Kein Witz: Autokonzerne sponsern Klimagipfel
Ein Text
aus unserem Blog
Als "wichtigste Konferenz seit dem zweiten Weltkrieg" hat der britische
Regierungsberater Sir Nicholas Stern den UN-Klimagipfel in Kopenhagen
bezeichnet. Für Mark Grundy ist es "die weltgrößte Gelegenheit fürs
Klimamarketing in den nächsten vier Jahren - mindestens". Grundy ist
PR-Berater bei der weltweit agierenden Agentur Edelman, und bereits im Oktober 2008 riet er seinen Kunden, in Kopenhagen präsent zu sein, um im "grünen Image-Krieg" zu punkten.
Neben den Delegierten von 192 Ländern werden sich also heute ab heute in Kopenhagen nicht nur Tausende von Journalisten und Umweltschützer tummeln, sondern auch Heerscharen von Wirtschaftslobbyisten. Einige Firmen dürfen sich mit dem offiziellen Titel "Sponsor" schmücken: Darunter sind so umstrittene Firmen wie die US-amerikanische PR-Agentur Hill&Knowlton - das Unternehmen war beispielsweise seit den1950-er Jahren daran beteiligt, im Auftrag der Tabakindustrie Zweifel an der Gesundheitsgefährdung durch Rauchen zu säen; in Deutschland stand die Agentur unter anderem im Dienste des Energieriesen Vattenfall und bekam 2005 einen PR-Preis dafür, bei der Aufweichung strenger Klimaauflagen für Kohlekraftwerke mitgewirkt zu haben.
Auch die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Volvo und Honda stehen auf der Liste der Sponsoren. Was sie dafür tun müssen? Ganz einfach, sie brauchten dem Gastgeber, dem dänischen Außenministerium, bloß ein paar Limousinen zur Verfügung stellen.
Natürlich fahren Marketingprofis nicht irgendwelche Fahrzeuge bei einer Klimakonferenz auf. Vielmehr repräsentieren die Autos „eine breite Spanne der Wege, wie die Sponsoren die Klima-Herausforderung angehen“, so die Konferenzwebsite. Die Volvos zum Beispiel werden mit Stroh-Sprit betankt, der aus einer gerade fertig gestellten Fabrik für Bioethanol der zweiten Generation nahe Kopenhagen stammt. Honda spendiert sein Hybridauto "Insight", und BMW führt seinen "Hydrogen 7" vor (den der Spiegel einmal einen "grünen Schluckspecht" nannte - und den neuesten Meldungen zufolge nun auch der Konzern selbst als Sackgasse erkannte). Mercedes schließlich hat Brennstoffzellen-Fahrzeuge nach Kopenhagen bringen lassen, die an der jüngst eröffneten ersten Wasserstoff-Tankstelle Dänemarks tanken – und darüber hinaus zehn Mercedes-Benz S 420 CDI Guard, „das erste in Serie produzierte gepanzerte Auto mit Dieselmotor“ (280 Gramm CO2/Kilometer).
Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen bemüht sich die dänische Regierung, den Gipfel so „grün“ wie möglich zu gestalten. Doch, so heißt es, bei der Auswahl von Fahrzeugen, die den Sicherheitsstandards der Staatsgäste entsprächen, seien dem Gastgeber weitgehend die Hände gebunden gewesen.
Wirkliche Klimaschützer sind die vier Autokonzerne jedenfalls nicht. Im wahren Leben, also jenseits ihrer Vorzeigelimousinen, ist die Klimabilanz nämlich lausig. Mercedes-Neuwagen beispielsweise stoßen (im Durchschnitt der 2008 in Deutschland verkauften Neuwagen) satte 188,7 Gramm CO2 pro Kilometer aus, bei Volvo sind es 186,6 Gramm. BMW kommt immerhin auf 160,2 Gramm, Honda liegt bei 154 Gramm. Bei der Erfüllung ihres vor gut zehn Jahren selbstgesetzten Zieles, nämlich bis 2008 den Ausstoß ihrer gesamten Neuwagenflotte auf 140 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken, haben sie alle versagt.
Mit der gleichen Logik könnte sich die Weltgesundheitsorganisation WHO von Tabakriesen sponsern lassen – sofern diese auch ein paar Light-Zigaretten im Programm haben.
Viele weitere Fälle von Grünfärberei gibt es laufend
in unserem Blog "Klima-Lügendetektor"
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