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Merkel ruft USA zu Reduktionszielen auf

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrer heutigen Ansprache für mehr Klimaschutzbemühungen der USA geworben. Es ist die erste Rede eines deutschen Regierungschefs seit Konrad Adenauer vor Repräsentantenhaus und Senat: Merkel räumte eine besondere Verantwortung der Industriestaaten beim Klimaschutz ein.

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Hier geht's zur Sache - das Kapitol in Washington (Foto: Bundesregierung.de)

"Ich bin überzeugt, wenn wir in Europa und Amerika zu verbindlichen Verpflichtungen bereit sind, dann werden wir auch China und Indien davon überzeugen können", sagte Merkel vor den Abgeordneten. Hier sei allerdings Eile geboten, da die globale Erwärmung zwei Grad nicht überschreiten dürfe. Bei allen Anstrengungen mahnte Merkel zur Einigkeit: "Wir brauchen eine Einigung bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen."

Das Klimagesetz der USA hängt nach wie vor im Senat fest - schon im Vorfeld hatte Merkel die US-Regierung zu einer ambitionierten Einigung aufgefordert. Zur Diskussion stand bisher eine 20-prozentige Reduktion der Emissionen bis 2020 – Basisjahr 2005. Auch Zusagen zur Unterstützung der Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel stehen noch aus. Nach China sind die Vereinigten Staaten der größte Kohlendioxid-Emittent der Welt.

Richtig ist allerdings auch, dass die Emissäre der Bundesregierung in Brüssel zuletzt auf die Bremse getreten haben. "Ich habe aus deutscher Sicht gewarnt, zu früh Zahlen auf den Tisch zu legen." Mit diesen Worten hatte der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen die EU-Klimaverhandlungen zur Frage beglückt, wie viel Geld Europa den Ländern des Südens als Wiedergutmachung ihrer Klimaschuld anbieten sollte. Die EU-Staaten tagten vor Wochenfrist in Luxemburg über das Finanzierungsangebot für den Klimaschutz in Entwicklungsländern - und bestimmten so den Pfad des Scheiterns. 

 

Wir dokumentieren hier die Klimapassage, aus der Rede der Kanzlerin:

Meine Damen und Herren,

dass globale Herausforderungen nur in umfassender internationaler Zusammenarbeit bewältigt werden können, zeigt sich auch an einer dritten Bewährungsprobe des 21. Jahrhunderts, an so etwas wie einer Mauer zwischen Gegenwart und Zukunft. Diese Mauer versperrt den Blick auf die Bedürfnisse kommender Generationen. Sie verhindert den dringend notwendigen Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und unseres Klimas.
 
Wohin dieser Verbrauch unserer Zukunft führt, können wir schon jetzt sehen: In der Arktis schmelzen Eisberge, in Afrika werden Menschen zu Flüchtlingen, weil ihre Umwelt zerstört wird, weltweit steigt der Meeresspiegel. Ich freue mich, dass Präsident Obama und Sie in Ihrer Arbeit dem Schutz unseres Klimas eine hohe Bedeutung beimessen. Wir alle wissen: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir brauchen eine Einigung auf der Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen. Wir brauchen eine Einigung auf ein Ziel: Die globale Erwärmung darf zwei Grad Celsius nicht überschreiten.
 
Dafür brauchen wir die Bereitschaft aller Länder, international verbindliche Verpflichtungen zu übernehmen. Wir können es uns nicht leisten, beim Klimaschutz von den wissenschaftlich gebotenen Zielen abzuweichen. Das wäre nicht nur ökologisch unverantwortlich. Es wäre auch technologisch kurzsichtig. Denn die Entwicklung neuer Technologien im Energiebereich bietet große Chancen auf Wachstum und zukünftige Arbeitsplätze.
 
Es besteht kein Zweifel: Die Welt schaut im Dezember auf uns, auf Europa und Amerika. Es ist wahr: Ohne Verpflichtungen Chinas und Indiens wird es nicht gehen. Aber ich bin davon überzeugt: Wenn wir in Europa und Amerika zu verbindlichen Verpflichtungen bereit sind, werden wir auch China und Indien davon überzeugen. Dann können wir in Kopenhagen die bestehende Mauer zwischen Gegenwart und Zukunft überwinden – im Interesse unserer Kinder und Enkel und im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung weltweit.
 
Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt: So wie wir im 20. Jahrhundert die Kraft hatten, eine Mauer aus Stacheldraht und Beton zu Fall zu bringen, so haben wir auch heute die Kraft, Mauern des 21. Jahrhunderts zu überwinden – Mauern in unseren Köpfen, Mauern eines kurzsichtigen Eigeninteresses, Mauern zwischen Gegenwart und Zukunft.

 

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