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Vattenfall feiert sein CCS-Pilotprojekt

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Aus Stockholm REINHARD WOLFF

In Dänemark waren es die Proteste von Anwohnern, in Norwegen das Geld: Zum Septemberanfang sind gleich zwei Pilotprojekte gestoppt worden, mit denen die sogenannte CCS-Technik (siehe unser Lexikon) in der Praxis getestet werden sollte. Ein anderes Vattenfall-Projekt zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid feiert heute Jubiläum: Die Pilotanlage im brandenburgischen Schwarze Pumpe wurde vor einem Jahr eingeweiht.

"Die CCS-Technik erwies sich als weit teurer als bislang angenommen und würde mehr kosten als das gesamte Kraftwerk", begründet der norwegische Stromversorger BKK den Verzicht auf den Bau eines neuen Gaskraftwerks bei Mongstad nahe Bergen. Die Regierung in Oslo hatte für eine Baugenehmigung die Abscheidung und unterirdische Kohlendioxid-Lagerung in leeren Öl- und Gaskavernen unter dem Nordseeboden zur Bedingung gemacht. Angesichts der aktuellen Strompreise einerseits und der Bau- und Betriebskosten andererseits sei es unmöglich, ein solches Projekt lohnend zu machen, sagte BKK-Abteilungschef Thor André Berg.

Nicht das nötige Kleingeld, aber die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung lassen Vattenfall in Dänemark auf seine CCS-Pläne verzichten. Die Bevölkerung im nördlichen Jütland hatte nachhaltig dagegen protestiert, zum "Versuchskaninchen" für eine bislang nicht getestete Technik zu werden, und die Organisation "Nej til CO2-lagring ("Nein zur CO2-Lagerung") gegründet. Ihre Besorgnis: Das unterirdische Lager in einer porösen Sandsteinschicht, die von einer Lehmschicht überlagert wird, könne womöglich nicht so sicher sein wie von Vattenfall versprochen.

Der Energiekonzern wollte mit seinem dänischen Pilotprojekt die Kohlendioxid-Abscheidung und -Lagerung beim Kohlekraftwerk "Nordjyllandsværket" in Aalborg demonstrieren. Investitionen von umgerechnet über 250 Millionen Euro waren dafür vorgesehen, die Anlage sollte 2013 in Betrieb genommen werden.

Vor dem jetzigen Ausstieg hatte Vattenfall seine Pläne bereits im Mai wegen der Weigerung von Landwirten, ihre Felder für geologische Untersuchungen betreten zu lassen, vorläufig gestoppt. Der dänische Vattenfall-Direktor Erland Christensen kündigte an, der Konzern wolle sich für die Umsetzung der CCS-Technik nun auf Projekte in Deutschland konzentrieren.

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Das Kraftwerk Jänschwalde: Wenn in der Pilotanlage Schwarze Pumpe alles läuft, soll hier ein erstes Demonstrationskraftwerk entstehen.

Damit gemeint ist vor allem das am 9. September 2008 eingeweihte Pilotprojekt am Vattenfall-Standort Schwarze Pumpe: "Die Welt hat ein Klimaproblem, und als Braunkohleverstromer ist Vattenfall ein Teil des Problems." Diese Aussage stammt nicht etwa von Greenpeace, sondern von Vattenfalls Chef Tuomo Hatakka: Der Konzern müsse für den Klimaschutz seinen Kohlendioxidausstoß bis 2030 halbieren. Hatakka: "Das geht nur durch CCS."

Also hat Hatakka mit viel Pompöse vor einem Jahr in Schwarze Pumpe, einem geschichtsträchtigen Energie-Standort in Südbrandenburg, vor Jahresfrist auf den Roten Knopf gedrückt - und eine 30 Megawatt-Pilotanlage mit CCS-Abscheidung in Betrieb genommen. Funktioniert alles so wie geplant, will Vattenfall bis zum Jahr 2014 für geschätzt eine Milliarde Euro in Jänschwalde ein 500-Megawatt-Kraftwerk bauen, das kohlendioxidarmen Strom aus Braunkohle erzeugt.

Ob sich das wirtschaftlich lohnt? "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen", sagt Konzernchef Tuomo Hatakka. So müsse der Zertifikatspreis für eine Tonne Kohlendioxid mindestens 35 Euro betragen. Rahmenbedingungen heißt auch, dass die genehmigungsrechtlichen Schritte funktionieren. Und natürlich müsse der Wirkungsgrad hoch sein. Aber da sind die Vattenfall-Chefs optimistisch - und setzen auf den Ingenieursgeist.

Wenn also alles klappt, will Vattenfall 2019 CCS-Kraftwerke bauen können. Und Weltmarktführer werden. "Es gibt noch sehr viel Kohle auf der Welt", sagt Hatakka optimistisch. Als "kohlendioxidfrei" wird er seinen Exportschlager aber nicht bezeichnen dürfen. Das hatten die Gerichte Vattenfall untersagt - weil es nicht stimmt.

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Technisches Schema der Anlage, die heute Jubiläum feiert. (Darstellung: Vattenfall)

Tatsächlich ist ein spannender Wettlauf um die Technologie entbrannt. Vattenfall will "Weltmarktführer" werden und hat bereits 1 Milliarde Euro für die nächste Ausbaustufe bereitgestellt: Ab 2014 soll in Jänschwalde ein 500-Megawatt-Kraftwerk mit dem sogenannten Oxyfuel-Verfahren gebaut werden. Beim "oxyfuel-Verfahren" von Vattenfall wird Kohle in reinem Sauerstoff verbrannt, weshalb deutlich weniger Abgas aus Kohlendioxid und Wasser besteht. Der Wasserdampf wird auskondensiert, übrig bleibt ein bis zu 90 Prozent konzentriertes Kohlendioxid-Gas, das unter Druck verflüssigt wird.

Allerdings beginnt sich auch in Brandenburg Widerstand zu regen. Im Landkreis Oder-Spree hatte eine Bürgerinitiative 25.000 Unterschriften gesammelt. Vattenfall wollte hier die tiefengeologischen Schichten auf Brauchbarkeit als Speicher testen. Im Februar noch war das Volksbegehren "Keine neuen Tagebaue" kläglich gescheitert. Innerhalb von vier Monaten haben nur 25.168 Brandenburger unterschrieben. 80.000 Stimmen wären notwendig gewesen, um einen Getzesentwurf zum mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung in der Lausitz vor den Landtag zu bringen. Jetzt also sind die Landwirte aufgewacht.

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Vattenfalls PR-Coup: Im Oktober 2008 ließ der Konzern Unterschriften für mehr Klimaschutz sammeln. (Alle Fotos: Nick Reimer)

Dabei sind die Brandenburger nicht die einzigen: Der Bauernverband Schleswig-Holstein hatte seine Mitglieder dazu aufgefordert, Mitarbeitern von RWE, die seismische Untersuchungen durchführen, nicht auf ihre Grundstücke zu lassen. Der Bauernverband befürchtet ein Imageproblem für die Region und betont die wichtige Rolle der norddeutschen Landwirte bei der Nutzung regenerativer Energien.

Mitarbeit: NICK REIMER

 

HIER finden Sie einen persönlichen Rundgang auf dem Vattenfall-Gelände in Schwarze Pumpe.

HIER lesen Sie einen Lügendetektor zum Vattenfall-PR-Coup, dem Sammeln von "Klima-Unterschriften".

Und HIER gibt es Interview mit dem CDU-Mann Hans-Georg von der Marwitz, der den „Fürstenwalder Kreis“ gegen CCS gegründet hat.

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