Vattenfall und Eon geben Stromnetze ab
Auf dem deutschen Strommarkt steht offenbar die größte Reform seit Jahrzehnten bevor: Nachdem gestern der Vattenfall-Aufsichtsrat einem Verkauf seines Hochspannungsnetzes in Ostdeutschland zugestimmt hat, ist sich offenbar auch Eon mit Investoren handelseinig. Mehr als die Hälfte der deutschen Hoch- und Höchstspannungsnetze würde damit künftig unabhängig organisiert - was die Zugangsvoraussetzung für neue Anbieter und auch für Ökostrom deutlich verbessern dürfte.
Zwanzigtausend Kilometer der deutschen Hauptverteilernetze sind künftig in unabhängiger Hand. (Foto: Reimer)
Bei Vattenfall war gestern die Entscheidung gefallen, das bisher von der Tochter Vattenfall Europe Transmission betriebene Verteilernetz in Ostdeutschland und Hamburg zu verkaufen. Ein Konsortium aus Allianz, Deutscher Bank und Goldman Sachs werde für die 9.500 Netzkilometer etwa 500 Millionen Euro zahlen, hieß es.
Dieselbe Investorengruppe steht laut einem Bericht der Financial Times Deutschland auch kurz vor der Übernahme des Eon-Netzes. "Die Öffentlichkeit wird darüber voraussichtlich in der kommenden Woche informiert", zitiert das Blatt einen Insider. Der Düsseldorfer Energieriese betreibt mehr als 10.000 Kilometer der deutschen Hauptverteilnetze, unter anderem in Niedersachsen und Bayern. Nach massivem Druck der EU-Kommission hatte Eon der Suche nach neuen Eigentümern im vergangenen Jahr zugestimmt.
RWE und EnBW hingegen weigern sich bislang, ihre Stromnetze ebenfalls abzugeben. Umwelt- und Verbraucherschützer, aber auch Wettbewerbshüter fordern seit langem, dass die vier Energieriesen, die mehr als 80 Prozent der deutschen Stromerzeugungskapazitäten besitzen, die Kontrolle an den Fernübertragungsnetzen abgeben sollen. Auch im schwarz-gelben Koalitionsvertrag wird eine unabhängige Netz AG favorisiert.
Den Stromriesen wurde und wird immer wieder vorgeworfen, durch Preisgestaltung und andere Mittel den Markteintritt von Konkurrenten, aber auch die Einspeisung von Ökostrom zu behindern. Außerdem führt die bisherige Aufteilung Deutschlands in vier unabhängige Regelzonen zu unnötigen Kosten. Die Energieunternehmen hatten sich häufig über niedrige Renditen im Netzgeschaft beklagt - die nun einsteigenden Finanzinvestoren aber freuen sich über zwar relativ bescheidene, dafür aber krisensichere Gewinne.
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