Kohl-Regierung ließ Gorleben-Studie schönen
Was nicht passt, wird passend gemacht. Nach diesem Motto verfuhr offenbar die Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU), als sie sich 1983 an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) wandte. Die Aufforderung: Ein Bericht über Gorleben sollte geändert werden - und den Salzstock doch als geeignet für die Endlagerung atomaren Mülls herausstellen. Das geht aus einem Brief des Forschungsministeriums hervor, aus dem die Süddeutsche Zeitung zitiert.

Nicht nur die Demonstranten haben was gegen Gorleben als Endlager für Atommüll - auch Wissenschaftler waren nicht begeistert. Doch die Bundesregierung machte Druck. (Foto: indymedia)
Bereits vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass ein Gutachten-Entwurf der PTB nachträglich geschönt worden war. Durch den Schriftverkehr des Ministeriums gibt es nun erstmalig einen Beleg für die Einflussnahme der Regierung auf die veröffentlichten Forschungsergebnisse.
Die Debatte um den geplanten Endlagerstandort Gorleben wird dadurch weiter angeheizt. Nachdem bekannt geworden war, dass die Pachtverträge für die Erkundung des Salzstocks im Jahr 2015 auslaufen, hatte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Gorleben für "tot" erklärt, Union und FDP halten jedoch weiter an dem geplanten Endlagerstandort fest.
Seit 1983 hat sich anscheinend nicht viel geändert. Auch damals wusste die schwarz-gelbe Regierung sehr gut, was von Gorleben zu halten sei: Das erste Kapitel über "wesentliche Ergebnisse der Standorterkundung" im Forschungsbericht der PTB sollte"sinngemäß mit der Feststellung schließen", dass "die Eignungshöffigkeit des Salzstockes Gorleben für die Errichtung eines Endlagers substantiell untermauert" werde, zitiert die Süddeutsche aus dem Brief.
Im zusammenfassenden Teil solle dann stehen, dass "berechtigte Hoffnung besteht, dass im Salzstock Gorleben ein Endlager für alle Arten von radioaktiven Abfällen" eingerichtet werden könne. Und damit nicht zu viele Bedenken auftauchen, bittet das Berliner Ministerium, den "vermutlich hypothetischen Störfall des Wasser- und Laugenzutritts (...), etwas weiter vom Zentrum der Betrachtung wegzurücken".
© wir-klimaretter.de/fw
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