Greenpeace legt "Plan B" vor
Aus Berlin ANNA MAUERSBERGER
Hundert Tage vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen, wo ein neues internationales Klimaschutzabkommen entstehen soll, kommt eine Studie des Aachener Instituts EUtech im Auftrag von Greenpeace zu dem Ergebnis, dass Deutschland den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um mindestens 90 Prozent senken kann. Das am heutigigen Donnerstag in Berlin vorgestellte Szenario "Klimaschutz Plan B 2050", berücksichtigt dabei ausschließlich nationale Einsparpotenziale - und belegt: Eine hunderprozentige Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien könnte in der Bundesrepublik bis 2050 Wirklichkeit werden.
Das Konzept versteht sich als Erweiterung und Verschärfung des IPPC-Forschungsberichts von 2007. „Die derzeitigen Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung werden das nationale Klimaschutzziel einer Treibhausgasminderung von minus 40 Prozent bis 2020 deutlich verfehlen“, so Sigrid Achner von EUtech. Dies liege vor allem an den stetig steigenden Emissionen der Energiewirtschaft. Wolle die Bundesrepublik den Ausstoß von Treibhausgasen langfristig senken, müsse sie unter anderem die Laufzeiten von Atomkraftwerken verkürzen, auf einen Kohleausstieg bis 2040 drängen und eine energieeffiziente Umstellung von Industrie, Handel, Haushalten und Verkehr sichern, so Achner.
"Dies ist das ehrgeizigste Klimaschutz-Szenario derzeit", sagt Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, "doch es ist kein Wunschkonzert - es ist machbar." Nach dem Modell müssten Erdgas und Kraft-Wärme-Kopplung bis zur Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien als Brückentechnologien dienen. Der letzte Atomreaktor könnte bereits 2015 vom Netz gehen - acht Jahre früher als geplant.
Bei einem gleichzeitigen Ausbau alternativer Energien werde Deutschland so nicht nur nahezu unabhängig von Energie-Importen. Der Umbau der Energieversorgung rechne sich überdies finanziell: Neben geringeren Stromkosten könne die Wirtschaft bereits im Jahr 2020 mit Einsparungen von 35 Milliarden Euro rechnen. "Leider vertritt die CDU/CSU allein die Interessen der vier großen Stromkonzerne; die SPD setzt nach wie vor auf den Bau von Kohlekraftwerken mit gigantischen CO2-Emissionen", so Böhling. Dabei sei er davon überzeugt, dass Wirtschaftskrise und Klimakrise gemeinsam gelöst werden könnten - „hierfür allerdings brauchen wir eine Politik mit Rückgrat und langem Atem."
Den allerdings vermißt der Greenpeace-Mann: "Es ist beschämend, dass Bundeskanzlerin Merkel kein zukunftsfähiges Energiekonzept für Deutschland vorzuweisen hat", so Böhling. Die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD und FDP seien nicht einmal auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Böhling wundert sich über die aktuelle politische Debatte: "Klimaschutz als die dringlichste Herausforderung der Menschheit, spielt im Bundestagswahlkampf keine Rolle."
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Foto: Reimer, Grafiken: Greenpeace
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