Klimagerechtigkeit und Beuteltiere
Zwei Wochen soll ist Kopenhagen das Mekka der internationalen Aktivistenszene sein. Viel zu spüren war davon am ersten Tag allerdings noch nicht. Im Klimaforum 09, dass sich als "Gegengipfel" zu den offiziellen UN-Verhandlungen versteht, waren am Nachmittag nur wenige Protestler und Aktivisten unterwegs. Etwas bunter ging es dafür vor dem Haupteingang des UN-Konferenzzentrums zu
Vom alternativen Klimagipfel LARS DITTMER
"Komm schon Australien! Fünf Prozent Emissionsminderung, das ist ein Witz!", rufen Mithra Cox und ihre Gefährten vor dem Bella Center, dem UN-Konferenzgebäude in Kopenhagen. Hier ging am Montag der Klimagipfel in die erste Woche - mit einer langen Schlange vor dem Haupteingang des UN-Konferenzzentrums. Dort hatten es sich auch die Aktivisten aus Down Under bequem gemacht.
"Wir sind hier, um unserer Delegation gehörig auf den Geist zu gehen!" ruft Mithra weiter und schwenkt ein Gummikänguruh. Nö, für eine Organisation seien sie nicht hier - sondern im Urlaub. Ihre Erwartungen für Kopenhagen? "Es wird nicht so gut wie es sein müsste, aber es ist vieles möglich", sagt sie. "Wir hoffen auf jeden Fall, dass es eine faire Einigung geben wird."
Taugen nix - die australischen Klimaziele. Mithra Cox und ihr Känguruh.(Foto: Dittmer)
In die gleiche Kerbe schlugen auch die Climate Debt Agents, auf Deutsch: "Klimaschuldagenten". Auch sie haben sich vor dem Bella-Center aufgebaut und skandieren ihre Parolen im Chor. Sonnenbebrillt und in coolen rot-schwarzen Anzügen fordern sie eine Rückzahlung der Klimaschulden der Industriestaaten an die Länder des globalen Südens.
Dies werde teuer, aber schließlich seien die Industriestaaten für 80 Prozent aller Kohlendioxidemissionen verantwortlich, sagt Anne-Kirstine Klitmark, die der Gruppe angehört. Rund 200 Milliarden US-Dollar bis 2020 müsse man für Klimagerechtigkeit abstottern.
Die Aktivisten, die dem dänischen "Actionaid"-Netzwerk angehören, haben weitere Aktionen für den Verlauf des Gipfels geplant. So habe man einen Stand bei dem "Hopenhagen"-Festival am Kopenhagener Rathausplatz, wo ein buntes Klimaschutzrahmenprogramm die Gipfelaktivitäten begleitet. "Wir hoffen, dass die Ergebnisse des Gipfels zumindest besser werden als erwartet", sagt Anne-Kirstine, bevor sie sich wieder ihre Sonnenbrille aufsetzt.
Ruhe vor dem Sturm auf dem Gegengipfel
So bunt und laut es zum Einlass vor dem Bella Center vor den Toren der Stadt zugeht, so ruhig und beschaulich ließ man es am Nachmittag noch vor dem Klimaforum in der Nähe des Kopenhagener Hauptbahnhofs angehen, das sich als "Gegengipfel" zu den UN-Verhandlungen versteht. Hier soll mit einem breitgefächerten zweiwöchigen Programm – Gesprächsrunden, Filme, Veranstaltungen und vieles mehr – Aktivisten- und Protestszene angesprochen werden.

Klimaschulden bezahlen - fordern die Climate Dept Agents vor dem UN-Konferenzzentrum. (Foto: Messina)
Einzug gehalten hatte der Geist des Protests hier vor der großen Eröffnungsveranstaltung am Abend jedoch noch nicht: Nur gelegentlich liefen kleinere Aktivistengruppen in das weitläufige Konferenz-Center, wo vereinzelt hinter Laptop geklemmte Journalisten an langen Tischgarnituren hockten. "Ich war auf vielen UN-Gipfeln, aber das ist mit Abstand der hässlichste Empfang, in dem ich jemals saß," so Altaktivistin und Grünen-Mitbegründerin Eva Quistorp, die lautstark im Foyer parlavert. "Das ist neoliberaler Yuppiestil, kein bisschen Öko-Atmosphäre."
Auch sie treibt die Hoffnung auf Klimagerechtigkeit von Berlin nach Kopenhagen. "Da läuft allerdings sehr viel falsch. Man darf nicht nur immer die technokratischen Eliten des Südens finanziell päppeln."
Stattdessen müsse auch beim Thema Anpassungsfonds und Technologietransfer darauf geachtet werden, dass die Stimmen der unterpriveligierten gesellschaftlichen Gruppen, wie der Frauen, gehört werden. Sie wolle dazu mit ihrem Gender Climate Network auch im Bella Center beitragen. Die Stimmung hier finde sie allerdings bisher beklagenswert. "Aber na ja, es fängt ja erst richtig an."
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