Umwelt-Medienpreis 2008 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Kopenhagen soll Seattle werden

 AUS BERLIN SUSANNE GÖTZE

Am 11. Dezember beginnt die heiße Phase der Klimakonferenz in Kopenhagen. Dieses Datum haben sich nicht nur Umweltschützer und hoffentlich auch die Bundesregierung rot im Kalender angestrichen, sondern auch die linke, antikapitalistische Bewegung. Sie wollen abseits der geplanten Großdemo am Samstag, den 12. Dezember, die ganze Woche über Aktionen und Proteste organisieren. Kreativ sollen diese werden, kritisch, laut und abseits des seichten Zurechtweisens von den etablierten Nichtregierungsorganisationen. Die deutschen Aktivisten des dazu gegründeten Klima!Bewegungsnetzwerks trafen sich dieses Wochenende das erste Mal in Berlin zur Aktionskonferenz „Climate Justice Now“, um gemeinsam den Widerstand zu planen. „Wir wollen aus Kopenhagen ein neues Seattle machen“, erklärte Christina Eichberger, Mitorganisatorin der Aktionskonferenz des Netzwerkes und organisiert bei FelS (Für eine linke Strömung).

Hilferuf aus Kopenhagen

Schon seit gut einem halben Jahr diskutiert das Netzwerk, wie man „von links“ in den Kopenhagenprozess intervenieren muss. Das Bündnis entstand bei der Vorbereitung des Klimacamps 08 in Hamburg und reicht mittlerweile von Vertretern der Interventionistischen Linken, FelS, attac bis hin zur Antifa. Mit dabei sind aber auch regionale Protestgruppen gegen Kohlekraftwerke sowie Anti-AKW-Aktivisten. Doch die Vielfalt des Spektrums garantiert noch keinen Erfolg: „Kein leichtes Thema für eine breite Mobilisierung“, räumt FelS-Aktivistin Eichberger ein.riots1.jpg
Wird es auch in Kopenhagen zu Ausschreitungen vom so genannten Black-Block und massenhaften "Ungehorsam" kommen? (Fotos: Götze)

Das zeigt sich auch in den Diskussionen: Gut zwei Monate vor dem Großereignis sind grundsätzliche Fragen einer gemeinsamen Mobilisierung noch nicht geklärt. So etwas wie Torschlusspanik schwebte über dem Treffen der rund 50 Aktivisten, die aus ganz Deutschlang angereist sind. „Ihr müsst uns helfen – wir brauchen dringend Unterstützung und Ideen von der deutschen Bewegung“, wirft der Kopenhagener Koordinator des dänischen Klima-Kollektivs Mads verzweifelt in die Runde. Beim Mittagessen in der Volksküche erzählt Mads, dass es bei der Vorbereitung vor Ort in Kopenhagen an allen Ecken und Enden fehle. Die größte Herausforderung sei es, genügend Schlafplätze zu organisieren, aber auch Volksküchen und andere Treffpunkte. Da könne nicht auch noch über die Aktionen selbst nachgedacht werden, so Mads. Immerhin seien sie mehr oder weniger nur ein Dutzend wirklich aktive Organisatoren.

Ein grober Fahrplan steht schon

Auf intentionalen Vernetzungstreffen wurde immerhin schon ein grober Fahrplan für die Woche vom 11. bis zum 19. Dezember festgelegt. So soll es neben der Großdemo am 12. einen „Hit the production“- und „Reclaim Power“-Aktionstag geben. Unklar ist noch völlig, was am zweiten Wochenende geschehen soll, wenn die Verhandlungen ihrem Ende entgegen gehen.

Die Teilnehmer der Aktionskonferenz sind sich einig, dass gerade am zweiten Freitag noch dringend Druck von der Strasse ausgehen müsse. Doch viele bezweifeln hier, dass die meisten Aktivisten wirklich eine Woche in dem kalten Kopenhagen durchhalten werden – zumal die Übernachtungssituationen nicht gerade optimal sein wird. Doch eines ist für viele, gerade linksradikalere, Kräfte klar: Mit der Großdemo am ersten Samstag der Klimakonferenz wollen sie es nicht bewenden lassen. Doch das „Wie?“ ist derzeit noch völlig unklar.

demog8neu.jpg
Demo der Umweltbewegung auf dem G8-Gegengipfel in Rostock - bis jetzt blieben die Protest-Szenen oft unter sich

Die zurückhaltende Begeisterung an Protesten in Kopenhagen liegt nach Ansicht der Organisatorin Eichberger am für die Bewegung „jungen Thema“. Das Klimaproblem müssten sich viele linke Gruppen erst noch erschließen. Ökothemen seien in der linken Szene oft noch verpönt. So gebe es immer noch eine antikapitalistische Linke, die weitgehend parallel zur Umweltbewegung existieren würde. Die Chance von Kopenhagen sei es, beide Spektren zusammenzubringen, so Eichberger. Es handele sich hierbei eben nicht um ein klassisches Ökothema. Der Klimawandel treffe vor allem die ärmsten Menschen auf der Welt – deshalb gehe es in erster Linie um Klimagerechtigeit.

Kyoto sei „antisozial, rassistisch und neokolonial“

Ob das Kyotoprotokoll und sein potentieller Nachfolger dafür geeignet sind das Klimaproblem sozial wie ökologisch zu lösen, daran haben viele Organisationen des Klima!Bewegungsnetzwerks große Zweifel. Eine einheitliche Position, die sich pauschal gegen den Kyotoprozess richtet gibt es aber auch nicht. In der Erklärung des Netzwerkes heißt es lediglich, dass das Kyotoprotokoll und sein wichtigstes Instrument, der Emissionshandel, „antisozial, rassistisch und neokolonial“ ist. Kritisiert wird vor allem die Möglichkeit der Unternehmen im Rahmen des Emissionshandels Verschmutzungsrechte aus Projekten in armen Ländern zu generieren, dem so genannten „Clean Development Mechanism“ .
 
Einige Gruppen wollen deshalb eine Einigung zwischen den 190 Staaten verhindern, andere dagegen kritisieren den Prozess und wollen aufzeigen, dass mehr getan werden muss, als nur auf die „Einigung der großen Mächtigen“ zu schauen. „ Wer von der Kopenhagener Konferenz die Herstellung von Klimagerechtigkeit erwartet, wird enttäuscht werden“, so Eichberger. FelS wolle mit den Protesten in Kopenhagen vor allem ein Bewusstein für das Klimathema schaffen: „Wir wollen uns die Deutungshoheit zurückholen und damit Schluss machen, dass alle immer nur zu UN aufschauen – uns geht es darum, die Grassroots-Klimabewegung zu stärken“.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]
Dies könnte Sie auch interessieren:
Camp in rheinischem Braunkohlerevier
Camp in rheinischem Braunkohlerevier
Unweit der Abbruchkante des Braunkohletagebaus Garzweiler 2 veranstaltet die BUNDjugend ihr diesjähriges Klimacamp. Borschemich – nirgendwo in Deutschland wird mehr Kohlendioxid produziert. Im Oktober ist ein Aktionstag geplant.
Aus Borschemich Hanno Böck  [mehr...]
Protest vor Merkels Atom-Kungelrunde
Protest vor Merkels Atom-Kungelrunde
Merkel besucht auf ihrer Energiereise das Atomkraftwerk Lingen. Sie redet mit den Chefs von RWE und Eon, für die Umweltschützer vor dem Tor bleibt keine Zeit. Die lassen Luftballons aufsteigen, die eine radioaktive Wolke darstellen sollen. Schon am Morgen hatte Greenpeace einen Spruch auf den Kühlturm projiziert: "Atomkraft ist ein Irrweg, Frau Merkel!" Von Felix Werdermann  [mehr...]
Klimaaktivistin aus Haft entlassen
Klimaaktivistin aus Haft entlassen
Die Klimaaktivistin Franziska Wittig ist gerade aus der Haft entlassen worden. Ihr erstes Ziel ist der Rathausplatz von Bühl, wo Freunde und Unterstützer ein veganes Frühstücksbuffet aufgebaut haben. Vor zwei Jahren besetzte sie die Baustelle des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg und wurde dafür zu 15 Tagessätzen verurteilt. Sie zahlte nicht und ging stattdessen in das Gefängnis. Von Johanna Treblin  [mehr...]
Klimaprotest vor Gericht
Klimaprotest vor Gericht
Prozess gegen Klimaaktivisten in Kopenhagen: Gegen vier der 2.000 während des Klimagipfels weggesperrten  will die dänische Justiz nun offenbar ein Exempel statuieren. Aktivistennetzwerk  "Klimakollektivet" ruft zu Demonstration auf.
Aus Stockholm Reinhard Wolff  [mehr...]
Klimacamp vor Royal Bank of Scotland
Klimacamp vor Royal Bank of Scotland
Das britische Klimacamp hat seine Zelte vor dem Hauptquartier der Royal Bank of Scotland (RBS) in Edinburgh aufgeschlagen. Damit wollen die britischen Klimaretter gegen Investitionen der Royal Bank in Kohlekraftwerke und in den Abbau von Teersand protestieren. Unterstützung erhält auch der lokale Proteste gegen Kohletagebau.
Aus Edinburgh Hanno Böck  [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Linkspartei: Geht doch nach Beeskow!

tagebau-lausitz-470_boeck Die Linkspartei lädt am Wochenende zu einer hochrangig besetzten Konferenz zur Energiewende nach Hamburg ein – während in Brandenburg gegen Braunkohle, CCS und die fossile Politik der Linkspartei demonstriert wird. Ein Kommentar von Hanno Böck. [mehr...]

Werbung

Aus der Redaktion

Was, bitte, sollen denn diese Aufkleber?

germanyIm Redaktionsalltag gibt es immer wieder Themen und Texte, die uns besonders auffallen. Die brisanter sind als andere. Oder spannender. Oder bewegender. Mit bunten Aufklebern werden unsere Redakteurinnen und Redakteure (und gelegentlich auch Gäste) Sie künftig auf solche Texte hinweisen
Aktion des Monats

Raus aus der Tiefsee!

Seit drei Monaten sprudelt Öl aus der havarierten Bohrinsel von BP. Nehmen Sie an der Petition von Greenpeace teil, um neue Tiefseebohrungen zu verhindern! [mehr...]
Aktuelles Dossier 

Von Kopenhagen nach Cancun

Im August trifft sich die Weltklimadiplomatie zum dritten Mal in diesem Jahr um den nächsten großen Klimagipfel in Mexiko vorzubereiten. Mehr zur Bonner Konferenz hier  [mehr...]
herne_gp_ulrichbaatz_teas
Serie

Wie Klimakiller kippen

Reihenweise planten Stromkonzerne in Deutschland neue Kohlekraftwerke - doch rund ein Dutzend davon ist bereits verhindert worden. Gibt es Erfolgsrezepte für den Widerstand? [mehr...]
logo-afrika
Serie

Die Welt schaut nach Afrika

Der etwas andere Blick zur Fußball-WM: Klimaretter.info beleuchtet verschiedene Aspekte der Erderwärmung, die in Afrika sichtbar sind wie auf keinem zweiten Kontinent [mehr...]

Werbung

Dosenindustrie: Greenwash-Slogans verschrottet

Mitte Juli haben wir an dieser Stelle über den Versuch der Dosenindustrie berichtet, Getränkebüchsen grün anzumalen – und so deren Wiedereinführung auf dem Markt propagandistisch zu begleiten. Kurz darauf nahm sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) des Themas an. Und erreichte[…] [mehr...]

Aktuelle Blogs

Klimaretter-Dossiers

Bonn III - Die Sommerkonferenz der Klimadiplomaten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
1. Klimakonferenz 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel Cochbamba - Kopenhagen von unten
Kopenhagen 2009 - Wie der Mega-Gipfel scheiterte
Bundestagswahl - Das Klima war nur Nebensache
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung?

Werbung


Ressorts

Politik

merkel-kabinett

Regierung beschließt Sparpaket

Kürzen, kürzen, kürzen - jetzt gibt es über das Wie und Wo einen Regierungsbeschluss. Vor allem die sozial Schwachen müssen Einschnitte verkraften. Mehreinnahmen will die Regierung aber auch durch das Streichen von umweltschädlichen Subventionen erreichen. Zudem wurde die Luftverkehrs-Steuer beschlossen. Nur die Brennelementesteuer bleibt weiter offen - und wird erst mit dem Energiekonzept verhandelt. Von Johanna Treblin
[mehr...]
Energie

strommasten-nick

Bürgernetz Nordhessen will kommunale Stromnetze

In Grebenstein hat sich die Bürgernetz Nordhessen KG gegründet. Die Firma strebt eine Rekommunalisierung der Energieversorgung an und bietet Bürgern die Möglichkeit finanzieller Beteiligung [mehr...]
Protest

facebook-datacenter

Greepeace fordert Öko-Facebook

Facebook richtet ein neues Rechenzentrum ein, welches mit Kohlestrom versorgt wird - Greenpeace und 280.000 andere Facebook-Mitglieder protestieren [mehr...]
Wirtschaft

agrosprit-madera-pacificethanol

Kalifornien unterstützt Agrotreibstoffe

Der US-Bundesstaat Kalifornien will die angeschlagene Agrospritfirma Pacific Ethanol mit mehreren Millionen Dollar unterstützen. Der Gründer ist politischer Verbündeter des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger [mehr...]
Mobilität

landnahme-foe

Illegale Landnahme für Agrosprit

In Afrika nimmt die illegale Landnahme zu. Genutzt wird das Land vor allem von ausländischen Firmen, die Agrotreibstoffe für den europäischen Markt herstellen. Einer neuen Studie zufolge sind mindestens fünf Millionen Hektar Land betroffen [mehr...]
Forschung

Korallen-Konstanzestaud

Massives Korallensterben in Indonesien

Die dramatische Erwärmung der Oberflächentemperatur in den Gewässern um Indonesien hat für eine massive Korallenbleiche und das Absterben vieler Korallenriffe gesorgt   [mehr...]
Umwelt

wolken-indo

Millionenschäden durch Extremwetter in Hessen

Tornado auf Usedom, Tornado in Mittelhessen: An gleich zwei Orten in Deutschland wütete am Montagabend starker Sturm [mehr...]
Konsum

kuhlschrank_innen_sima

100 Euro für einen neuen Kühlschrank

Aktionsmonat zur Internationalen Funkausstellung: Kampagne "Energieeffizienz - jetzt" fordert das Aus für stromfressende Kühlschränke und bietet für den Kauf von A++ Geräten Zuschuss-Gutscheine [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar

tagebau-lausitz-470_boeck

Linkspartei: Geht doch nach Beeskow!

Die Linkspartei lädt am Wochenende zu einer hochrangig besetzten Konferenz zur Energiewende nach Hamburg ein – während in Brandenburg gegen Braunkohle, CCS und die fossile Politik der Linkspartei demonstriert wird. Ein Kommentar von Hanno Böck. [mehr...]
Standpunkte

atom-traktor-campact

Energiekonzept: Die Trickserei der schwarz-gelben Bundesregierung

Heute übergeben die Bietergemeinschaft Prognos, das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) und die Gesellschaft für Strukturforschung (GWS) der Bundesregierung die Energieszenarien, die als Grundlage für das angekündigte nationale Energiekonzept dienen sollen. Es geht nicht darum, den Umstieg in eine solare Zukunft aufzuzeigen, sondern die Vorteile einer Laufzeitverlängerung deutlich zu machen, sagt Michael Müller, Staatssekretär a.D. und Mitherausgeber von klimaretter.info in seinem Standpunkt.
[mehr...]
Rezension

MKG_Klimakapseln_HausRucker_EnvironmentTransformer_cr
Klimakapseln: Überleben in der Katastrophe

Wie könnte eine Zukunft aussehen, in der es längst nicht mehr um Klimaschutz geht, sondern vor allem um die Anpassung an das Unvermeidliche? Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eröffnet heute die Ausstellung "Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe". Ein Rundgang
Von SARAH MESSINA
[mehr...]
Kolumnen

etscheid

Sehnsucht nach dem Hochglanzmorgen

Nur ein dünner Strahl warmes Wasser, Hände werden kalt gewaschen, die Dusche dauert zwei Minuten - beim Einseifen wird das Wasser ausgeschaltet. Der Morgenritus ist für einen sich umweltbewusst dünkenden Menschen nicht einfach. [mehr...]
Überraschung der Woche

Matthias-Willenbacher-klein-juwi

Erdgas, Merkels Gegenbewegung und Oliver Bierhoff

Kalenderwoche 34: Erdgas ist nicht Brückentechnologie, sondern eine Ergänzung des Strommixes auf dem Weg zu 100 Prozent Erneuerbaren, sagt Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und Mit-Herausgeber von Klimaretter.info. Und Oliver Bierhoffs Vater war im Vorstand von RWE – wie überraschend.
[mehr...]