Auch wenn die Rohstoffvorkommen insgesamt ausreichen werden, könnten Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Graphit mitunter knapp und entsprechend teuer werden.

BildE-Autos gelten als Schlüsseltechnologie der Verkehrswende. (Foto: Eva Mahnke)

Durch die in E-Autos verbauten Batterien wird die Nachfrage nach manchen Rohstoffen dem Öko-Institut zufolge um das Fünfzehnfache steigen. "Die Rohstoffsicherung ist kein Showstopper für die Elektromobilität, aber sie darf auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden", sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Um Probleme zu vermeiden, muss dem Öko-Institut zufolge vor allem mehr recycelt werden. Dafür fordert Agora Energiewende die Weiterentwicklung der europäischen Batterierichtlinie sowie den Aufbau eines weltweiten Recyclingsystems für Lithium-Ionen-Batterien. Außerdem müssten Rohstoffe von vornherein gespart werden. "Um vor unliebsamen Überraschungen gewappnet zu sein, sollten wir wo immer es geht die Nachfrage nach Primärrohstoffen dämpfen", meint Matthias Buchert vom Öko-Institut.

Verkehrswende heißt auch: weniger Autos

Noch etwas muss sich der Agora Verkehrswende zufolge ändern, damit das E-Auto zum Erfolgsmodell werden kann: die Umwelt- und Sozialstandards bei der Förderung der Rohstoffe. Das gelte besonders bei der Kobalt-Förderung in Kongo, die bekanntermaßen mit schweren Menschenrechtsverletzungen einhergeht.

Hochfeld führt nicht nur ethische Gründe an: "Ambitionierte Umwelt- und Sozialstandards sind eine wesentliche Voraussetzung für die wachsende Akzeptanz der Elektromobilität – vor allem weil sie als zentrale Umwelt- und Klimatechnologie glaubhaft sein muss", sagt er.

E-Autos gelten als Schlüsseltechnologie zum klimafreundlichen Verkehr, vor allem, wenn sie mit Ökostrom "getankt" werden. Verbrenner- durch E-Motoren auszutauschen reicht aber wohl nicht aus. Zu diesem Ergebnis war im August ein Team von Energie-, Verkehrs- und Politikwissenschaftlern des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie gekommen. Die Forscher hatten durchgerechnet, was nötig wäre, um den Verkehrssektor bis 2030 emissionsfrei zu gestalten.

BildMit der Verkehrswende könnten bestimmte Rohstoffe zumindest zeitweise knapp und teuer werden. (Foto: Werner Hillebrand-Hansen/​Flickr)

"Wir müssen dort, wo es möglich ist, Personen- und Güterverkehr reduzieren und auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bus und Bahn umsteigen", schreiben die Forscher um Raumplaner Frederic Rudolph. In ihrem Szenario für 2035 nehmen sie an, dass sehr viel weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen und Sharing-Angebote stärker genutzt werden. Bislang ist der Verkehr der einzige Sektor, in dem die Treibhausgasemissionen nicht gesunken sind.

Zum Dossier: E-Mobilität – Verkehr unter Stromladestation

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