Erneuerbare kosten künftig über 2 Cent pro kWh
Die Förderung der Erneuerbaren Energien wird im kommenden Jahr für die deutschen Stromverbraucher etwas teurer. Pro Kilowattstunde zahlen sie ab 1. Januar 2010 mit ihrer Stromrechnung eine Umlage von 2,047 Cent. Diese Zahl haben die Betreiber der deutschen Hoch- und Höchstspannungsnetze ermittelt. Bislang betrug die Umlage zwischen 1,1 und 1,4 Cent je Kilowattstunde - je nachdem, wieviel Erneuerbarer Strom der jeweilige Netzbetreiber aufnehmen musste. Die jetzige Berechnung hat erstmals nach einem völlig neuen, bundeseinheitlichen - und reichlich komplizierten - Modus stattgefunden.
Nach der letzten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sind die Netzbetreiber künftig nicht mehr dazu verpflichtet, den in ihrem Netzgebiet von Wind-, Solar- oder auch Biogasanlagen erzeugten Strom selbst abzunehmen und zu vergüten; sie müssen den Strom nun über die Strombörse in Leipzig an den allgemeinen Markt bringen. Auf der Basis der bereits bestehenden und für 2010 neu zu erwartenden EEG-Anlagen ermittelten die Netzbetreiber eine Menge von gut 90 Terawattstunden (TWh) Ökostrom, der im kommenden Jahr voraussichtlich produziert wird. Multipliziert mit den geltenden Vergütungssätzen laut EEG (sowie eigenen Kosten) ergibt sich daraus eine Gesamtsumme von 12,7 Milliarden Euro. Beim Verkauf des Ökostroms zum allgemeinen Börsenpreis, so die Kalkulation der Netzbetreiber, seien aber lediglich Einnahmen von knapp 4,5 Milliarden zu erzielen. Die Differenz von knapp 8,5 Milliarden Euro ergibt - umgelegt auf die insgesamt von normalen Endkunden verbrauchten Strom - den genannten Satz von etwas über 2 Cent pro kWh.
Die Übertragungsnetzbetreiber sind jeweils Töchter der vier Stromriesen: transpower gehört zu Eon, Amprion zu RWE, bei EnBW Transportnetze und Vattenfall Europe Transmission sind die Eigentümer am Namen erkennbar. In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben die vier Netzbetreiber Details ihrer Berechnung erklärt. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt die neue Regelung ausdrücklich; sie sei "wesentlich transparenter für die Stromkunden", sagte Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. "Der VKU appelliert an die Übertragungsnetzbetreiber, den EEG-Strom effizient zu vermarkten, um die EEG-Umlage in den darauffolgenden Jahren für die Kunden möglichst gering zu halten."
Branchenverband BEE: "Erneuerbare sind keine Kostentreiber"
Weil die Umlage bislang nur etwa 1,1 Cent betrug, werden Kritiker des EEG die neue Zahl sicherlich als Argument für sich zu nutzen versuchen. Allerdings sind die Daten nicht direkt vergleichbar, weil die neue Umlage auch Kosten enthält, die bisher in den Netzentgelten enthalten waren. Zudem, betont der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), hätten die Netzbetreiber sich bei ihrer Rechnung auf den Börsen-Strompreis des Jahres 2009 gestützt - der aber habe wegen der Wirtschaftskrise untypisch niedrig gelegen, die errechnete Umlage sei deshalb besonders hoch ausgefallen. Fast die Hälfte des Anstiegs beruhe auf diesem Effekt, nur ein Drittel gehe wirklich auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien zurück. "Erneuerbare sind keine Kostentreiber", so BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann. Während die durchschnittlichen Haushaltsstrompreise in den letzten zehn Jahren um mehr als neun Cent pro Kilowattstunde (kWh) gestiegen seien, habe sich die EEG-Umlage im gleichen Zeitraum lediglich um 0,9 Cent pro kWh erhöht. "Der eigentliche Preistreiber", so Klusmann, "ist die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen."

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnte davor, die gestiegene Umlage zum Anlass für eine neue Strompreisdiskussion zu nehmen. Wer dies tue, führe die Öffentlichkeit "bewusst oder unbewusst in die Irre", sagte DUH-Geschäftsführer Rainer Baake. Bei der Berechnung würden nämlich "volkswirtschaftlich oder direkt beim Stromkunden Kosten senkende Effekte des Ausbaus der Erneuerbaren Energien in Milliardenhöhe unterschlagen". Beispielsweise vermeide Ökostrom Milliardenschäden, die der Ausstoß von CO2 oder anderen Schadstoffen in Kohlekraftwerken sonst verursachen würde. Übersehen werde häufig auch, dass die Erneuerbaren an immer mehr Tagen im Jahr den Strompreis drückten. Wegen des "Merit-Order-Effekts" ersetze Ökostrom nämlich stets die nächstteuren konventionellen Kraftwerke, wodurch dann der allgemeine Börsenpreis sinke. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen hätten die Stromkunden dadurch schon im Jahr 2006 etwa drei bis fünf Milliarden Euro gespart - das allein entspräche etwa der Hälfte der für 2010 errechneten Mehrkosten durch Erneuerbare Energien.
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