"Climategate": Klimaforscher lässt Amt ruhen
Der Direktor der "Climate Research Unit" (CFU) an der University of East Anglia in Norwich, Phil Jones, lässt vorübergehend sein Amt ruhen. Der weltbekannte Klimaforscher reagiert damit auf die Diskussion um 1073 interne E-Mails aus den vergangenen 13 Jahren, die Mitte November offenbar von Hackern veröffentlicht wurden. Der Schritt, so Jones in einer Erklärung auf der Universitätswebsite, solle eine "unabhängige Untersuchung" von Vorwürfen erleichtern, die Klimaforscher hätten Daten gefälscht. Die Untersuchung wird von Sir Muir Russell geleitet, dem ehemaligen Rektor der Universität Glasgow, teilte die Universität mit.

Anhaltende Dürre in Bolivien - Es gibt keinen Grund am Klimawandel zu zweifeln. (Foto: Treblin)
Die E-Mails haben vor allem unter Klima"skeptikern" und -leugnern für Furore gesorgt, in Anlehnung an den Watergate-Skandal von US-Präsident Nixon sprechen sie von einem "Climate-Gate". Sie deuten einzelne Zitate aus dem umfangreichen Datenfundus als Beleg für die Manipulation von Klimadaten und die bewusste Unterdrückung abweichender Meinungen durch renommierte Forscher.
Jones weist diesen Verdacht als "kompletten Blödsinn" zurück. Auch seriöse Medien, die sich mit dem Thema befassen, sehen keine Anhaltspunkte für Fälschungen. Die Süddeutsche Zeitung etwa spricht von "wilden Behauptungen" und einer "Schlammschlacht". George Monbiot, Kolumnist beim britischen Guardian, sieht ebenfalls keinen Grund für Zweifel an der Integrität der Wissenschaftler - durch unglückliches Agieren hätten sie aber nun ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Die Mails zeigen vor allem, wie Klimaforscher mit Anfragen von Klima"skeptikern" bombardiert werden, wieviel Zeit sie damit verbringen und dass sie dabei gelegentlich die Contenance verlieren.
Nature: "E-Mails rütteln nicht am Fakt des Klimawandel"
Im Leitartikel ihrer aktuellen Ausgabe setzt sich die Fachzeitschrift Nature ausführlich mit der "Affäre" auseinander: "Nichts in den E-Mails rüttelt an dem wissenschaftlichen Fakt, dass die Erderwärmung real ist - und menschliche Aktivitäten mit höchster Wahrscheinlichkeit ('almost certainly') der Grund dafür ist."
Die Verschwörungstheorien der Klimaleugner würden durch die Mails nicht gestützt, so Nature. Zwar sei in einigen der Nachrichten erörtert worden, ob man bestimmte Aufsätze aus dem 2007er Bericht des Weltklimarates IPCC heraushalten könne - was in der Leugnerszene triumphierend als Beweis für unlautere Methoden hervorgehoben wird. "Was auch immer die E-Mail-Schreiber zueinander in (vermeintlicher) Vertraulichkeit gesagt haben, ausschlaggebend sind ihre Taten. Und Fakt ist, dass am Ende weder sie noch der IPCC irgendetwas unterdrückt haben. Als der Report 2007 erschien, wurden die umstrittenen Aufsätze darin erwähnt und diskutiert."
Aus gegebenen Anlass ein Lesetipp: Auf dem US-amerikanischen ScienceBlog gibt es eine detaillierte Anleitung zum Umgang mit Klima"skeptikern" - "How to talk to a sceptic" (leider nur auf Englisch)
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