Auf dem Weg in die Plus-vier-Grad-Welt
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur von klimaretter.info, über die Ergebnisse von Doha:
Doha ist nicht gescheitert, aber es ist ein Flop. Mehrfach stand der Klima-Gipfel vor dem Exitus. Das Ergebnis, das der katarische Konfenzpräsident am Ende durchhämmerte, ist unterirdisch schwach. Sicher ist nur eines: Dem Weltklima, das derzeit durch sogar beschleunigt ansteigende Treibhausgas-Frachten destabilisiert wird, hilft das alles nicht.
Es wird immer klarer: Das aktuelle Jahrzehnt droht für den Klimaschutz verloren zu gehen.
Die internationale Klimadiplomatie hat sich von dem Desaster des Kopenhagen-Gipfels 2009 nicht erholt. Damals wollte die Weltgemeinschaft einen neuen globalen Klimavertrag verabschieden, um das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu ersetzen. Nicht nur die Industriestaaten sollten zur Begrenzung ihres CO2-Ausstoßes verpflichtet werden, sondern auch die Schwellenländer wie China, Südafrika und Brasilien, die inzwischen kräftig zum menschengemachten Treibhauseffekt beitragen. Der Versuch scheiterte damals grandios.
Seither arbeitet der diplomatische Reparaturtrupp nur noch daran, den Kyoto-Verhandlungsstrang nicht abreißen zu lassen. Schön, dass wir geredet haben, heißt es jedes Jahr nach den Gipfeln im Herbst.
Erst 2020 soll nun der neue Klimavertrag in Kraft treten, der bis 2015 verhandelt sein soll. Im vorigen Jahr, bei der Konferenz im südafrikanischen Durban, hat man sich darauf geeinigt. Damals feierte man das noch als Durchbruch. Jetzt, nach Doha, weiß man: Es war wie die Selbsttäuschung des Alkoholikers, der sagt: Nächste Woche höre ich mit dem Saufen auf. Und dann immer wieder die nächste Woche meint.
In Durban hatte eine Allianz aus EU und den besonders vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern den Deal für das neue Protokoll herausgeholt. Zusammen waren es 120 Länder, die Mehrheit der knapp 200 Staaten der Welt. Sie erzeugten so viel Druck, dass sogar die notorischen Klimaschutzbremser wie die USA, Kanada, China und Russland notgedrungen mitmachten.
Doch diesmal fiel die Allianz wieder auseinander. Schuld war die EU, die, gebeutelt von Euro-Krise und politischer Willensschwäche, die Vorreiter-Position aufgab. Die Europäische Union, die früher immer der Gipfel-Antreiber war, verfiel in Selbstgerechtigkeit. Vor allem die Weigerung, ihr CO2-Reduktionsziel für 2020 von 20 auf 30 Prozent anzuheben, signalisierte dem Rest der Welt: Die Europäer halten den Klimaschutz inzwischen für nebensächlich. Damit war die Luft heraus.

"Auch wir sind wichtig": Mit Schildern wie diesem forderten in Doha junge Leute ihr Recht auf eine sichere und lebenswerte Zukunft ein. (Foto: iisd.ca)
Eine neue Allianz, die die Gipfel wieder flottmachen könnte, ist nicht in Sicht. Die Menschheit ist trotz – besser: wegen – Doha, auf dem Weg in die Vier-Grad-Welt.
Die Zeichen mehren sich, dass sich die Klimakrise zuzuspitzen beginnt. Hitzewellen nehmen zu, das Arktis-Eis schmilzt beschleunigt, der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. Die politisch kritische Schwelle wird zwar früher oder später überschritten werden, Klimagipfel werden dann dramatische Maßnahmen beschließen, die sich heute kaum jemand vorstellen kann. Doch bis dahin wird man alljährlich im Spätherbst auf einer Riesen-Konferenz das Herumrücken der Titanic-Stühle besichtigen können.

Alle Beiträge zur COP18 in Katar finden Sie in unserem Doha-Dossier
Meinungen und Analysen in der Rubrik "Was Doha wert ist"
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Poznań Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13



Die Bilanz von Doha ist – bestenfalls – ambivalent. Zwar ist nun der Weg frei, um bis zum Jahr 2015 einen Weltklimavertrag auszuarbeiten, der erstmals alle Länder mit verbindlichen Emissionszielen belegt. Wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Erderwärmung wurden indes nicht beschlossen. Noch immer fehlt der internationalen Staatengemeinschaft das Verständnis für die Dringlichkeit der Klimakrise. Doch das kann und wird nicht so bleiben. Teil 2 der Serie 'Was Doha wert ist'
COP 18: Eine Konferenz, ein Thema, aber fünf verschiedene Verhandlungsstränge. klimaretter.info fasst für Sie zusammen, was auf der Klimakonferenz in Katar in diesem Jahr eigentlich passiert. Und beurteilt, wie die Chancen auf einen Erfolg sind.
Der Petersberger Dialog ist beendet. Zwei Tage lang haben Minister aus 35 Staaten in Berlin darüber diskutiert, wie es in Hinblick auf den kommenden UN-Klimagipfel Ende November in Katar mit dem internationalen Klimaschutz weitergehen soll. Die Veranstaltung sei "konstruktiv und offen" verlaufen, findet Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Nun komme es darauf an, diesen Geist an den kommenden Vorbereitungsgipfel in Bangkok Ende August weiterzugeben.
Tag 9 der Weltklimakonferenz: Noch immer suchen die Diplomaten nach einer Vorlage, über die sich die Minister beugen können, um zu entscheiden. Immerhin sorgten am Mittwoch Finanzzusagen reicher Europäer für etwas Bewegung. Acht Milliarden Dollar liegen jetzt auf dem Tisch.
Nie stand es schlechter zum Beginn eines Ministertreffens auf einem Weltklimagipfels als derzeit in Doha. Der UN-Prozess läuft Gefahr, sich bis zum Samstag selbst die Legitimität zu entziehen.
Heute beginnt in Bangkok die letzte Vorbereitungskonferenz für die Klimaverhandlungen Ende des Jahres in Doha. Trotz des - relativen - Erfolgs in Durban 2011 ist die Ausgangslage denkbar schwierig. Zuerst müssen die Scherben von dem Mai-Treffen in Bonn aufgekehrt werden, bevor es an die ganz großen Themen geht: Kyoto Zwei und die künftige Klimafinanzierung.
Bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn haben die Länder zwei Wochen gebraucht, um sich auf die Agenda zu einigen. Manche Entwicklungsländer haben noch Schwierigkeiten mit der Idee, dass nicht nur die Industriestaaten zu einer Begrenzung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet sind.
Der Weltklimagipfel in Doha offenbart das Systemversagen des Kapitalismus, sagt die linke Europa-Parlamentarierin Sabine Wils. Anstatt für die wirklich wichtigen Probleme – Anstieg des Meeresspiegels, Technologietransfer, Klimagerechtigkeit – nach Lösungen zu suchen, wird um "heiße Luft", viel zu niedrige Reduktionsziele und nicht funktionierende Marktmechanismen geschachert.
Der jüngste Klimagipfel in Doha war der Auftakt für drei heiße Jahre der internationalen Klimadebatte. Dabei ist vor allem die EU als überzeugende Vorreiterin gefragt. Teil 6 der Serie 'Was Doha wert ist'
Die Politik hat ihre Verantwortung für den Klimaschutz schon lange bei ihren Beamten und Chefunterhändlern abgegeben. Das muss sich ändern, meint Professor Lutz Wicke und fordert Führungsstärke von seinem Parteifreund, Umweltminister Peter Altmaier.
Campact und Klima-Allianz fordern Umweltminister Altmaier beim Abflug zum Klimagipfel auf, nicht vor der fossilen Lobby einzuknicken
Weltmeteorologie-Organisation: Klimawandel ist längst sichtbar
Wo ist Altmaier? Was wird aus seiner Ankündigung, eine Verschärfung des europäischen CO2-Einsparziels von 20 auf 30 Prozent durchsetzen zu wollen – und zwar notfalls auch ohne Polen? Hat Altmaier Doha bereits aufgegeben? Und wie steht es mit einer neuen Allianz der Energiewende-Länder?
Besiedelt, sicher, reich und technologisch in der Spitzengruppe: Es gibt kaum eine Region auf der Welt, die prädestinierter wäre, die Erneuerbaren – speziell die Sonnenkraft – voranzubringen. Jetzt zeigt ein Report der "International Renewable Energy Agency": Keine Region auf der Welt ist desinteressierter als die Arabische Halbinsel.
Tag 8 der Weltklimakonferenz. Stabsübergabe bei den Klimaverhandlungen in Doha: Statt der Klimadiplomaten verhandeln ab dem heutigen Mittwoch die Minister. Aber viel zu verhandeln haben sie derzeit nicht, es gibt kaum Kompromissvorschläge, dafür aber viele offene Punkte. Derweil machen Gerüchte die Runde, was die verschiedenen Minister wohl ankündigen werden, um die Blockaden wieder aufzulösen.

