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RWE lässt demonstrieren

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VON NICK REIMER

Der Essener Energiekonzern RWE holt zum großen PR-Gegenschlag aus. Am kommenden Freitag werden alle Auszubildenden des Konzerns freigestellt, um zu einer Pro-Atom-Demo nach Biblis zu fahren. "Alle Azubis sind aufgerufen, in Biblis mitzumachen", heißt es im Aufruf der RWE-Auszubildendenvertretung, angesiedelt beim Personalvorstand in Essen. Biblis A, der älteste deutsche Atomreaktor, ist genauso in Besitz von RWE wie der Nachbarreaktor Biblis B. "Je mehr mitmachen, desto besser können wir ,denen da oben' unsere Botschaft vermitteln: ,Biblis - KERNig in die Zukunft". Nach dem Atomkonsens hätte Biblis A ursprünglich 2007 abgeschaltet werden müssen.

Nach Angaben von RWE beschäftigt der Konzern derzeit 3.000 Auszubildende. "Nicht nur die Auszubildenden von RWE werden nach Biblis reisen, sondern auch die von Eon, Vattenfall und den anderen Energieversorgungsunternehmen", sagte RWE-Sprecher Manfred Lang. Es könnte also gut sein, dass auf diese Art 10.000 Demonstranten nach Biblis gefahren werden.

Den Vorwurf des "Teilnahmezwangs" weist RWE zurück. Lang sagt: "Ich glaube nicht, dass man heutzutage jemanden zur Teilnahme an der Demo zwingen kann." Auszubildende, die nicht mitdemonstrieren wollten, könnten ja zur Arbeit gehen.

Dem widerspricht allerdings ein Mitarbeiter einer RWE-Tochter im Saarland. "Der Konzern hat die Auszubildenden freigestellt, damit sie zur Demo fahren, nicht damit sie blaumachen", erklärt er gegenüber der taz. Es gebe eine klare Order. Der Konzern habe zudem Busse gechartert, damit von jeder einzelnen RWE-Tochter die Azubis auch tatsächlich in Biblis ankommen.

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Redner vor den Atomreaktoren Biblis A und B wird RWE-Chef Jürgen Großmann sein, der seit Wochen gegen den Atomausstieg feuert. In der aktuellen Zeit bezeichnet er die Schärfe der Auseinandersetzung um die Atomkraft wie bei einem "Religionskrieg": Atomkraftwerke abzuschalten sei wie ein Außerirdischer, der "sein atomgetriebenes Raumschiff zerhackt, das ihn eigentlich sicher nach Hause bringen soll". Als Redner zugesagt hat neben Großmann auch Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU).

Die Forderungen der jungen Menschen stehen schon mal fest. "Wir fordern den Erhalt der CO2-freien und preiswerten Kernenergie im deutschen Energiemix", heißt es im RWE-Flyer.

Mit 10.000 Demonstranten rechnen auch die Organisatoren der Anti-Atom-Demo am folgenden Tag in Berlin. "Die Strategie von RWE ist klar: Bilder mit jungen Menschen sollen eine Zukunftsbotschaft vermitteln", urteilt Jochen Stay, Sprecher der Kampagne "ausgestrahlt". Dazu nutze der Konzern seine Macht gegen Lohnabhängige, die oft hofften, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Die entscheidende Frage sei: "Wie viele der bezahlten Demonstranten würden nach Biblis fahren, wenn sie ihre Fahrtkosten selbst zahlen müssten?"

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Vor dem Brandenburger Tor startete unterdessen die Protesttour des Kampagnen-Netzwerks Campact. "Wir wollen damit auf die ungelöste Endlagerung des Atommülls aufmerksam machen", sagte Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz. In den nächsten drei Wochen wollen die Umweltschützer insgesamt zwölf deutsche Städte auf ihre Eignung als Endlagerstandort untersuchen.

Vor dem Brandenburger Tor haben die Umweltschützer eine fiktive Bodenprobe entnommen und befunden: Hier sollte der Atommüll nicht verbuddelt werden. Mahnend steht ein nachgebauter Castorbehälter in Originalgröße neben der Probebohrung. Begleitet von rund 100 Demonstranten wurde er von der Berliner Zentrale des AKW-Betreibers Vattenfall in die Stadtmitte gebracht. Verkleidet als Wissenschaftler in Strahlenschutzanzügen maßen die Atomkraftgegner zwischendurch immer wieder die Strahlung mit ihren "Geigerzählern" - Kassettenrekordern, die Störgeräusche abspielten.

An der Anti-Atom-Aktion beteiligen sich unter anderem die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Bund für Umwelt und Naturschutz und die Globalisierungskritiker von Attac. Gerd Rosenkranz von der DUH sagte: "Mit dem Boom der erneuerbaren Energien passen Atomkraftwerke nicht mehr in unser Stromsystem." Nach dem Auftakt in Berlin sind in den nächsten Tagen auch in Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main, Stuttgart und München Demos geplant.

www.wir-klimaretter.de werden in einem Blog von allen Stationen berichten. 

Fotos: Campact

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