Kaiser, Faschisten, Stalinisten, "Die Linke"
Reimers kleine Zahlenkunde
Jene Partei, die sich „Die Linke" nennt, hat in Brandenburg vor Jahresfrist das Volksbegehren „Keine neuen Tagebaue" gestartet. Brandenburg ist der weltgrößte Braunkohleverstromer und Braunkohle ist der weltklimaschädlichste Energierohstoff. Hundert Jahre lang wurden Menschen in Brandenburg aus ihren Häusern verjagt, damit der Abraumbagger die Braunkohle heben kann - zuerst vom Kaiser, dann durch die Faschisten und später von den Stalinisten.
In dieser Linie sah die Partei „Die Linke" den schwedischen Staatskonzern Vattenfall: Kaiser, Faschisten, Stalinisten Vattenfall. Denn Vattenfall will in Brandenburg Dörfer abbaggern und neue Tagebaue erschließen, um auch nach 2030 mit Braunkohle noch Geld machen zu können. Und weil das natürlich ein grenzenloser Skandal ist, hat die Partei, die sich „Die Linke" nennt, vor einem Jahr das Volksbegehren „Keine neuen Tagebaue" mit initiiert.
Dummerweise ist das Volksbegehren wegen mangelnder Unterstützung gescheitert. (Man muss dazu sagen: Die Hürden in Brandenburg sind unverschämt hoch!) Deshalb ist die Linke angetreten, das Volksbegehren zur Landtagswahl zu stellen: „Keine neuen Tagebaue!" steht im Wahlprogramm der Partei, die sich am 27. September zur Volksabstimmung stellte.
Diesmal gab es für das „Volksbegehren" die notwendige Unterstützung: Vattenfall hatte in Regionen Brandenburgs mit Probebohrungen begonnen, die ermitteln sollen, wo das Kohlendioxid am besten unterirdisch verpresst werden kann. Plötzlich gingen auch Menschen auf die Barrikaden, die bis dato dachten: „Keine neuen Tagebaue" - mir doch egal, hier gibt es keine Braunkohle. (Aber eben das richtige Wirtsgestein, um unterm eigenen Haus ein Kohlendioxid-Endlager zu errichten).
Die Partei „Die Linke" bekam also beim Urnengang so viele Stimmen, dass Regieren ohne sie künftig kaum möglich ist. Das Volk Demos hat gesprochen: Endlich wird „Keine neuen Tagebaue" Realität!
Äh, Moment noch. Wer sagt denn das?
Kann ja sein, dass diese Partei ein Volksbegehren initiiert hat. Und klar, im Wahlprogramm steht das auch drinn. Aber jetzt ist man doch an der Regierung! Und egal, ob nun der Kaiser, die Faschisten oder diese „Die Linke" genannte Partei regiert: Braunkohle wird abgebaggert, komme was wolle. Das steht so im neuen Koalitionsvertrag. Am heutigen Donnerstag wurde der veröffentlicht.
Ab sofort also geht die Vertreibungs-, Klimazerstörungs- und Abbagger-Kette so:
Kaiser, Faschisten, Stalinisten, „Die Linke".
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins wir-klimaretter.de
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