Etikettenschwindel mit dem Klima
Verbraucherschützer haben den irreführenden Umgang mit Prädikaten wie "klimafreundlich" in der Werbung kritisiert. Hintergrund ist eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS infratest, die ergab, dass die Labels "klimafreundlich" oder "klimaneutral" falsche Vorstellungen bei den Kunden weckten. Es müsse daher verbindliche Standards geben, fordert der Bundesverband Verbraucherzentrale.
"Die Begriffe vermitteln den Eindruck, dass in der Herstellung oder Bedienung der Produkte weniger oder gar kein CO2 entsteht," sagte Gerd Billen, der Vorstand des Bundesverbands. So glaubten 23 Prozent der Befragten, dass ein als "klimaneutral" bezeichnetes Produkt das Klima gar nicht belaste. Jeder Zehnte meinte gar, dies träfe auch bei dem Label "klimafreundlich" zu. Befragt wurden 1.100 Verbraucher.
Die Realität sehe allerdings anders aus, kritisieren die Verbraucherschützer. So werde ein Produkt handesüblich als "klimaneutral" deklariert, wenn ein Teil der Einnahmen in Klimakompensations-Maßnahmen wie Aufforstung flößen. Als "klimafreundlich" bezeichnen die Firmen ihre Ware hingegen schon, sobald sie im Ausstoß oder in ihrer Herstellung minimal unter dem marktüblichen Werten lägen.
Keines der Klima-Labels ist in irgendeiner Form geschützt – die vielen mit Bäumen oder Wolken versehenen Aufkleber können nach Belieben auch den größten Kohlendioxidsünden aufgedrückt werden. Aus Sicht der Industrie mit Erfolg: jeder Zehnte nennt, nach "klimafreundlichen" Produkten befragt, als erstes neue Autos. "Erforderlich sind verbindliche Standards für Werbung mit Klimaschutzargumenten", sagte Billen. Maßgeblich dabei müsse die Vermeidung, nicht die Kompensation von Treibhasgasen sein.
Anlässlich des UN-Klimagipfels in Kopenhagen fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband Bundeskanzlerin Merkel und die zuständigen Fachminister in einem Positionspapier auf, sich für ein emissionsfreies Wohlstandsmodell stark zu machen. "Die Bundesregierung muss sich für eine Reduktion der Treibhausgase bis 2050 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 einsetzen."
Mehr Infos auf der Kampagnenseite www.verbraucherfuersklima.de
Und noch ein Spezialist für Greenwashing: Klima-Mogelpackungen deckt regelmäßig auch unser Klima-Lügendetektor auf.
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