Einen Nobelpreis für James Hansen!
James Hansen von der NASA hat es wieder getan! Wenn einem Mann der neu zu schaffende Klima-Nobelpreis zustehen würde, dann ihm. Hansen war derjenige, der im Jahr 1988 die Klimapolitik überhaupt erst ins Rollen brachte - mit einer Sachverständigenaussage vor dem Kongress der USA.
Hansen war vom Kongress gebeten worden, die Wetterkapriolen des vergangenen Jahres zu erklären. Dabei machte er eine historische Bemerkung: Er sei zu 99 Prozent sicher, dass es eine langfristige Klimaerwärmung gebe und dass die Treibhausgase dafür verantwortlich seien. Damals galt er als Radikaler. Heute gilt er als Wegbereiter und was folgte ist Geschichte und Schulwissen: Gründung des Weltklimarates IPCC, Verhandlungen für eine Klimakonvention, Kyoto-Protokoll - alles damals noch unter US-amerikanischer Führung.
Jetzt hat Hansen mit ein paar KollegInnen ein neues Papier geschrieben -
und stellt die Welt wieder auf den Kopf. Seiner Ansicht nach haben die Konzentrationen von Treibhausgasen in unserer Atmosphäre den gefährlichen Punkt bereits überschritten: Wir sind jetzt bei 385ppm angelangt - die Maßeinheit ist parts per million, also 385 Teile Kohlendioxid in einer Million Atmosphärenteilchen. Landauf, landab hört man von Umweltverbänden und mittlerweile auch Politikern, dieser Anteil dürfe 450 ppm nicht überschreiten, um die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur unter 2 Grad Celsius zu halten. Oberhalb von 2 Grad - warnt die Wissenschaft - sei das Problem der Klimaerwärmung nicht mehr beherrschbar.
Hansen behauptet nun, mit 450 ppm sei das 2 Grad-Ziel nicht zu erreichen, weil die Empfindlichkeit des Klimasystems nicht richtig berechnet worden sei: Wenn man die Rückkoppelungssysteme mit in die Rechnung nehme, vor allem die Veränderungen der Eisdecken am Nord- und Südpol, dann sei das System doppelt so sensibel wie gedacht. Seine radikale Forderung: Wir müssen die Kohlendioxid-Konzentrationauf 350ppm zurückfahren, also wieder unter den heutigen Wert drücken. Starker Tobak - wo bisher nicht einmal klar ist, ob wir die 450ppm überhaupt noch einhalten können.
Seine Forderung: Raus aus der Kohle bis 2030 - zumindest darf es danach keine Kohlekraftwerke mit CO2-Emissionen mehr geben. Das bedeutet faktisch ein Moratorium für deren Bau, denn dass die Speichertechnik - das sogenannte "CCS" - funktioniert, ist noch nicht bewiesen (und wir müssen bis zum Gegenbeweis so tun, als ob die Technologie nicht funktioniert damit wir keine böse Überraschung erleben...). Das bedeutet: Kohleausstieg jetzt! Ein Kraftwerk nach dem anderen abschalten, das letzte 2030. Dazu eine Änderung von Land- und Forstwirtschaft, um möglichst viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu holen - Holz und Boden speichern bekanntlich Kohlendioxid.
Wie gesagt - damals galt Hansen als Radikaler. Heute auch. Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, dass er vermutlich wieder Recht hat. Wir dürfen nur diesmal nicht wieder so lange warten, bis wir ihm glauben.
Dr. Hermann E. Ott ist Klimaexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
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